Bieterverfahren für französisches Geschäft der RTL Group läuft

Bericht: Zahlreiche Angebote für Groupe M6 von Medienkonzernen
Luxemburg/Paris (epd)

Der Rückzug der RTL Group aus Frankreich rückt näher. Nach Medienberichten läuft inzwischen ein geregeltes Bieterverfahren für die Groupe M6, das auf großes Interesse der französischen Medienkonzernen gestoßen ist.

Wie die Zeitungen "Le Monde" und "Les Echos" am 12. März berichteten, haben alle relevanten Unternehmen des Sektors ein Kaufangebot bei der US-Bank JPMorgan abgegeben, die von der RTL Group mit der Durchführung des Verfahrens beauftragt worden sei. An vorderster Stelle steht demnach TF1, dessen Vorstandsvorsitzender Gilles Pélisson die Gelegenheit sieht, ein profitables Fernsehunternehmen zu erwerben und zusätzlich Radiosender, die TF1 bisher nicht hat.

Seit 1987 betreibt die zu Bertelsmann gehörende und in Luxemburg ansässige RTL Group in Frankreich die Groupe M6. Zu ihr gehören sieben Fernsehsender, darunter M6, der mit einem Marktanteil von knapp zehn Prozent viertstärkste Veranstalter. Zum Portfolio zählen außerdem drei Radiosender, darunter das reichweitenstarke Radio RTL. An der Groupe M6 hält die RTL Group einen Anteil von 48 Prozent, sie beherrscht aber den an die Börsen in Luxemburg und Frankfurt abgegebenen Anteil. Der Verkaufswert wird auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Ein Angebot abgegeben hat den Berichten zufolge auch die Vivendi-Gruppe, die von Bertelsmann den großen französischen Zeitschriftenverlag Prisma Media übernommen hat (epd 2/21). Zu den weiteren Bewerbern gehören die Altice-Gruppe von Patrick Drahi, die bereits zwei Radios betreibt, der tschechische Energie- und Medienunternehmer Daniel Kretinsky, Mitgesellschafter der Tageszeitung "Le Monde" und Käufer der Zeitschriften des Lagardère-Konzerns, sowie die italienische Mediaset-Gruppe.

Diese Bewerbungen werden zu einem Prüfstein für die Medienkonzentration. Nach französischem Medienrecht darf kein Unternehmen Radiosender besitzen, die zusammen mehr als 150 Millionen Einwohner erreichen. Bekäme etwa Altice die RTL-Radios, wäre diese Schranke überschritten. Eine weitere Regelung beschränkt TV-Veranstalter auf sieben terrestrische Sender. Mit M6 würde Vivendi an diese Schranke stoßen, die der Konzern nur durch Abgabe eigener Kanäle oder von M6-Sendern überwinden könnte. Auch das allgemeine Wettbewerbsrecht käme zum Zuge, weil TF1 mit M6 eine überragende Position im Werbemarkt erhielte.

Bei der Vorstellung der Ergebnisse des Geschäftsjahres 2020 (vgl. weitere Meldung in dieser Ausgabe) führte der RTL-Group-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe aus, der europäische Rundfunksektor benötige eine starke Konsolidierung, um gegen die US-Digitalkonzerne bestehen zu können. Diese Konsolidierung sieht die RTL Group offenbar vor allem in der Konzentration auf Deutschland, Belgien und die Niederlande. Rabe erklärte allerdings, es sei nicht sicher, dass das Bieterverfahren zu einer Vereinbarung oder Transaktion führen wird.

Aus epd medien 11/21 vom 19. März 2021

vhe