Ofcom: BBC verliert junges Publikum

Aufsichtsbehörde über im Jahresbericht scharfe Kritik
London (epd)

Nach Einschätzung der Medienaufsichtsbehörde Ofcom bemüht sich die BBC nur unzureichend um das junge Publikum. "Die BBC muss sehr viel mehr tun, um mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben - durch relevante, ansprechende und gut platzierte Inhalte - oder sie wird eine Generation potenzieller Gebührenzahler verlieren", erklärte die Ofcom am 24. Oktober zur Veröffentlichung ihres zweiten Jahresberichts über die BBC. Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum April 2018 bis März 2019.

Zum ersten Mal schalteten weniger als die Hälfte (49 Prozent) der 16- bis 24-Jährigen in einer durchschnittlichen Woche einen der BBC-Fernsehkanäle ein, wie der Jahresbericht festhält. Menschen im Alter zwischen 16 und 34 Jahren verbrachten demnach im Schnitt eine Stunde und zwölf Minuten täglich mit den Angeboten der BBC, das waren fünf Minuten weniger als im Vorjahreszeitraum. Beim Gesamtpublikum beträgt die durchschnittliche Nutzungsdauer laut Ofcom das Doppelte.

CBeebies verliert Zuschauer

Auch der Kindersender CBeebies für Unter-Sechsjährige verlor nach Jahren der Stabilität Zuschauer: Der Anteil der Vier- bis Sechsjährigen, die den Sender wöchentlich einschalten, sank um fünf Prozentpunkte auf 34 Prozent. Der Streamingdienst BBC iPlayer erreichte nur noch 26 Prozent der 15- bis 24 Jährigen (Vorjahr: 28 Prozent), während Netflix bei der jüngeren Zielgruppe seine Reichweite um zehn Prozentpunkte auf 66 Prozent steigerte. Die Zeit, die 18- bis 24-Jährige auf den Webseiten der BBC verbringen, sank um ein Viertel auf zwei Minuten täglich.

Ein ähnliche Bild ergibt laut Ofcom eine Untersuchung der BBC-Nachrichten. Zwar bleibt die BBC demnach die Hauptnachrichtenquelle im Vereinigten Königreich. "In Zeiten von Fake News und Desinformation ist die BBC für die Menschen weiterhin die erste Quelle für die vertrauenswürdige Interpretation von Ereignissen, vor allem bei Breaking-News", erklärte die Ofcom. Nichtsdestotrotz wandten sich jüngere Zielgruppen zunehmend von den BBC News ab und informierten sich stattdessen über Social Media oder Aggregatoren wie "Apple News" oder "Upday". Von den 16- bis 24-Jährigen sahen laut Ofcom 2018 weniger als die Hälfte (23 Prozent) Nachrichten im BBC-Fernsehen, was einem Verlust von mehr als einem Drittel in fünf Jahren entspricht.

Nicht nur mit den Jüngeren, auch mit anderen Gruppen hat die BBC Probleme, wie der Ofcom-Bericht festhält. So seien etwa ältere Frauen und sozial Schwächere weiterhin unzufrieden damit, wie sie in den Angeboten der BBC dargestellt werden. Dies betreffe auch die Einwohner Schottlands und Menschen über 65 Jahren. Die BBC-Nachrichten konzentrierten sich tendenziell zu sehr auf Themen der weißen Mittelklasse und London als Zentrum.

Die Ofcom wirft der BBC zudem mangelnde Transparenz vor. "Unser Jahresbericht meldet ernste Bedenken zur Transparenz und Offenheit der BBC an", erklärte die Aufsichtsbehörde. Dies betreffe unter anderem die Art und Weise, wie die BBC Entscheidungen über redaktionelle Beschwerden veröffentlicht und erklärt. Die Ofcom mahnt hier dringend eine Verbesserung an. "Die Verpflichtung zur Transparenz wird das Vertrauen in die BBC stärken", betonte die Behörde.

Wiederholte Kritik

"Wir erwarten einen klar artikulierten Plan, der sich den problematischen Bereichen zuwendet, in der Jahres- und Budgetplanung der BBC für 2020/21", erklärte die Ofcom. Der Veröffentlichungstermin für die Planungen ist Ende März 2020. Bereits in ihrem ersten Jahresbericht über die BBC hatte die Ofcom mangelnde Transparenz und eine Vernachlässigung des jungen Publikums kritisiert (epd 45/18).

Die Ofcom ist seit April 2017 für die Regulierung der BBC zuständig. Die Behörde übernahm diese Aufgabe vom BBC Trust, der aufgelöst wurde (epd 14/17). Diese Veränderung ergab sich aus der neuen BBC-Charter, die Anfang 2017 in Kraft trat (epd 1/17). Die Royal Charter ist das Gesetz, auf dem die Finanzierung und Organisation der BBC beruht. Die Rolle der Ofcom besteht nach eigenen Angaben darin, die BBC im Namen des Publikums "robust, fair und unabhängig" zu regulieren. Kernaufgaben sind die Überprüfung, ob die BBC ihren Auftrag erfüllt, die Beurteilung der Auswirkungen auf fairen Wettbewerb und Sicherung redaktioneller Standards im BBC-Programm.

Aus epd medien 45/19 vom 8. November 2019

tz