Mehrere bulgarische Printmedien stellen Papierausgabe ein

Qualitätstageszeitung "Sega" nur noch online und freitags als Wochenzeitung
Sofia (epd)

Gleich drei bulgarische Printmedien haben zum Jahresende 2019 ihr Erscheinen auf Papier eingestellt. Die wöchentlich erschienene Kulturzeitung "K" gibt es nicht mehr, das satirische Monatsblatt "Prass-Press" (Schweinepresse) ist nurmehr als pdf-Ausgabe zu abonnieren, und die Tageszeitung "Sega" (Jetzt) erscheint nur noch online und jeweils freitags als Wochenzeitung.

In den vergangenen fünf Jahren ist ein knappes Dutzend Tageszeitungen aus den Zeitungskiosken verschwunden. Manche von ihnen wie "Novinar", "Republika", "Klassa", "Pressa" und die Wirtschaftszeitung "Pari" haben gänzlich aufgehört zu erscheinen, andere wie "Dnevnik" und das nationalistische Parteiorgan "Ataka" haben ihre Erscheinungsweise von Print auf Online umgestellt. "Kapital Daily" und "Standard" erscheinen - wie nun auch "Sega" - nurmehr online und freitags auf Papier.

Gedruckte Tageszeitungen lassen sich inzwischen an einer Hand abzählen. Zu ihnen gehören die Parteizeitung der ex-kommunistischen Sozialisten, "Duma" (Wort), die beiden vom Medienkonzern des umstrittenen Parlamentsabgeordneten Deljan Peewski herausgegebenen Blätter "Telegraph" und "Monitor" sowie die einstige Gewerkschaftszeitung "Trud" (Arbeit) und "24 Tschassa" (24 Stunden). Diese beide waren von Mitte der 90er Jahre bis zum Jahr 2010 im Besitz der Essener WAZ-Gruppe (heute Funke Mediengruppe).

Nach den Umstellungen bei "Dnevnik" und "Kapital Daily" galt "Sega" als letzte täglich erscheinende regierungskritische Qualitätszeitung, die in ihrer reaktionellen Tätigkeit die journalistische Ethik und professionelle Standards wahrte. Die Peewski-Zeitungen "Telegraph" und "Monitor", aber auch "Trud" und "24 Tschassa" zeichnen sich hingegen dadurch aus, dass sie der rechtspopulistischen Regierung von Ministerpräsident Bojko Borissow Medienkomfort gewähren und kritische Bürgerrechtler und Umweltschützer oft als anti-bulgarische "Soros-Agenten" diskreditieren.

Im Jahr 2017 stand "Sega" über Wochen hinweg im Fokus eines Skandals. Der "Sega"-Herausgeber und Gasunternehmer Sascho Dontschew erzählte öffentlich, wie Generalstaatsanwalt Sotir Tsatsarow ihn zu einem Gesprächstermin zitierte, um ihn zu fragen, warum er sich eine Zeitung halten müsse, wo er doch so ein schönes Gasgeschäft habe. Über die Jahre hinweg bekam Dontschew - wie auch der Herausgeber von "Dnevnik" und "Kapital", Iwo Prokopiew - wegen seiner verlegerischen Tätigkeiten immer wieder Schwierigkeiten mit den bulgarischen Behörden. Bulgarien steht auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen auf Platz 111 von 180 Staaten und ist damit das am schlechtesten platzierte EU-Land.

Aus epd medien 3/20 vom 17. Januar 2020

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