Lob in US-Medien für Joe Bidens Kommunikationsteam

Jennifer Psaki wird Pressesprecherin, Kate Bedingfield Direktorin
Washington (epd)

Die US-Medien haben nach vier Jahren Dauerkonflikt mit dem Weißen Haus weitgehend positiv auf das Kommunikationsteam des designierten Präsidenten Joe Biden reagiert. Die Personalien seien "geradezu überwältigend wegen ihrer Normalität", hieß es in "The Media Today", einem Newsletter des Magazins "Columbia Journalism Review". Bidens Pressesprecherin wird Jennifer Psaki, ehemals Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses (2015 bis 2017), Sprecherin des Außenministeriums (2013 bis 2015) sowie Analystin bei CNN.

Erstmals in der US-Geschichte würden alle bedeutenden Kommunikationsposten mit Frauen besetzt, betonte das Übergangsteam. Bidens stellvertretende Wahlkampfmanagerin Kate Bedingfield wird Kommunikationsdirektorin im Weißen Haus. Pressesprecherin für Vizepräsidentin Kamala Harris wird Symone Sanders. Im Wahlkampf 2016 war die damals 25-Jährige die Pressesprecherin von Senator Bernie Sanders gewesen. Harris' Kommunikationsdirektorin wird Ashley Etienne, ehemals Kommunikationsdirektorin für Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses.

Ein Kommentar im konservativen Magazin "National Review" prophezeite, die Medien würden den scheidenden Präsidenten Donald Trump vermissen. Es habe eine symbiotische Beziehung bestanden. Biden werde nie den Unterhaltungswert von Trump erreichen. Während des Wahlkampfes wurde kritisiert, dass Biden wochenlang keine Pressekonferenzen gab.

Die Organisation Committee to Protect Journalists appellierte an Biden, bei der Außenpolitik die Pressefreiheit zu betonen. "Tyrannen und Autokraten" hätten in Anlehnung an Trumps Medienattacken Journalismus kriminalisiert. Biden solle einen Sonderbeauftragten für Pressefreiheit berufen, forderte die Organisation. In den USA müsse die Regierung bei der Suche nach Wegen zur Finanzierung von lokalen und Community-Medien mitwirken. Deren "Kollaps" gefährde die amerikanische Demokratie.

Presseverbände haben gegenwärtig ein Augenmerk auf laufende juristische Auseinandersetzungen zur Informationsfreiheit, bei denen Bidens Generalstaatsanwalt oder Generalstaatsanwältin Prioritäten setzen könnte. Beachtet wird auch die kürzlich eingereichte Kartellklage der US-Regierung gegen Google, ein Verfahren gegen den früheren Nationalen Sicherheitsberater John Bolton wegen dessen Enthüllungsbuch sowie die Anklage gegen Julian Assange. Dem Wikileaks-Gründer werden Verstöße gegen das Spionagegesetz vorgeworfen. Ob Großbritannien ihn an die USA ausliefert, ist noch nicht entschieden (epd 37/20).

Der damalige Vizepräsident Biden erklärte 2010 im NBC-Fernsehen, Assanges Tun sei eher mit dem Verhalten eines "Hi-Tech Terroristen" zu vergleichen als mit der Veröffentlichung der geheimen "Pentagon Papers" 1971. Bidens früherer Chef Barack Obama galt manchen Journalisten nicht als großer Freund. Das Committee to Protect Journalists warf Obama 2013 aggressive Schritte gegen Whistleblower und Informationsfreiheit vor.

Aus epd medien 49/20 vom 4. Dezember 2020

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