Delphine Ernotte erste Frau an der EBU-Spitze

Generalversammlung wählt Petr Dvorak zum Vize-Präsidenten
Genf (epd)

Die Französin Delphine Ernotte wird als erste Frau an der Spitze der Europäischen Rundfunkunion EBU stehen. Die 84. Generalversammlung wählte die Intendantin des Französischen Fernsehens France Télévisions am 2. Oktober mit absoluter Mehrheit für eine zweijährige Amtszeit zur Präsidentin der Dachorganisation der öffentlich-rechtlichen Rundfunkorganisationen Europas und des Mittelmeerraums.

Ernotte (54) tritt ihr Amt am 1. Januar 2021 an. Die bisherige EBU-Vizepräsidentin löst Tony Hall ab, den ehemaligen Generaldirektor der britischen Rundfunkanstalt BBC (epd 25/20). Zum neuen EBU-Vizepräsidenten wählte die Generalversammlung den Intendanten des Tschechischen Fernsehens CT, Petr Dvorak (56). Die künftige EBU-Präsidentin erklärte nach ihrer Wahl, die Gesundheitskrise habe die große demokratische Rolle unterstrichen, welche die öffentlich-rechtlichen Medien beim Zugang zu freien und zuverlässigen Informationen spielten. "Die Vielfalt unserer Länder und Kulturen ist eine große Stärke bei der Auseinandersetzung mit den globalen Medienplattformen und ich werde natürlich darauf bauen", sagte sie weiter.

Ernotte studierte Ingenieurwesen und verbrachte ihre berufliche Karriere seit 1989 beim damaligen staatlichen Unternehmen France Télécom, das seit 2013 unter dem Firmennahmen Orange agiert. Sie begann dort als Finanzanalystin und war zuletzt von 2011 bis 2015 als Generaldirektorin für Orange France verantwortlich. Im April 2015 wurde sie für fünf Jahre zur Intendantin des Französischen Fernsehens France Télévisions gewählt und im Juli 2020 für eine weitere Amtszeit bestätigt (epd 34/20). Seit Januar 2019 ist sie Vizepräsidentin der EBU (epd 28, 51-52/18).

"Zweifellos sind das schwierige Zeiten", erklärte der neue designierte EBU-Vizepräsident Dvorak. "Die Öffentlich-Rechtlichen sind jedoch gut bei der Erledigung schwieriger Dinge." Trotz aller Herausforderungen seien sie "immerhin die zuverlässigsten Medien in Europa".

Dvorak studierte technische Kybernetik und begann seine Karriere als Berater im PR- und Marketing-Bereich. Von Mai 2003 bis Juli 2010 war er Generaldirektor von TV Nova. Im September 2011 wurde Dvorak für sechs Jahre zum Intendanten des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens CT gewählt. Er baute CT mit seinen inzwischen sechs Kanälen zum ernsthaften Konkurrenten der Nova-TV-Gruppe und Marktführer in Tschechien aus. Im April 2017 wurde Dvorak als CT-Intendant für eine weitere Amtszeit gewählt (epd 19/17). Seit 2014 gehört er dem EBU-Exekutivkomitee an.

Die 84. EBU-Generalversammlung sollte eigentlich bereits im Juni im kroatischen Dubrovnik stattfinden, wurde aber aufgrund der Corona-Pandemie auf den 2. Oktober verschoben und digital abgehalten.

Im Rahmen einer Sondersitzung zur Covid-Krise fand auch ein Gespräch mit dem UN-Generalsekretär Antonio Guterres statt. Dieser würdigte die "Schlüsselrolle" der öffentlich-rechtlichen Medien "in ihren Ländern zu allen Zeiten, aber besonders heute während der Covid-19-Pandemie". Er dankte dem scheidenden EBU-Präsidenten Tony Hall für seine "entschlossene Führung in außerordentlichen Zeiten", die zu einer "verstärkten Kooperation" zwischen beiden Institutionen geführt.

Die Pressefreiheit sei eine "Säule der Demokratie", unterstrich der UN-Generalsekretär. "Wenn Journalisten zur Zielscheibe werden, bezahlt die ganze Gesellschaft den Preis." Guterres bekräftigte seine Verpflichtung zur Verteidigung der in Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte garantierten Presse- und Meinungsfreiheit.

Aus epd medien 44/20 vom 30. Oktober 2020

ebe