Frankreich: Privatsender TF1 und M6 wollen fusionieren

Riese im TV-Markt würde entstehen - Behördliche Prüfungen erforderlich
**Paris, Luxemburg (epd).

Die beiden wichtigsten französischen Privatfernsehsender, TF1 und M6, haben am 17. Mai Exklusivverhandlungen mit dem Ziel einer Fusion angekündigt. „Ziel ist es, ein französisches Medienunternehmen zu schaffen, das so stark positioniert ist, dass es die Herausforderungen meistern kann, die sich aus dem schärfer werdenden Wettbewerb mit den globalen Tech-Plattformen ergeben“, erklärte die RTL Group, zu der M6 gehört. Die Fusion soll auch die Streamingplattform Salto im Wettbewerb mit Netflix, Amazon und Disney stärken. An Salto ist neben TF1 und M6 der öffentlich-rechtliche Sender France Télévisions beteiligt (epd 23, 44/19).

Bertelsmann, der deutsche Besitzer der RTL Group, sucht seit einiger Zeit einen Käufer seiner französischen Radio- und TV-Filiale (epd 11/21). Dieser scheint mit dem Sender TF1 im Besitz der Bouyges-Gruppe nun gefunden. Eine Fusion von TF1 und M6 würde einen Fernsehkoloss mit 3,4 Milliarden Euro Umsatz und einem Betriebsergebnis von 461 Millionen Euro schaffen. Nach dem Verkauf eines Elf-Prozent-Anteils an dem fusionierten Unternehmen durch die RTL Group an Bouygues für 641 Millionen Euro würden Bouygues 30 Prozent und die RTL Group 16 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten. Damit wäre Bouygues der kontrollierende Aktionär des fusionierten Unternehmens.

Mit der Wahl von TF1 nimmt Bertelsmann weniger ein als bei einem Verkauf an einen Newcomer in der französischen Fernsehlandschaft, dafür bleiben der deutsche Konzern und die RTL Group mit 16 Prozent im neuen Unternehmen. Der derzeitige Geschäftsführer von M6, Nicolas de Tavernost, soll die Leitung des neuen Konzerns übernehmen. Der Generaldirektor von TF1, Gilles Pélisson, soll stellvertretender Geschäftsführer für Medien in der Industriellengruppe Bouyges werden.

Gibt die Wettbewerbsbehörde grünes Licht, soll das Geschäft soll bis Ende 2022 abgewickelt sein. Der Einfluss eines solchen „Schwergewichts“ auf Film- und Serienkäufe könnte dann die gesamte Produktion beherrschen. Die Behörde kündigte eine Entscheidung in mehreren Monaten an.

Auch die französische Medienaufsichtsbehörde CSA könnte Einspruch einlegen, denn eine TV-Gruppe darf nicht mehr als sieben terrestrische Kanäle betreiben. M6 besitzt bereits fünf Frequenzen (M6, W9, 6ter, Gulli und Paris Première), TF1 ebenfalls fünf (TF1, TMC, LCI, TFX, TF1 Cinéma Séries). Drei Sender müssten also eingestellt oder verkauft werden.

Die Fusion zwischen zwei Publikumslieblingen, die mit Serien wie „Koh-Lanta“ (Überleben im Dschungel) oder der Kochsendung „Top-Chef“ Einschaltrekorde erreichen, würde einen Fernsehriesen gebären, der die Programme von France Télévisions mit einem Zuschaueranteil von über 30 Prozent überholen würde. Medienexperten fürchten deshalb um den Pluralismus in der Entwicklung von Serien, Shows und Sendungen. Ein Quasi-Monopol auf dem Werbemarkt beunruhigt auch die Werbebranche, zudem bangen Journalisten in allen Häusern um ihre Arbeitsplätze.

Aus epd medien 21/21 vom 28. Mai 2021

zim