Kritik an Euronews-Expansion auf dem Balkan

Balkan Free Media Initiative warnt vor "Risiko der Einflussnahme durch den Staat"
Brüssel (epd).

Die Balkan Free Media Initiative (BFMI) protestiert gegen die Lizenzvergaben von Euronews in Serbien und Bulgarien. Die in Brüssel ansässige Organisation richtete ihre Kritik am 3. Juni in einem offenen Brief an die Europäische Kommission und 20 Rundfunkanstalten, die der Europäischen Rundfunkunion (EBU) angehören. In Serbien ging Euronews eine Partnerschaft mit der staatlichen Telekom Srbija ein. In Bulgarien soll der auf Nachrichten spezialisierte Fernsehsender TV Europa künftig als Euronews Bulgarien internationale und lokale Nachrichten, politische Magazine und Reportagen in bulgarischer Sprache ausstrahlen. TV Europa gehört dem Waffenhändler Dobrin Iwanow. Der Sender unterstützte in den vergangenen Jahren den langjährigen konservativen Ministerpräsidenten Boiko Borissow.

Der paneuropäische Nachrichtensender Euronews mit Sitz in Lyon sendet in zwölf Sprachen und wird nach eigenen Angaben von 400 Millionen Haushalten in 160 Ländern empfangen. Er wurde im Jahre 1993 von den nun angeschriebenen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gegründet, darunter France Télévisions, die italienische RAI und RTE aus Irland. Heute halten die EBU-Mitglieder einen Minderheitenanteil von zwölf Prozent an Euronews. Die Mehrheit gehört seit 2015 zum Media Globe Network (MGN) des ägyptischen Milliardärs Naguib Sawiris. Euronews wird von der Europäischen Kommission bezuschusst und überträgt als Gegenleistung wichtige EU-Ereignisse.

Seit 2018 betreibt Euronews seine Expansion in Südosteuropa und Zentralasien, verfügt inzwischen über die Franchisenehmer Euronews Albanien und Euronews Georgien sowie Euronews Serbien, das Anfang Juni den Sendebetrieb aufnahm. Neben Euronews Bulgarien ist auch Euronews Rumänien in Planung.

In ihrem offenen Brief kritisiert die BFMI die Euronews-Betreiber dafür, dass sie in Serbien und Bulgarien Partnerschaften mit lokalen Mediengesellschaften eingegangen seien, welche die Einhaltung der strengen redaktionellen Standards der Marke Euronews nicht gewährleisteten. Sowohl bei Euronews Serbien als auch bei Euronews Bulgarien bestünde „das Risiko der Einflussnahme durch den Staat, da in beiden Ländern die journalistische Freiheit bereits in sehr ernsthafter Art und Weise unterminiert wird“. In ihrem Protestschreiben erinnern die Unterzeichner an die Euronews-Gründungsdeklaration, in der es hieß, die Mission des Nachrichtenkanals sei es, „ungefilterten, unvoreingenommen und faktenbasierten Journalismus zu bieten, der eher aufbaut als destabilisiert“. Diese Werte würden durch die Wahl der Partner in Serbien und Bulgarien nicht reflektiert.

Aus epd medien 24/21 vom 18. Juni 2021

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