Facebook verschärft Livestream-Regeln

Reaktion auf Täter-Übertragung von Anschlag in Christchurch
Frankfurt a.M., Menlo Park (epd)

Facebook hat zwei Monate nach dem Anschlag von Christchurch die Regelungen für Livestreams verschärft. Wer gegen bestimmte Regeln in dem sozialen Netzwerk verstoßen hat, darf die Livestream-Funktion für einen bestimmten Zeitraum nicht mehr nutzen, wie Facebook am 14. Mai im kalifornischen Menlo Park mitteilte. Greifen solle die Sperre schon nach einer schwerwiegenden Regelverletzung. Zudem will das Unternehmen technische Maßnahmen entwickeln, um die Verbreitung etwa von Gewaltvideos effektiver verhindern zu können.

Facebook investiert den Angaben zufolge rund 7,5 Millionen Dollar, um gemeinsam mit Wissenschaftlern die Bilderkennung zu verbessern. Dafür arbeite das Unternehmen mit drei US-Universitäten zusammen. Als Beispiel für einen schwerwiegenden Regelverstoß führte das soziale Netzwerk die Weiterleitung eines Links zu einer Mitteilung einer Terrorgruppe ohne Einordnung an, als Beispiel-Zeitraum für die Sperrung 30 Tage. Zudem sollten Nutzer, die von der Livestream-Funktion ausgeschlossen sind, künftig unter anderem keine Werbeanzeigen bei Facebook mehr schalten können.

Mitte März hatte ein australischer Rechtsextremist bei Angriffen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen getötet. Er hatte seine Tat über eine Helmkamera live bei Facebook übertragen. Nach Facebook-Angaben wurde das Video insgesamt rund 4.000 mal angesehen, bevor das Unternehmen es entfernte. Allerdings kursierten Kopien des Videos im Internet wie auch in dem sozialen Netzwerk. Einige Nutzer nahmen demnach Änderungen am Video vor, um die Aufnahmen durch die automatische Erkennung beim Hochladen zu schleusen. Das Unternehmen löschte oder blockierte nach eigenen Angaben allein in den ersten 24 Stunden nach dem Anschlag insgesamt 1,5 Millionen Versionen des Videos.

In Paris waren am 15. Mai Staats- und Regierungschefs aus mehreren Ländern zusammengekommen. Sie berieten auf Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern darüber, wie Internet-Übertragungen von Terroranschlägen künftig verhindert werden können.

In Deutschland hatte nach dem Anschlag für Empörung gesorgt, dass "Bild.de" Ausschnitte aus dem Video veröffentlicht hatte. Der Deutsche Presserat erhielt zahlreiche Beschwerden, über die Anfang Juni entschieden werden soll. Bei "Bild.de" zu sehen war unter anderem der Täter, wie er seine Waffe auspackt und auf eine Moschee zugeht. Opfer und brutale Szenen wurden nicht gezeigt (epd 12/19).

Aus epd medien 20/19 vom 17. Mai 2019

dsp