Erlöse von 3,28 Milliarden Euro - Konzern senkt jedoch Gewinnprognose
Luxemburg (epd).

Die europäische RTL Group hat im ersten Halbjahr 2022 einen Umsatz von 3,28 Milliarden Euro erzielt. Das sei erneut ein Rekord, teilte der Medienkonzern am 5. August in Luxemburg mit. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz um 8,7 Prozent. Das Unternehmen erklärte dies unter anderem mit einem starken Geschäftsverlauf in den Niederlanden und sogenannten Skaleneffekte in Deutschland. Die Mediengruppe RTL Deutschland ist seit Januar Eigentümer des Verlags Gruner + Jahr, zudem hatte sie im Sommer 2021 den Sender Super RTL vollständig übernommen.

Das bereinigte Vorsteuerergebnis wuchs im ersten Halbjahr um 3,7 Prozent auf 501 Millionen Euro. Das sei trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und höherer Anlaufverluste bei Streaming-Projekten gelungen, hieß es. Der Nettogewinn sank im ersten Halbjahr um 67,3 Prozent auf 304 Millionen Euro. Die RTL Group erklärte dies mit dem hohen Vergleichswert aus dem Jahr 2021, der durch „erhebliche Veräußerungsgewinne“ zustande gekommen war.

Die Mediengruppe RTL Deutschland steigerte ihren Umsatz im ersten Halbjahr um 21,5 Prozent auf 1,24 Milliarden Euro. Das bereinigte Vorsteuerergebnis sank hier hingegen um fünf Prozent auf 191 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr 2022 senkte der Konzern seine Gewinnprognose: Aufgrund des „herausfordernden makroökonomischen Umfelds“ und der Auswirkungen insbesondere auf die Werbemärkte sei nur noch von einem bereinigten Vorsteuerergebnis zwischen 1,05 bis 1,15 Milliarden Euro auszugehen. Im Jahr 2021 lag dieses Ergebnis bei 1,15 Milliarden Euro.

CEO Thomas Rabe sagte zu den Ergebnissen: „Die RTL Group hatte ein solides erstes Halbjahr 2022, trotz der zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheiten durch den Krieg in der Ukraine, die steigende Inflation und Probleme in der Lieferkette.“ Der Konzern erreiche weiterhin seine Ziele in den Wachstumsbereichen Streaming und Content. Die Streamingdienste der Gruppe hätten inzwischen die Marke von 4,5 Millionen zahlenden Abonnenten überschritten. In der zweiten Jahreshälfte werde die deutsche Streamingplattform RTL+ zu einem „crossmedialen Unterhaltungsdienst“ ausgebaut, kündigte Rabe an.

Die RTL Group verwies in ihrer Mitteilung außerdem auf die Schwierigkeiten, die beim vorgesehenen Zusammenschluss in Frankreich zwischen der Groupe TF1 (Bouygues-Konzern) und der Groupe M6 (RTL Group) aufgetreten sind. In einem kürzlich veröffentlichten Bericht habe ein Fallteam der französischen Wettbewerbsbehörde die Ansicht vertreten, dass die geplante Transaktion insbesondere auf dem Werbemarkt „erhebliche wettbewerbsrechtliche Bedenken“ aufwerfe. Der Bericht greife der endgültigen Entscheidung der Behörde allerdings nicht vor, hieß es. Die Fusion war im Mai 2021 angekündigt worden (epd 21/21).

„Die Art und der Umfang der im Bericht des Fallteams geforderten Abhilfemaßnahmen würden den Vorschlag der Parteien irrelevant machen“, erklärte die RTL Group. In diesem Fall werde der Plan zurückgezogen. Die Parteien, die ihren Vorschlag in der vorgelegten Form beibehalten wollten, würden der Wettbewerbsbehörde nun bis Mitte August antworten. Die Anhörungen vor dem Ausschuss der Behörde seien für den 5. und 6. September vorgesehen. Mit einer Entscheidung werde im Oktober gerechnet.

Die RTL Group gehört zum deutschen Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann. Sie betreibt insgesamt 56 Fernsehsender, 8 Streamingdienste und 36 Radiostationen. Zur Mediengruppe RTL Deutschland mit Sitz in Köln gehören neben dem Stammsender RTL unter anderem RTLzwei, Vox und der Nachrichtensender N-TV.

Aus epd medien 32/22 vom 12. August 2022

rid