Erneute Kandidatur: CNN will anders über Trump berichten
CEO Licht: Faktenchecker werden Dinge "in die richtige Perspektive rücken"
Washington (epd).

US-Journalisten und Medienkonzerne haben angekündigt, im Vorlauf zur Präsidentschaftswahl 2024 anders über den republikanischen Anwärter Donald Trump zu berichten. Der CEO von CNN, Chris Licht, sagte am 17. November im Podcast „On with Kara Swisher“, CNN werde Trump „den Nachrichtenzyklus nicht konsumieren lassen“. Der Sender habe Faktenchecker und werde „Dinge in die richtige Perspektive rücken“. Der Ex-Präsident, der 2020 nach nur einer Amtsperiode unterlegen war, hatte am 15. November mitgeteilt, er trete erneut an.

CNN übertrug Trumps rund eine Stunde lange Ankündigungsrede 2022 nur zur Hälfte. ABC, CBS, NBC und MSNBC verzichteten weitgehend. 2015 und 2016 hatten CNN und andere Sender Trumps Wahlveranstaltungen nach Ansicht von Kritiker zu ausführlich und kritiklos übertragen und damit de facto unentgeltlich Wahlwerbung gemacht. Chris Licht leitet CNN seit Mai 2022.

Man müsse abwarten, ob Medienkonzerne einen Weg finden, über den „zum Aufstand aufrufenden, das 2020 Wahlergebnis verleugnenden“ Kandidaten zu berichten, kommentierte das Magazin „Vanity Fair“. Ein Kommentar auf der Webseite der Denkfabrik „Brookings Institution“, die der Demokratischen Partei nahesteht, fasste bereits vor Trumps Ankündigung zusammen, die Medienwelt stehe vor einer schwierigen Aufgabe. Trump sei „unerhört kontrovers“ und ein Quotenbringer.

Der konservative TV-Sender Fox News, seit Jahren auf Seiten des Ex-Präsidenten, sendete beinahe die gesamte Ansprache zur Kandidatur. Das Medienimperium von Rupert Murdoch, zu dem Fox News gehört, spricht freilich nicht mehr mit vereinter Stimme. Das Murdoch-Tabloid „New York Post“ berichtete über die Kandidatur mit einer Balkenüberschrift unten auf der Titelseite: „Mann aus Florida macht eine Ankündigung“, hieß es dort, Details folgten auf Seite 26.

Der öffentlichen Rundfunksenders NPR sprach in einem Kommentar von einer neuen Ambivalenz bei Fox News. Ob diese anhalte, sei ungewiss: Trump-Anhänger stellten das Hauptpublikum bei den Sender. Die konservative Medienwelt hat sich noch nicht festgelegt. Der Republikanischen Partei und den USA wäre am besten gedient, sollte Trump Platz machen für die nächste Generation, schrieb das „Wall Street Journal“. Das Online-Magazin „thefederalist.com“ nahm Trump in Schutz. Die „Elite“ habe Trump zu Beginn seiner ersten Kandidatur 2015 auch keine Chancen eingeräumt, hieß es dort.

Aus epd medien 47/22 vom 25. November 2022

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