Gemeinsames Projekt zu EU-Themen - Zuschuss der Kommission von 1,76 Mio. Euro
Brüssel (epd).

Der sogenannte European Newsroom hat am 6. September mit seiner Arbeit in Brüssel begonnen. Bei dem Projekt arbeiten Korrespondenten von 16 europäischen Nachrichtenagenturen unter der Leitung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zusammen. Die Europäische Kommission bezuschusst das Projekt mit 1,76 Millionen Euro, um eine „mehrsprachige und gesamteuropäische Perspektive auf EU-Angelegenheiten“ zu schaffen, wie die Kommission mitteilte.

Die EU hatte die Teilnahme am Newsroom ausgeschrieben und im Dezember 2021 mehrere europäische Nachrichtenagenturen ausgewählt, die „eine unabhängige Berichterstattung über EU-Angelegenheiten“ gewährleisten sollen (epd 48/21). Laut Projektbeschreibung besteht „keine Möglichkeit, auf die Berichterstattung in irgendeiner Art Einfluss zu nehmen“. Der Sitz befindet sich in den Räumlichkeiten der belgischen Presseagentur Belga in Brüssel.

Neben ihrer regulären Arbeit für ihre jeweilige Agentur erstellen die Korrespondenten zweimal wöchentlich einen gemeinsamen Nachrichtenüberblick, der eine paneuropäische Perspektive auf die europäische Politik bieten soll. Die Beiträge sind sowohl über die gängigen Kanäle der Agenturen als auch auf einer zentralen Website zugänglich (http://u.epd.de/2bix).

Der European Newsroom bietet den Korrespondentinnen und Korrespondenten der teilnehmenden Agenturen auch Schulungen an, etwa zum Thema Faktencheck. Schon seit längerem geht die EU vermehrt gegen Desinformation und Fake News vor: Im neuen Digital Services Act (DSA) wird eine strengere Aufsicht von Online-Plattformen und mehr Verbraucherschutz geregelt (epd 27/22).

An dem Newsroom beteiligt sind neben dpa und Belga auch AFP (Frankreich), Ansa (Italien), Agerpres (Rumänien), APA (Österreich), ATA (Albanien), BTA (Bulgarien), EFE und Europapress (beide Spanien), Fena (Bosnien-Herzegowina), Hina (Kroatien), MIA (Nordmazedonien), STA (Slowenien), Tanjug (Serbien) und TASR (Slowakei). Insbesondere an der Beteiligung der serbischen Tanjug und der albanischen ATA hatte es in den vergangenen Monaten auch Kritik gegeben, weil diese Unternehmen als besonders staatsnah eingestuft werden.

In einem Bericht der NDR-Magazins „Zapp“ hieß es im Juni, zwar sei Tanjug - die frühere amtliche Nachrichtenagentur Jugoslawiens - inzwischen privatisiert. Die Inhaber-Firma Tacno unterhalte aber enge Beziehungen zur Regierung von Präsident Aleksandar Vucic, die seit Jahren in der Kritik stehe, weil sie die Pressefreiheit einschränke.

Aus epd medien 36/22 vom 9. September 2022

mab/rid