BBC kündigt Abbau von 450 Stellen im News-Bereich an

Angelina Jolie produziert Nachrichtensendung für Teenager
London (epd)

Die britische Rundfunkanstalt BBC hat die Streichung von 450 Stellen angekündigt. Die Arbeitsplätze sollen bei BBC News wegfallen, wie die Direktorin der Nachrichtenabteilung, Fran Unsworth, am 29. Januar in London erklärte. Weltweit beschäftigt BBC News derzeit rund 6.000 Mitarbeiter, davon 1.700 außerhalb Großbritanniens.

Die BBC müsse sich den veränderten Nutzungsgewohnheiten der Menschen stellen, erklärte Unsworth. "Wir müssen BBC News für das nächste Jahrzehnt neu aufstellen und dabei eine erhebliche Summe Geld sparen. Wir stecken zu viele Ressourcen in den traditionellen linearen Rundfunk und zu wenige in die Digitalisierung."

Bis 2022 muss BBC News 95 Millionen Euro sparen, das jährliche Budget liegt dann bei rund 570 Millionen Euro. Unsworth sagte, das Sparziel sei zur Hälfte bereits erreicht und werde durch die nun angekündigten Veränderungen vervollständigt. Zugleich kündigte sie Investitionen in digitale Angebote wie die BBC News App an.

Von den Kürzungen betroffen sein wird den Angaben zufolge unter anderem die tägliche TV-Debattensendung "Victoria Derbyshire Show", die im Laufe des Jahres eingestellt werden soll. Außerdem werde die Zahl der Beiträge der TV-Sendung "Newsnight" reduziert. Auch bei den Morgennachrichten "World Update" des Fernsehnachrichtensenders BBC World Service und beim Radiosender 5 Live sollen Stellen abgebaut werden.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht auch in Großbritannien unter Druck. So stellte Premierminister Boris Johnson mehrfach die Lizenzgebühr infrage, die derzeit bei umgerechnet rund 175 Euro pro Jahr liegt. Die Royal Charter sichert derzeit den Bestand des Rundfunkfinanzierungsmodells bis 2027.

BBC-Generaldirektor Tony Hall hatte in der vergangenen Woche nach sieben Jahren im Amt seinen Rücktritt im Sommer angekündigt (epd 4/19). Der 68-Jährige begründete seine Entscheidung damit, dass sein Nachfolger ausreichend Zeit haben solle, bevor die nächste Royal Charter der BBC verhandelt wird.

Ende Januar startete die BBC eine weltweit ausgestrahlte Nachrichtensendung für junge Zuschauer. Die Produktion der wöchentlichen, halbstündigen TV-Sendung "My World" leitet US-Schauspielerin Angelina Jolie (44), wie die BBC am 28. Januar in London mitteilte. Das Angebot in englischer Sprache richte sich an junge Nutzer ab 13 Jahren und wolle "eine Lücke bei verlässlichen und vertrauenswürdigen Informationen für junge Zuschauer in dieser Altersgruppe füllen", hieß es.

"My World" soll laut BBC Hintergründe hinter den Nachrichten zeigen und Fakten und Informationen liefern, die jungen Leuten helfen, sich ihre eigene Meinung über internationale Themen zu bilden. In sozialen Medien würden Jugendliche oft nur unzureichend informiert, erklärte die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Sie seien besonders anfällig für Fake News und Desinformationen.

Koproduktion mit Microsoft Education

Jolie erklärte, als Mutter freue sie sich darüber, ein Format zu unterstützen, "das Kindern mehr Wissen über das Leben anderer junger Leute überall in der Welt vermitteln, und sie verbinden will". Jamie Angus, Director der BBC World Service Group, sagte, junge Leute bräuchten Instrumente, um zu unterscheiden, was im Netz falsch und was wahr sei. "Sie müssen mit den Kenntnissen ausgestattet werden, die es ihnen ermöglichen, Informationen kritisch zu hinterfragen, wo auch immer sie ihnen begegnen", betonte er.

Die Sendung stützt sich den Angaben zufolge auf die internationale Berichterstattung des BBC World Service und ist eine Koproduktion mit Jolie und Microsoft Education. Die redaktionelle Kontrolle über die Inhalte hat die BBC. Präsentiert wird die Sendung von Radzi Chinyanganya, Moderator von BBC Sport, und Nomia Iqbal, Moderatorin bei BBC Asien.

"My World" wird sonntags um 16.30 GMT (17.30 Uhr deutsche Winterzeit) auf BBC World News ausgestrahlt, dem laut Mitteilung mit weltweit 100 Millionen Zuschauern wöchentlich weltweit meist eingeschalteten Sender der BBC. Zudem sind die Inhalte auf den 42 Sprachendiensten des World Service verfügbar. Die Verbreitung erfolgt in vielen Sprachen in mehr als 20 Ländern, darunter Kanada, China, Indien, Südkorea, Bosnien und die USA. Digital ist das Programm weltweit auf dem Youtube-Kanal "My World" der BBC verfügbar.

Aus epd medien 6/20 vom 7. Februar 2020

tz/mih