Mip-TV 2019: Wichtige Aussteller erstmals nicht dabei

Veranstalter Reed Midem kündigt Neukonzeption der Messe an
Cannes (epd)

Die Zahl der Teilnehmer an der internationalen Fernsehprogramm-Messe Mip-TV in Cannes ist in diesem Jahr weiter gesunken. Wie Laurine Garaude, die Fernsehdirektorin des Veranstalters Reed Midem, zum Auftakt der viertägigen Messe am 8. April bekanntgab, kamen insgesamt rund 9.500 Delegierte aus 100 Ländern an die Cote d'Azur. Trotz einer Vielzahl von Veranstaltungen waren das erneut etwa 500 weniger als im Vorjahr (epd 16/18).

Nicht mit eigenen Ständen vertreten waren erstmals wichtige Aussteller wie BBC Studios, Endemol Shine und Fox Networks. Wie die großen US-Studios, die bereits seit mehreren Jahren der Frühjahrsmesse Mip-TV fern bleiben, erklärten sie, sich auf die Herbstmesse Mipcom konzentrieren zu wollen.

Reed-Midem-Managerin Garaude sagte, man spreche mit den Messeteilnehmern über die "Bedürfnisse in dieser sich schnell ändernden Marktumgebung". Das Feedback zeige zwei wichtige Punkte: "Die Content-Entwicklung ist der Schlüssel für die Verkäufer, die Vertriebe und die Produzenten und ist zentral für die Entwicklung von Mip-TV. Der andere Punkt ist die Notwendigkeit für flexiblere Lösungen für Aussteller und Besucher, um die sich verändernden Bedürfnisse zu decken." Für die Zeit ab 2020 arbeite Reed Midem an neuen Konzepten.

In diesem Frühjahr kamen rund 3.300 Einkäufer (Vorjahr: 3.600) nach Cannes. Wie in den Vorjahren lag bei den Teilnehmern Gastgeber Frankreich vor Großbritannien und den USA an der Spitze. Deutschland verteidigte erneut seinen vierten Platz vor Italien. Veränderungen gab es in der zweiten Hälfte der Top 10: Dort lag Spanien vor Kanada, Russland, der Türkei und China. Frankreich war in diesem Jahr als "Country of Honour" mit einer besonders starken Beteiligung präsent.

Viele Ereignisse fanden auf der Mip-TV 2019 parallel und noch konzentrierter statt. In diesem Jahr waren dies die zentrale Programm-Messe Mip-TV, das zum zweiten Mal angebotene Fernseh-Serienfestival Canneseries, die Vormessen MipDoc für Dokumentationen und MipFormats für TV-Formate, der MipDrama Buyers Summit und daneben In Development, eine Veranstaltung für in Entwicklung befindliche Programme.

Vom 5. bis 10. April fand im Palais des Festivals erneut das Internationale Serienfestival von Cannes unter der Präsidentschaft der ehemaligen französischen Kulturministerin Fleur Pellerin statt. Am Wettbewerb nahmen zehn nominierte Serien aus acht Ländern teil, darunter die beiden deutschen Serien "Bauhaus - Die Neue Zeit" (ZDF/Arte) von Lars Kraume mit Anna Maria Mühe und August Diehl und "How to sell drugs online (fast)" von Bildundtonfabrik (Philipp Käßbohrer/Matthias Murmann) im Auftrag von Netflix.

Die Gewinner der Festivalpreise waren die Serien "Perfect Life" (Moviestar Plus) aus Spanien (beste Serie) und "The Twelve" (VRT) aus Belgien (bestes Drehbuch) sowie Reshef Levi aus der israelischen Produktion "Nehama" (Hot Telecommunications Systems) als bester Darsteller/Darstellerin. Der Preis für die beste Musik ging an die deutschen Komponisten Christian M. Kaiser und Julian Maas für "Bauhaus".

Emmy Kids Awards verliehen

Zum vierten Mal fand in Cannes am 9. April die Verleihung der International Emmy Kids Awards in sieben Kinderprogramm-Kategorien statt. Diese werden seit 2013 von der New Yorker International Academy of Television Arts & Sciences verliehen. Unter den sieben Gewinnern befanden sich in diesem Jahr trotz drei Nominierungen keine Produktionen aus Deutschland. Großbritannien (Factual/Preschool/TV MovieMini Serie) war dreimal erfolgreich, dazu kamen vier Gewinner aus den Niederlanden (Animation), Norwegen (Digital), Schweden (Non-Scripted Entertainment) und Brasilien (Series).

Gut besucht mit rund 1.600 Teilnehmern waren die Vormessen MipDoc (Dokumentationen) und MipFormats (TV-Formate) am 6. und 7. April. Unter den 30 meistgesehenen Dokumentationen befanden sich elf Produktionen aus Frankreich, je sechs aus Deutschland und Großbritannien, je zwei aus den USA und Südkorea und je eine aus Kanada, den Niederlanden und der Schweiz.

Die meistgesehenen Dokumentationen waren in diesem Jahr die beiden britischen Dokumentationen "100 Million Views" (Sideways Film) über Youtube und "100 Vaginas" (TVF International). Auf den Plätzen drei bis sieben lagen fünf Dokumentationen in deutschen Vertrieben, darunter "A Day in the Life of Earth" (BBC/ZDF Enterprises).

Aus epd medien 17/19 vom 26. April 2019