Europäische TV-Chefs fordern Inhalte-Regeln für Youtube

Positionspapier zu Auffindbarkeit von öffentlich-rechtlichen Angeboten
Genf/München (epd)

Spitzenmanager öffentlich-rechtlicher Sender in Europa fordern politische Maßnahmen, um die Auffindbarkeit ihrer Inhalte auf Internetportalen wie Youtube oder Facebook zu gewährleisten. "Damit die Menschen jederzeit einen möglichst einfachen Zugang zu hochwertigen und zuverlässigen Informationen und Programmen erhalten, brauchen wir Regeln, die sicherstellen, dass öffentlich-rechtliche Medieninhalte auf allen großen Plattformen deutlich sichtbar sind", heißt es in einem Positionspapier, das am 9. Oktober in Genf verabschiedet wurde und dem epd vorliegt (vgl. auch Dokumentation in dieser Ausgabe).

Wenn das Publikum klar erkennen könne, aus welchen Quellen Inhalte stammen, sei dies "nicht zuletzt auch eine Maßnahme gegen das abnehmende Vertrauen in die Medien", erklären die Intendanten, darunter der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm, ZDF-Intendant Thomas Bellut und BBC-Generaldirektor Tony Hall, der auch Präsident des Sender-Dachverbands Europäische Rundfunkunion (EBU) mit Sitz in Genf ist. "Hier für ausgewogene Verhältnisse zu sorgen, dürfte für die EU-Kommission eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre sein."

Die Senderchefs verweisen unter anderem auf die zunehmende Ausbreitung extremistischer Strömungen in Europa sowie auf Desinformation und Hasskommentare im Netz. "Die wachsende Zahl globaler Plattformen bietet hier einen fruchtbaren Boden für die Verbreitung von manipulativen und irreführenden Nachrichten, die mancherorts sogar Wahlen beeinflussen können", heißt es in dem Papier. Die öffentlich-rechtlichen Sender in Europa investierten pro Jahr mehr als 18 Milliarden Euro in Inhalte, die überwiegend im eigenen Land oder in der EU produziert würden. Studien zeigen immer wieder, dass dies für die Stabilität der Demokratie wichtig sei. Deshalb müssten diese Inhalte auch in der Online-Welt gefördert werden.

BR-Intendant Wilhelm setzt sich seit knapp zwei Jahren für die Idee einer europäischen Plattform als Alternative zu Youtube, Facebook und anderen sozialen Netzwerken ein. Diese könnte seinen Vorstellungen zufolge auch die europäischen Kulturinstitutionen vernetzen (epd 2, 12, 41, 42, 43/18, 27, 30-31/19).

Zu den Unterzeichnern des Papiers gehören auch die Generaldirektorin von France Télévisions, Delphine Ernotte Cunci, der Präsident des italienischen Senders RAI, Marcello Foa, die Präsidentin des spanischen Senders RTVE, Rosa María Mateo, und EBU-Generaldirektor Noel Curran.

Aus epd medien 42/19 vom 18. Oktober 2019

rid