Corona-Pandemie betrifft gesamten audiovisuellen Sektor

Europäische Informationsstelle legt Bericht zu Auswirkungen vor
Straßburg (epd)

Nach einem Bericht der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle (EAI) betreffen die Auswirkungen der Corona-Krise fast alle wichtigen Bereiche des audiovisuellen Sektors. "Sie reichten von der Unterbrechung laufender Produktionsprojekte bis hin zur Schließung der Kinos", teilte die EAI am 22. September in Straßburg mit. Es seien viele Notfallmaßnahmen ergriffen worden.

Einige Maßnahmen wie Kreditprogramme, würden "die Folgen naturgemäß wohl nur hinauszögern", warnt die EAI. Der Bericht mit dem Titel "Die europäische audiovisuelle Industrie in den Zeiten von Covid-19" gibt nach Angaben der Informationsstelle eine erste Orientierung über die Auswirkungen der Krise auf den audiovisuellen Sektor.

Der Bericht flankiert den "Covid-19-Tracker", mit dem die EAI bereits seit März Informationen über spezifische nationale Maßnahmen zur Unterstützung des audiovisuellen Sektors erfasst. Mit dem Tool ließen sich die Maßnahmen verfolgen, die im Zusammenhang mit der Corona-Krise ergriffen wurden, wie öffentliche Unterstützung, Regulierung, Leitlinien, Branchenübereinkommen und politische Erklärungen, erklärte die EAI. Allgemeinere, übergeordnete bereichsübergreifende Maßnahmen würden ebenfalls erfasst, soweit sie für den audiovisuellen Sektor in Krisenzeiten besonders relevant sind. Das Tool enthalte mehr als 700 Regelungen und werde laufend aktualisiert: https://www.obs.coe.int/de/web/observatoire/covid-19-audiovisual-sector-measures

Die Film- und Fernsehindustrie sei zwar von den Lockdown-Maßnahmen massiv betroffen gewesen, jedoch hielten die audiovisuellen Industrien während der Krise dagegen, stellt der Bericht fest: "Regierungen, Kultureinrichtungen und Vertreter der Industrie haben Unterstützungsmaßnahmen ergriffen, um den Sektor durch die Krise zu bringen, bisweilen mit erheblichen Unterschieden zwischen den Ländern."

Auf supranationaler Ebene habe die Corona-Krise zahlreiche Reaktionen internationaler Organisationen und der EU ausgelöst. Dabei gehe es vor allem um den Schutz der Meinungs- und Informationsfreiheit sowie die Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft im Allgemeinen und die Filmwirtschaft und den audiovisuellen Sektor im Besonderen.

Einrichtung von Nothilfefonds

Die internationalen Organisationen seien sich darin einig, dass es wichtig ist, den Zugang zu verlässlichen Quellen und Informationen zu gewährleisten. "Sie schlagen ihren Mitgliedstaaten und den relevanten Interessenträgern daher wichtige Empfehlungen und Tools vor, um die 'Kurve der Covid-19-Desinfodemie' abzuflachen und gleichzeitig die Meinungs- und Informationsfreiheit in einem besonderen Kontext zu wahren." Die Gewährleistung der Meinungs- und Informationsfreiheit in Bezug auf die Pandemie sei ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt von Europarat, den Vereinten Nationen oder der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gewesen.

Zudem seien Eingriffe auf supranationaler Ebene auch in Form von Unterstützungsmaßnahmen erfolgt - von branchenübergreifenden wirtschaftlichen Hilfen für Unternehmen und Arbeitnehmer bis hin zu gezielteren Maßnahmen für die Kultur- und Filmwirtschaft und den audiovisuellen Sektor. Unter anderem seien Nothilfefonds eingerichtet worden.

Auf gesamteuropäischer Ebene hätten sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union am 21. Juli auf ein umfassendes Konjunkturprogramm für Europa geeinigt. Eine weitere konkrete und praktische Unterstützungsmaßnahme war laut Bericht die Lockerung der Regeln für staatliche Beihilfen durch die Europäische Kommission mittels eines sogenannten befristeten Rahmens. Dieser lasse den Ländern deutlich mehr Spielraum, welche Unterstützung sie der audiovisuellen Industrie zukommen lassen.

Laut EAI gab es auch auf nationaler Ebene umfassende Maßnahmen, die allen Teilen des audiovisuellen Sektors zugutekommen: Die Regierungen und Parlamente hätten Hilfen für Unternehmen und Arbeitnehmer, entweder im Rahmen eines globalen Maßnahmenpakets oder durch die Einrichtung eines speziellen Nothilfefonds für den audiovisuellen Sektor, in die Wege geleitet. Bestehende Förderprogramme seien angepasst und neue eingerichtet worden.

Praktische Sicherheitsregeln

Die Medienregulierer seien bei der Unterstützung von Fernsehveranstaltern ebenfalls sehr aktiv gewesen. So hätten sie Verpflichtungen in Bezug auf Lizenzierung und Programmgestaltung gelockert und die Fernsehveranstalter zur Übernahme bewährter Verfahren angehalten, um die Öffentlichkeit vor jeglicher Form der Fehlinformation zu schützen. Die Verwertungsgesellschaften hätten sich indessen hauptsächlich auf die Einrichtung von Nothilfefonds und direkte Zuschüsse für ihre Mitglieder sowie die Lockerung der Anforderungen und Fristen im Bereich des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte konzentriert.

Auch die audiovisuellen Industrien selbst hätten die Entwicklung von Unterstützungsmaßnahmen vorangetrieben, heißt es in dem EAI-Bericht. Diese reichten von praktischen Sicherheitsregeln und Richtlinien für Dreharbeiten bis hin zur Erhöhung und früheren Auszahlung von Subventionen für Vertriebsunternehmen. Unter anderem hätten zum Beispiel Kinobetreiber Gutscheinsysteme für Eintrittskarten eingeführt, um während des Lockdowns Einnahmen zu generieren.

Zum Abschluss des Berichts schreiben die Autoren Francisco Javier Cabrera Blázquez, Maja Cappello, Léa Chochon, Gilles Fontaine, Julio Talavera Milla und Sophie Valais: "Einige Sektoren wie Video-on-Demand (VoD) haben vom erhöhten Inhaltekonsum während des Lockdowns profitiert, während andere ihre Verluste berechnen, die in der Tat beträchtlich zu sein scheinen."

Aus epd medien 39/20 vom 25. September 2020

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