Fußball-WM in Katar weltweit mit TV-Zuschauerrekorden
Mehr als fünf Milliarden Menschen auf allen Kontinenten schalteten ein
Zürich, Doha (epd).

Die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren in Katar war weltweit das populärste Fernsehereignis des Jahres 2022. Nach Schätzungen der FIFA sahen mehr als fünf Milliarden Menschen auf allen fünf Kontinenten das Turnier vom 20. November bis 18. Dezember, dies entsprach mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Bei der vorangegangenen WM 2018 in Russland waren es nach FIFA-Angaben 3,57 Milliarden Menschen gewesen.

Erstmals fand nun die Fußball-WM in einem arabischen Land statt. Die Fernsehrechte für 24 arabische Länder im Nahen Osten und in Nordafrika, von Marokko bis Saudi-Arabien, sowie für den Iran lagen bei dem katarischen Fernsehsportsender beIN Sports, der zur staatlichen katarischen beIN-Media Group gehört. Sie wurde 2014 als TV-Sport- und Unterhaltungssparte von der katarischen Al-Dschasira-Mediengruppe abgetrennt.

Das Finale zwischen Argentinien und Frankreich am 18. Dezember sahen bei beIN Sports 242,8 Millionen Zuschauer. Das waren rund 68 Prozent der erwachsenen Bevölkerung im Nahen Osten und in Nordafrika. Die höchsten Werte erreichte prozentual das Endspiel mit 93 Prozent in Katar und 91 Prozent in Marokko, bezogen auf die erwachsene Bevölkerung. Nach absoluten Zahlen lagen Ägypten mit 75 Millionen Zuschauern, Algerien mit 35 Millionen Zuschauern und Marokko mit 34 Millionen Zuschauern vorn. Das Halbfinale zwischen Frankreich und Marokko am 14. Dezember sahen insgesamt 186,1 Millionen Zuschauer bei beIN Sports, 52 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. In Marokko verfolgten sogar 99 Prozent der erwachsenen Bevölkerung dieses Spiel.

Auch in Lateinamerika erzielten die TV-Übertragungen Spitzenwerte. Beim neuen Fußball-Weltmeister Argentinien wurden vier Spiele mit der „Albiceleste“ laut Kantar Ibope Media von mehr als 60 Prozent der Bevölkerung gesehen. An der Spitze lag das siegreiche Finale mit 63 Prozent (29 Millionen Zuschauer). 38 Prozent sahen das Spiel beim öffentlich-rechtlichen TV Publica und 25 Prozent beim kommerziellen Pay-Sport-TV-Kanal TyC Sports von Torneos und Clarin. Auf mehr als 60 Prozent kamen auch die Spiele der „Weiß-Blauen“ gegen Kroatien, die Niederlande und Polen.

Meistgesehenes Spiel in Brasilien war der 4:1-Achtelfinal-Sieg Brasiliens über Südkorea am 5. Dezember mit einem Rating von 57 Prozent der Bevölkerung (122 Millionen Zuschauer) beim kommerziellen TV Globo. Die Spiele Brasiliens gegen Kroatien am 9. Dezember und gegen die Schweiz am 28. November sahen je 54 Prozent der brasilianischen Bevölkerung auf TV Globo. In Mexiko war die 0:2-Niederlage gegen Argentinien am 26. November laut Nielsen Ibope Mexico mit 40,5 Millionen Zuschauern das meistgesehene Fußballspiel der Fernsehgeschichte. Es wurde von 21,1 Millionen Zuschauern auf Televisa-TUDN und von 19,4 Millionen Zuschauern auf TV Azteca gesehen.

In Japan war das Gruppenspiel der Nationalmannschaft gegen Costa Rica am 27. November mit 36,4 Millionen Zuschauern auf dem kommerziellen TV-Kanal TV Asahi die meistgesehene Sendung des Jahres. Den „unglaublichen“ 2:1-Sieg gegen Deutschland auf NHK am 23. November sahen gut zehn Millionen weniger.

Auch in Europa waren die Länder mit den erfolgreichsten Mannschaften zur WM 2022 mit hohen TV-Zuschauerwerten vertreten. In Frankreich erreichte das Finale gegen Argentinien mit 24,1 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 81 Prozent auf dem kommerziellen Kanal TF 1 „einen historischen Zuschauerrekord“. Es war das höchste Ergebnis für ein einzelnes Programm eines TV-Senders seit Einführung der Fernsehquotenmessung durch Mediametrie und löste damit den bisherigen Rekord der 22,2 Millionen Zuschauer beim Halbfinale Frankreich-Portugal der Fußball-WM 2006 ab.

In Kroatien erreichte der Viertelfinal-Sieg Kroatiens über Brasilien am 9. Dezember auf dem öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal HTV 2 2,5 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 89,9 Prozent. In den Niederlanden war die Viertelfinal-Niederlage gegen Argentinien am 9. Dezember im öffentlich-rechtlichen NPO 1 mit 5,6 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 70,4 Prozent das meistgesehene TV-Programm des Jahres. Insgesamt belegten fünf Spiele der WM in Katar die ersten Plätze der meistgesehenen Fernsehprogramme 2022 in den Niederlanden. In Portugal sahen 3,3 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 74,3 Prozent die portugiesische 0:1-Viertelfinal-Niederlage gegen Marokko am 10. Dezember. Davon entfielen 3,13 Millionen Zuschauer auf den kommerziellen TV-Kanal SIC und der Rest auf den portugiesischen Pay-TV-Kanal Sport TV.

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF übertrug alle 64 Spiele der Fußball-WM live. Mit sämtlichen Partien zusammen erreichte SRF im Fernsehen rund 3,5 Millionen Menschen und damit 66 Prozent der deutschschweizerischen Bevölkerung. Die Livestreams auf den SRF-Onlineplattformen erzielten 24,5 Millionen Abrufe - mehr als doppelt so viele wie bei der vorangegangenen Fußball-WM. Auf das größte Interesse beim TV-Publikum stieß das Achtelfinale Schweiz gegen Portugal. 1,3 Millionen Zuschauer verfolgten das Spiel am 6. Dezember, dies entspricht einem Marktanteil von 63,6 Prozent. Das WM-Finale lockte in der Deutschschweiz durchschnittlich 1,1 Millionen Menschen vor die TV-Geräte (Marktanteil: 70,9 Prozent).

Aus epd medien 1-2/23 vom 13. Januar 2023

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