Frankreich: Pay-TV-Anbieter Canal Plus streicht 500 Stellen

Starker Rückgang der Abonnentenzahl durch Streamingdienste
Paris (epd)

Der französische Pay-TV-Anbieter Canal Plus will ab 2020 rund 500 Stellen abbauen. Das sind fast 20 Prozent der 2.600 in Frankreich Beschäftigten. Betroffen seien alle Bereiche, am stärksten die Programmproduktion, teilte das Unternehmen am 9. Juli mit. Ziel sei, die stärkste Stellenreduzierung in der Geschichte der Sendergruppe durch freiwillige Abgänge zu erreichen.

Geschäftsführer Maxime Saada erklärte, trotz der kommerziellen Offensive mit einem Abopreis von 20 Euro monatlich sei es nicht gelungen, den Ergebnisrückgang zu stoppen. Von Januar bis April dieses Jahres habe das Unternehmen in Frankreich 228.000 Abonnenten verloren, der Trend setze sich fort. Das Kundenvolumen sei dadurch auf 4,6 Millionen direkte Abonnements gesunken. Mit den über Telekomanbieter verbreiteten Bouquets erreicht Canal Plus derzeit auf 7,8 Million Menschen.

Für den Rückgang machte Saada einerseits die weltweit operierenden und monothematisch ausgerichteten Mitbewerber verantwortlich, die einerseits nur Serien und Filme böten, andererseits nur Sport. Schärfster Konkurrent ist der in Frankreich besonders erfolgreiche Streamingdienst Netflix, der mit einem Monatsabonnement für zehn Euro bereits fünf Millionen Kunden hat. Netflix habe "null Beschäftigte in Frankreich" und unterliege weder derselben Besteuerung noch den Verpflichtungen für die Finanzierung der französischen Film -und Fernsehproduktion, kritisierte Saada.

Ein weiterer Grund für die wirtschaftliche Krise ist der Verlust der Übertragungsrechte an der ersten französischen Fußball-Liga. Canal Plus trifft dies besonders hart, weil fast die Hälfte der Abonnenten für das Sportprogramm bezahlt. Für den Zeitraum von 2020 bis 2024 hat die spanische Produktionsgesellschaft Mediapro die wichtigsten Teile dieser Rechte erworben und dafür 1,15 Milliarden Euro ausgegeben. Der Rest ging an das Mobilfunkunternehmen Free und an BeIN Sports, einen von Geschäftsleuten aus Katar finanzierten TV-Sender. Mehrheitsgesellschafter der Holding von Mediapro ist der chinesische Fonds Orient Hontai Capital. Ab Herbst sieht sich Canal Plus neuen Konkurrenten gegenüber, wenn unter anderem Apple und Disney ihre Streamingdienste starten.

Canal Plus ging 1984 auf Sendung und ist damit der älteste Pay-TV-Sender Europas. Er gehört zum Vivendi-Konzern, dessen Hauptgesellschafter der Unternehmer Vincent Bolloré ist. Zusammen mit dem kürzlich für rund eine Milliarde Euro erworbenen Pay-TV-Sender M7, der in mehreren Ländern West- und Mitteleuropas tätig ist, hat die Canal-Plus-Gruppe fast 20 Millionen Abonnenten (epd 23/19).

Aus epd medien 28/19 vom 15. Juli 2019