Amazon schluckt MGM für 8,45 Milliarden US-Dollar

Online-Händler stärkt Streaming-Angebot - Ausweitung "globaler Dominanz" befürchtet
Washington (epd).

Der weltgrößte Online-Händler Amazon übernimmt für 8,45 Milliarden US-Dollar die Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) Filmstudios. Besonders ins Gewicht falle bei dem Deal der umfangreiche Katalog des Hollywood-Studios mit mehr als 4.000 Filmen, teilte Amazon am 26. Mai mit. Das Fachblatt „Hollywood Reporter“ zitierte Amazon-CEO Jeff Bezos mit der Aussage, Amazon könne nun das bei MGM beheimatete „intellektuelle Eigentum“ für das „21. Jahrhundert neu gestalten und entwickeln“.

Experten erwarten einen wachsenden Konkurrenzkampf auf dem Streaming-Markt zwischen Amazon, Netflix, Apple, Disney und weiteren Anbietern. Amazons Streaming-Angebot ist Bestandteil des Prime-Abos, das eine versandkostenfreie und schnelle Lieferung bestellter Produkte verspricht. Amazon veröffentlicht keine Zahlen zu Streaming-Einnahmen. Laut Unternehmensangaben vom vergangenen April hat Amazon gegenwärtig 200 Millionen Prime-Mitglieder. Konkurrent Netflix zählt derzeit 208 Millionen Abonnenten.

Im Fachdienst „techxplore.com“ erklärte ein Medienanalyst der Consulting-Firma Frost & Sullivan, Amazon werde mit der Übernahme von MGM seine Marke weiter stärken und die „globale Dominanz“ ausbauen. Die Webseite „prospect.org“ kommentierte, ein Unternehmen, das „für Kleingeld“ ein Filmstudio kaufen könne oder, wie jüngst, die Rechte für Football-Übertragungen, bestimme auf dem Markt die Preise. Vermutlich würden Nutzer langfristig mehr Geld für das Streaming-Angebot zahlen müssen.

Die Ankündigung der Übernahme führte in der US-Politik erneut zu kartellrechtlichen Einwänden und Warnungen vor Monopolen. Die demokratische Senatorin Amy Klobuchar forderte, der US-Generalstaatsanwalt müsse den Deal „gründlich prüfen“. Der republikanische Senator Josh Hawley warnte, die geplante Übernahme sei gefährlich. Amazon wolle sein „Monopol“ auf die Unterhaltungs- und Informationsbranche ausdehnen.

Manche Wirtschaftsexperten waren skeptisch bezüglich des Einflusses von Kartellgesetzen auf den Deal. So hieß es im Fachdienst „deadline.com“, die MGM-Filme machten nur eine kleinen Teil des US-Angebots aus, und die Zahl der Streaming-Anbieter nehme zu.

Aus epd medien 22/21 vom 4. Juni 2021

ege