Frankreich: Staat reduziert Zuschuss für Radio France

20 Millionen Euro weniger pro Jahr - Generaldirektorin will beim Personal sparen
Paris (epd)

Trotz steigender Kosten für Sachaufwand, Personal und Digitalisierung muss die Sendergruppe Radio France in den nächsten drei Jahren insgesamt 60 Millionen Euro einsparen. Der staatliche Zuschuss wird um 20 Millionen Euro pro Jahr gekürzt, wie Generaldirektorin Sibyle Veil am 5. Juni mitteilte. Sie legte dem Verwaltungsrat und den Gewerkschaften ihren Plan "Radio France 2022" vor. Die Budgetkürzung trifft die Gruppe demnach besonders hart, weil sie neben der allgemeinen Kostensteigerung zusätzlich 20 Millionen Euro bräuchte, um besser für die digitale Radiowelt gerüstet zu sein. Die Aufgabe einzelner Programme schloss Veil für die nahe Zukunft aus.

Bei 4.600 Beschäftigten entfällt der größte Ausgabenblock auf die Personalkosten. Diese machen mit rund 400 Millionen Euro über 60 Prozent des Budgets von 650 Millionen Euro aus. Geplant ist, 25 Millionen Euro einzusparen. Veil will die Arbeitszeit verlängern und die Zahl der Urlaubstage kürzen, um weniger auf freie Beschäftigte zurückgreifen zu müssen. Die Rede ist von einem Abbau zwischen sieben und zwölf Tagen. Dagegen erhebt sich bereits heftiger Widerstand: Die Journalistengewerkschaft errechnete daraus den Wegfall von 270 Stellen, geht aber davon aus, dass es letztlich 390 sein werden. Der gewerkschaftliche Protest entzündet sich auch an den Ausgaben für die Sanierung des Sitzes, der Maison de la Radio. Die Kosten dafür sind bereits auf fast 600 Millionen Euro gestiegen.

Radio France betreibt sieben Programme, zwei Orchester und zwei Chöre. Die größte Reichweite hat das Vollprogramm France Inter, das im vergangenen Trimester sogar den privaten Marktführer RTL Radio übertroffen hat. Danach folgt das Nachrichtenprogramm France Info. Zwei Programme widmen sich der Musik, eines der klassischen Musik, das andere einem Musikmix. Weiter gibt es ein Jugendradio, und unter der Marke "France Bleu" werden täglich 44 regionale Fensterprogramme angeboten.

Seit einer 2015 veröffentlichten Prüfung des französischen Rechnungshofes steht Radio France zusätzlich unter Druck. Der Hauptvorwurf lautete, es fehle an einer straffen Führung. Dafür sei das Debakel um die Sanierung des Hauses ein bezeichnendes Beispiel. Die technische, programmliche und personelle Entwicklung werde nur ungenügend gesteuert. Das Sozialmodell weise zudem eine hohe Inflexibilität auf. Insgesamt bedürfe es einer grundlegenden Erneuerung.

Sibyle Veil ist seit Frühjahr 2018 neue Intendantin von Radio France (epd 17/18). Der Neubesetzung des Postens war eine Führungskrise vorausgegangen. Der vorherige Intendant Mathieu Gallet war abberufen worden, nachdem er wegen Begünstigung zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt worden war (epd 6/18).

Aus epd medien 24/19 vom 14. Juni 2019

vhe