EBU-Präsidenten wollen für umfassenden Auftrag kämpfen

Tony Hall und Delphine Ernotte haben Ämter bei Europäischer Rundfunkunion angetreten
Frankfurt a.M. (epd)

Das neue Duo an der Spitze der Europäischen Rundfunkunion (EBU) will sich für einen umfassenden Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender einsetzen. "Gemeinsam mit allen EBU-Mitgliedern sind wir entschlossen, für die bedeutsame Mission der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Europa in einer kritischen Zeit einzutreten", erklärten EBU-Präsident Tony Hall und Vizepräsidentin Delphine Ernotte in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (15. Januar). "Das heißt, für all das zu kämpfen, was erforderlich ist, damit wir auch künftig zum Nutzen aller Hörer arbeiten können", betonen sie. Dazu zähle ein umfassender und aktueller Auftrag, "damit wir weiterhin jedermann erreichen können - auch online".

"Es mag immer mehr angebotene Inhalte geben, doch diese Inhalte sind in immer geringerem Maß wirklich unabhängig und haben mit dem Leben der Menschen und ihrem gesellschaftlichen Umfeld immer weniger zu tun", schreiben Hall und Ernotte. Es sei daher wichtig, Auswahl nicht mit Vielfalt zu verwechseln.

Allein in Europa investierten die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten jährlich mehr als 18 Milliarden Euro in lokale Inhalte. Davon entfielen über 80 Prozent auf Originalproduktionen. "Und wir wissen, dass dort, wo die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender eingefroren oder gekürzt wird, diese Lücke nicht durch andere Investitionen geschlossen wird", betonen Ernotte und Hall. "All jene, die sich zu den Grundsätzen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bekennen, müssen künftig noch enger kooperieren und dafür sorgen, dass die Bürger in einer sich wandelnden Medienwelt weiterhin eine reale Wahl haben." Hall ist Generaldirektor der britischen BBC, Ernotte Intendantin von France Télévisions. An der EBU-Spitze amtieren sie seit Jahresbeginn (epd 28, 51-52/18). Dort löst das Duo den bisherigen Präsidenten Jean-Paul Philippot (RTBF Belgien) und die bisherige Vizepräsidentin, Monica Maggioni (RAI Italien), ab.

Die Frage, welche Inhalte angesichts der Digitalisierung noch zum öffentlich-rechtlichen Kernauftrag gehören, steht derzeit in vielen europäischen Ländern ebenso auf der Tagesordnung wie eine andauernde Debatte über die Spielregeln für die öffentlichen Sender im Netz. Auch in Deutschland wird diskutiert, die Sender stärker auf Information, Kultur und Bildung im Programm zu verpflichten (epd 24, 49/18). In der Schweiz hat die Regierung die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) verpflichtet, mindestens die Hälfte der Gebühreneinnahmen für Informationsangebote auszugeben (epd 35/18). Danmarks Radio (DR) fährt sein Programm vor allem in den Bereichen Sport, Unterhaltung, Lifestyle und ausländische Fiktion zurück (epd 38/18).

Die EBU ist die Dachorganisation der öffentlich-rechtlichen Rundfunkorganisationen Europas und des Mittelmeerraums. Ihr gehören 73 Mitglieder in 56 Ländern Europas und des Mittelmeerraums sowie 34 assoziierte Mitglieder in 21 Ländern in Asien, Australien, Afrika und Amerika an. Zum elfköpfigen Vorstand zählt auch der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm.

Aus epd medien Nr. 3 vom 18. Januar 2019