BBC will 450 Arbeitsplätze bei regionalen Nachrichten streichen

Finanzielle Probleme infolge der Corona-Pandemie - Mitarbeiter protestieren
London (epd)

Die BBC will weitere 450 Arbeitsplätze in England einsparen. Davon betroffen sind regionale Fernsehnachrichten, regionale aktuelle Fernsehsendungen, lokale Hörfunknachrichten und Online-Nachrichtenformate, wie die Sendeanstalt am 2. Juli in London mitteilte. Insgesamt arbeiten rund 3.000 Mitarbeiter für BBC England.

Die BBC hatte zuvor mitgeteilt, dass sie wegen finanzieller Probleme im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zusätzlich 125 Millionen Pfund (138 Millionen Euro) einsparen muss. BBC England soll dabei bis 2022 rund 25 Millionen Pfund (27,6 Millionen Euro) an Einsparungen erbringen.

Ende Januar hatte BBC News-Direktorin Fran Unsworth die Einsparung von ebenfalls rund 450 Arbeitsplätzen bis 2022 und ein Einsparvolumen in Höhe von 80 Millionen Pfund (88,4 Millionen Euro) angekündigt (epd 6/20). Davon sind die Sendungen "Newsnight" auf BBC Two, BBC Radio 5 Live und "World Update" auf BBC World Service betroffen. Ende März suspendierte die BBC diese Kürzungen aber zunächst wegen der Corona-Pandemie (epd 14/20).

Zu den geplanten Einsparungen bei BBC England gehören sieben von 20 Moderatoren der regionalen TV-Nachrichtensendungen um 18.30 Uhr und einige der lokalen Hörfunksendungen. Das bisherige TV-Magazin "Inside Out" mit elf regionalen Ausgaben auf BBC One wird durch eine neue investigative Journalismussendung mit sechs regionalen Ausgaben ersetzt. Sie sollen in London, Newcastle, Leeds, Birmingham, Bristol und Norwich produziert werden. Die regionalen TV- und Online-Nachrichtenteams werden zusammengeschlossen. In den 39 lokalen Hörfunk-Sendern wird das "vereinfachte" Programm, das im März wegen der Pandemie eingeführt wurde, zum ständigen Programm.

Helen Thomas, die Direktorin von BBC England, erklärte, dass die lokalen und regionalen BBC-Dienste vor über 50 Jahren geschaffen wurden und sich seither wenig verändert hätten. Erforderlich sei eine "beträchtliche Neuerfindung" Im Zeitalter der "Facebook-Gemeinschaft" und der "WhatsApp-Nachbarschafts-Chats" müsse die BBC "flexibler reflektieren, wie die Menschen ihr Leben leben, wie sie ihre Nachrichten empfangen und welche Inhalte sie wollen", so Thomas.

In einem Brief des Journalistenverbandes NUJ an BBC-Generaldirektor Tony Hall und seinen Nachfolger Tim Davie setzten sich Dutzende prominente Rundfunkmitarbeiter und Schauspieler für die Erhaltung von "Inside Out" und anderer politischer Regionalprogramme ein. Niemals sei "tiefschürfender, investigativer Journalismus" wichtiger gewesen, der "Verantwortliche benennt und die regionale Vielfalt Englands widerspiegelt." Wenn die Kürzungen dauerhaft werden sollten, sei das eine "Gefahr für die englische Demokratie", hieß es in dem Brief.

Über 56 der 67 Millionen Einwohner des Vereinigten Königreichs leben in England, rund 10,5 Millionen Einwohner in den drei anderen Landesteilen Schottland, Wales und Nordirland. Auch diese sind von den BBC-Einsparungen betroffen und sollen rund 150 weitere Arbeitsplätze einsparen. Am 23. Juni kündigte Donalda MacKinnon, die Direktorin von BBC Scotland, die Einsparung von rund 60 Arbeitsplätzen an. BBC Scotland müsse bis Ende März kommenden Jahres 6,2 Millionen Pfund einsparen.

Kürzungen auch in Wales

Rhodri Talfan Davies, der Direktor von BBC Cymru Wales, gab die Einsparung von ebenfalls 60 Arbeitsplätzen bekannt. BBC Wales müsse 4,5 Millionen Pfund einsparen. Erst im Oktober 2020 zogen viele Mitarbeiter von BBC Wales in das neue Rundfunkzentrum in Cardiff ein. Peter Johnson, der Direktor von BBC Northern Ireland, kündigte in Belfast die Einsparung von 30 bis 40 Arbeitsplätzen und von 3,6 Millionen Pfund bis Ende März 2021 an.

Julian Knight, der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Digitales, Kultur, Medien und Sport, wunderte sich über die Kürzungen bei den lokalen und regionalen BBC-Programmen. Die Entscheidung stehe im Widerspruch zu der BBC-Ankündigung, den lokalen und regionalen Journalismus stärken zu wollen, erklärte der konservative Politiker, der früher als Journalist arbeitete. Chris Matheson, der "Schattenminister" für Medien der oppositionellen Labour-Partei, bezeichnete die Kürzungen als "sehr schädlich und nicht willkommen". Verantwortlich für die Kürzungen sei letztlich die Entscheidung der Regierung, die "Finanzierung der BBC drastisch zu reduzieren".

Aus epd medien 28/20 vom 10. Juli 2020