ARD und RTL wehren sich gegen Manipulationsvorwurf aus Bulgarien

Sender: Bilder aus vollen Clubs am Goldstrand stammen aus diesem Jahr
Sofia/Frankfurt a.M. (epd)

ARD und RTL haben den Vorwurf zurückgewiesen, sie hätten aktuelle TV-Berichte über die Nichteinhaltung von Corona-Regeln im bulgarischen Seebad Goldstrand mit Filmsequenzen aus dem vergangenen Jahr bebildert. Entsprechende Behauptungen hatten zuvor die Hoteliersvereinigung Goldstrand und die bulgarische Assoziation der Gaststätten aufgestellt. Die Vorwürfe waren auch auf der Online-Präsenz des bulgarischen Tourismusministeriums publiziert worden. Die Großstadt Warna am Schwarzen Meer, in deren Nähe sich der Goldstrand befindet, gilt inzwischen als Corona-Risikogebiet.

Das vom RBB produzierte und im Ersten ausgestrahlte Magazin "Kontraste" hatte im Juli deutsche Touristen beim Feiern im Partyclub "Megapark Dolphin" am Goldstrand gezeigt. In der Reportage ist zunächst zu sehen, wie den Gästen beim Eingang die Körpertemperatur gemessen wird. Anschließend sieht man zahlreiche mit Schwimmringen bereifte junge Menschen, die sich in einem gut gefüllten Pool eine Schlacht mit Badeschaum liefern. RTL zeigte ebenfalls im Juli einen mit dem Handy aufgenommenen Videoclip von einem Konzert des schwäbischen Partyschlagersängers Klaus Krehl-Meier alias Almklausi im Partystadl "Zum Roten Pferd". Dieser dokumentiert, dass der Sänger und sein Publikum auf Tuchfühlung zusammen tanzen und singen und keinerlei Corona-Vorsichtsmaßnahmen einhalten.

Auf epd-Anfrage, inwieweit die schwerwiegenden Manipulationsvorwürfe gegen ARD und RTL durch Beweise belegt seien, waren vom bulgarischen Tourismusministerium und von der Hoteliersvereinigung Goldstrand keine Stellungnahmen zu erhalten. Richard Alibegow, Vorsitzender des Gaststättenverband BAS, sagte dem epd: "Ein Beweis liegt darin, dass wir in dieser Saison am Goldstrand noch gar nicht so viele Gäste gehabt haben, wie in den Filmbeiträgen zu sehen sind. Außerdem hat mir der Chef vom Partystadl gesagt, der auf dem RTL-Clip zu sehende Interpret sei in diesem Sommer noch gar nicht bei ihm aufgetreten, sondern lediglich im vergangenen Jahr."

"Kontraste"-Redaktionsleiter Matthias Deiß bezeichnete die Vorwürfe der Hoteliersvereinigung und des Gaststättenverbands als unzutreffend. Alle Bilder, die in dem TV-Beitrag vom 16. Juli gezeigt wurden, stammten aus dem Juli 2020, sagte er am 11. August dem epd: "'Kontraste' war am Wochenende vor der Sendung mit eigenem Redaktionspersonal und eigenem Kamerateam in Bulgarien am Goldstrand unterwegs. Alle im Beitrag gesendeten Interviews wurden von uns selbst geführt, alle verwendeten Bilder von uns selbst gedreht."

Eine RTL-Sprecherin sagte dem epd: "Wir hatten Hinweise darauf bekommen, dass im Partystadl die feiernden Gäste die Distanz-Regeln anlässlich Covid-19 nicht einhalten. Auslöser war ein Video, das Mitte Juli viral ging und entsprechende Impressionen bei einem Auftritt von Almklausi zeigte." RTL habe daraufhin am 15. Juli auch ein eigenes Team zum nächsten Auftritt des Entertainers geschickt. "Die Kollegen fanden die Situation vor Ort bestätigt und hielten die Bilder ebenfalls per Handyvideo fest", erklärte die Sprecherin. "Die gesendeten Motive sind daher nahezu identisch und dokumentieren die tatsächliche Situation vor Ort. Demnach wurde sachgerecht berichtet."

Almklausi selbst hatte seinen Auftritt im Partystadl in diesem Juli nicht bestritten, als das ZDF wegen eines möglichen Corona-Infektionsrisikos seinen anschließend geplanten Auftritt beim "Fernsehgarten" kurzzeitig infrage stellte. Der Auftritt am 26. Juli fand schließlich aber doch statt.

"Spiegel" entschuldigt sich

Der "Spiegel" entschuldigte sich unterdessen sich bei seinen Lesern für Fotos von spanischen Stränden, die - anders als berichtet - nicht 2020, sondern bereits in den Vorjahren entstanden waren. Die Bilder von Stränden spanischer Touristenhochburgen, die Anfang August zu einem Artikel unter der Überschrift "Nix wie weg" gestellt wurden, stammten aus 2018 und 2019, stellte der "Spiegel" in seiner Onlineausgabe richtig. Das habe der Fotograf Arnau Rovira Vidal inzwischen bestätigt.

Die Redaktion erklärte auch, wie es zu dem Fehler kam. Die Fotoagentur, die den Fotografen vertrete, habe die Bilder auf ihrer Website als aktuell beschrieben, unter anderem mit dem Satz: "Touristen holen sich am Mittelmeer ihre Freiheit zurück". Auf Anfrage des Nachrichtenmagazins habe ein Agenturmitarbeiter erneut bestätigt, dass die Fotos, auf denen niemand Maske trägt, aktuell seien und zu Beginn der Maskenpflicht in der Sommersaison gemacht wurden. Auch habe der "Spiegel" die Bilder mit Fotos mehrerer großer Nachrichtenagenturen verglichen, um sicherzugehen, heißt es in dem Bericht weiter: "Wie sich zeigt, waren diese Überprüfungen nicht ausreichend."

Aus epd medien 32/20 vom 14. August 2020

fst/rks/rid