Frankreich: Vivendi übernimmt Pay-TV-Betreiber M7

Abonnentenzahl von Canal Plus wächst auf weltweit 20 Millionen
Paris (epd)

Das französische Medienunternehmen Vivendi erwirbt für rund eine Milliarde Euro den europäischen Pay-TV-Betreiber M7 mit Sitz in Luxemburg. Wie am 27. Mai in Paris mitgeteilt wurde, verkauft der Finanzinvestor Astorg seinen Mehrheitsanteil an der M7-Gruppe an Canal Plus, die Fernseh- und Film-Tochter von Vivendi. Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der zuständigen Regulierungsbehörden und soll bis September 2019 abgewickelt werden.

Mit dem Deal expandiert die Canal-Plus-Gruppe in sieben weitere Länder West- und Mitteleuropas. Dazu gehören Belgien, die Niederlande, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Rumänien. Dort hat die M7-Gruppe rund drei Millionen Abonnenten und gehört damit zu den größten Pay-TV-Anbietern über Satellit und Internet in Europa. Zur M7-Gruppe gehören die Marken Canal Digitaal (Niederlande), TV Vlaanderen und TeleSat (Belgien), HD Austria (Österreich), Skylink und Freesat (Tschechien und Slowakei), UPC Direct (Ungarn) und FocusSat (Rumänien) sowie seit Februar 2018 Diveo in Deutschland (epd 7/18).

M7 Deutschland ist offenbar von der Pariser Vereinbarung nicht betroffen: Die Aktivitäten von M7 in Deutschland wurden in der Mitteilung von Canal Plus nicht erwähnt. Der Kauf von M7 ist die erste große Übernahme für Canal Plus seit der Übernahme des französischen Konkurrenten TPS im Jahr 2005.

Mit der Übernahme der M7-Gruppe erhöht sich die Zahl der Pay-TV-Abonnenten für die Canal-Plus-Gruppe weltweit auf fast 20 Millionen, darunter zwölf Millionen in Europa. Im Dezember 2018 hatte die Canal-Plus-Gruppe weltweit 16,2 Millionen Abonnenten, davon 7,8 Millionen in Frankreich und 2,2 Millionen in Polen. Dazu kamen rund vier Millionen in Afrika und ein Rest in Asien und in den französischen Überseegebieten.

"Wir sind besonders erfreut über dieses Ankaufsprojekt, das durch Vivendi ermöglicht wurde", erklärte Maxime Saada, der Vorstandsvorsitzende der Canal-Plus-Gruppe. "Unser weltweiter Abonnentenstamm wird sich damit innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt haben, mit einer deutlichen Beschleunigung ab 2015. Diese große Operation wird es uns erlauben, unsere Vertriebskapazität zu stärken, um Inhalte aus unserer Bibliothek und unseren zahlreichen Produktionsunternehmen in Europa wirksam einzusetzen."

Marc Antoine d'Halluin, der Vorsitzende des Aufsichtsrates von M7, erklärte: "Auf der Grundlage der gegenwärtigen geografischen Ausdehnung und Positionierung ist Canal Plus ein sehr glaubwürdiger und ergänzender Partner, der die Strategie von M7 beim hybriden Satelliten- und OTT-Pay TV unterstützt." Hans Troelstra, der Vorstandsvorsitzende der M7-Gruppe, kommentierte: "Während der vergangenen fünf Jahre haben wir erfolgreich unsere Satelliten-HD-Angebote in voll interaktive, hybride Angebote umgewandelt, die auf allen Geräten, einschließlich Smart TVs, verfügbar sind." Das operative Modell von M7 werde sich nicht verändern und weiter von der Zentrale in Luxemburg geleitet werden.

Das europäische Private Equity-Unternehmen Astorg Partners hatte im September 2014 die Mehrheit an der 2009 gegründeten M7-Gruppe übernommen. Astorg startete 1998 und verfügt über Fonds von über acht Milliarden Euros. Die Firma hat Büros in Paris, Luxemburg, London, Frankfurt am Main und Mailand. Erst im Dezember 2018 erwarb die M7-Gruppe das Satelliten-Pay-TV-Geschäft des US-Medienkonzerns Liberty Global in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Rumänien mit zusammen rund 800.000 Abonnenten.

Vivendi, eines der größten Medienunternehmen Europas neben Altice und Bertelsmann, erzielte 2018 einen Umsatz von 13,9 Milliarden Euro, ein Zuwachs um 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon entfielen 5,2 Milliarden Euro auf die Canal-Plus-Gruppe und 6,0 Milliarden Euro auf die Universal Music Group.

Aus epd medien 23/19 vom 7. Juni 2019