Reporter ohne Grenzen: Weltweit 389 Journalisten in Haft

Syrien, Mexiko, Afghanistan, Pakistan und Somalia besonders gefährlich
Paris (epd)

Die Arbeit für Journalisten ist nach Angaben von Reporter ohne Grenzen (ROG) in vielen Ländern schwerer und riskanter geworden. Die gefährlichsten Länder für Medienschaffende seien derzeit Syrien, Mexiko, Afghanistan, Pakistan und Somalia, heißt es in der in am 17. Dezember veröffentlichten "Jahresbilanz der Pressefreiheit" 2019 der Organisation. Seit Jahresbeginn sind demnach weltweit mindestens 49 Medienschaffende getötet worden, darunter allein in Syrien und Mexiko jeweils zehn. Im Vorjahr seien 86 Journalisten ums Leben gekommen.

389 Menschen weltweit seien aktuell wegen ihrer journalistischen Tätigkeit in Haft, hieß es. Das seien zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr. Fast die Hälfte von ihnen sei in China (120), Ägypten (34) und Saudi-Arabien (32) inhaftiert, hieß es. "Die hohen Zahlen inhaftierter Journalistinnen und Journalisten in China, Ägypten und Saudi-Arabien sind ein Beleg dafür, wie diese Regime die Schraube der Repression weiter angezogen haben", erklärte die Organisation.

In Syrien sitzen den Angaben zufolge aktuell 26 Journalisten im Gefängnis. Dort geht Reporter ohne Grenzen aber von einer weit höheren Dunkelziffer aus. In der Türkei und in Vietnam sind es jeweils 25. Dazu kämen mindestens 57 Medienschaffende weltweit, die derzeit entführt seien, teilte ROG mit.

In der Türkei wurden im Laufe des Jahres Dutzende Journalisten freigelassen, weil sie ihre Haftstrafen abgesessen haben oder von neuen Gerichtsentscheidungen zu ihren Fällen profitierten. Mehrere wurden jedoch nach kurzer Zeit erneut inhaftiert. Das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung sei für Medienschaffende in der Türkei insgesamt sogar gestiegen, kritisierte ROG. Rund zehn seien 2019 ins Exil gegangen, um willkürlicher Strafverfolgung zu entgehen.

Mehr als 40 Prozent der in China inhaftierten Medienschaffenden sind laut ROG Bürgerjournalisten, die trotz verschärfter Zensur sozialer Netzwerke versucht hatten, über das Internet unabhängige Informationen zu verbreiten. Die meisten Neuverhaftungen habe es unter Journalisten gegeben, die der muslimischen Minderheit der Uiguren angehören.

Nur eine Minderheit der getöteten Journalisten sei in Kriegsgebieten umgekommen, hieß es weiter. Die meisten seien in Ländern getötet worden, in denen formal Frieden herrsche. Ein Land im Friedenszustand wie Mexiko beispielsweise sei für Journalistinnen und Journalisten ebenso gefährlich wie das Bürgerkriegsland Syrien.

In Syrien wurden laut Reporter ohne Grenzen mit 30 auch die meisten Entführungen von Journalisten gezählt. Auf Platz zwei und drei folgen der Jemen (15) und der Irak (elf). Ein Medienschaffender wurde dem Bericht zufolge im Osten der Ukraine verschleppt. Von den meisten der in Syrien Entführten habe es im ganzen Jahr kein Lebenszeichen gegeben. Manche von ihnen seien seit sieben Jahren verschollen. Zehn Journalisten, die im Jemen seit 2015 von den Huthis festgehalten werden, drohe die Hinrichtung durch ihre Entführer.

Stichtag der Zählung war laut Reporter ohne Grenzen der 1. Dezember. Todesfälle wurden für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 1. Dezember berücksichtigt.

Aus epd medien 51/52 vom 20. Dezember 2019

lob/rid