Zeitschriftenverlage rechnen mit langfristigen Corona-Folgen

VDZ-Umfrage: Erhebliche Konsequenzen bei Arbeitsmodellen durch Homeoffice
Berlin (epd).

Die Mehrheit der deutschen Zeitschriftenverlage rechnet auch noch für das Jahr 2022 mit Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Medienbranche. Das geht aus einer am 27. April in Berlin vorgestellten Trendumfrage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hervor. 21 Prozent der Befragten erwarten demnach, dass die Auswirkungen der Panemie bereits im laufenden Jahr vorbei sein werden. 55 Prozent der Verlage, die zwei Drittel des Branchenumsatzes repräsentieren, gehen von Folgen im kommenden Jahr aus, 23 Prozent sogar noch darüber hinaus.

Laut Umfrage zeichnen sich erhebliche Konsequenzen bei den Arbeitsmodellen ab: So gehen 70 Prozent der Befragten von einem geringeren Flächenbedarf bei gewerblich genutzten Immobilien aus. 63 Prozent rechnen damit, dass durch mehr Homeoffice-Angebote Arbeitsverträge neu gestaltet werden. Im Corona-Jahr 2020 sank der Branchenumsatz laut VDZ von gut 20,2 Milliarden Euro im Vorjahr auf knapp 18,8 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten ging demnach um 3,3 Prozent auf rund 58.000 zurück.

Wie VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer bei der Jahrespressekonferenz sagte, steigerten die Publikumsmedien den Umsatz von Bezahlinhalten mit E-Papern und Paywall-Modellen um 44 Prozent auf rund 200 Millionen Euro. Die E-Paper-Auflage der Publikumstitel sei innerhalb eines Jahres von 31,4 Millionen auf 37,3 Millionen Ausgaben gestiegen. Stark rückläufig seien das Konferenzgeschäft (minus 77 Prozent) und der Print-Anzeigenmarkt (minus elf Prozent) gewesen ebenso wie der Print-Vertrieb (minus 4,8 Prozent). Für 2021 würden indes weitere Umsatzsteigerungen im Digitalgeschäft erwartet.

Während die Umsätze der Verlage mit Veranstaltungen im vergangenen Jahr stark einbrachen, gingen die Umsätze über die sogenannten Transaktionsplattformen, also E-Commerce, Vergleichsportale und Online-Rubrikenmärkte nur leicht zurück: Hatten die Verlage mit diesen Geschäften 2019 noch 2,304 Milliarden Euro umgesetzt, so waren es 2020 2,287 Milliarden Euro. Im Geschäftsfeld Software und Services steigerten die Verlage ihren Umsatz von 463 Millionen Euro 2019 auf 566 Millionen Euro 2020.

Der VDZ klagte über die „kontinuierlich höher als die Inflationsrate steigenden Zustellkosten der Deutschen Post“ und forderte mehr Unterstützung von der Politik. Der VDZ-Sprecher der Deutschen Fachpresse, Klaus Krammer, beschrieb, wie in Osteuropa, wo die Postgebühren sich innerhalb von fünf Jahren mehr als verfünffacht hätten, fast alle Fachzeitschriften vom Markt verschwunden seien. Nun gebe es dort lediglich staatlich gesteuerte Plattformen.

In der Trendumfrage äußerten Verlage zudem Sorgen über die Marktdominanz großer Digitalkonzerne. Von den Befragten hielt es demnach kein Verlag für ausreichend, wenn Google, Facebook und andere Plattformen nur ausgewählte Medien für die Verwertung von deren Inhalten bezahlen.

Philipp Welte, Sprecher der Publikumszeitschriften, erklärte, Corona habe gezeigt, welche Relevanz die Verlage für die Menschen und für die funktionierende Demokratie hätten. Deshalb dürfe der Markt für Informationen, für Unterhaltung, für Services und für Meinungen nicht internationalen Monopolplattformen überlassen werden. Denn dann würden die Menschen in Deutschland und in Europa der Willkür internationaler Konzerne ausgesetzt, die mehr Macht hätten als ganze Staaten.

Welte sagte, fast ein Drittel der gesamten Werbeausgaben in Deutschland komme inzwischen Google, Facebook und Amazon zugute. Von zentraler Bedeutung für die Verlage sei daher die geplante Verordnung über digitale Märkte (Digital Markets Act), die die Europäische Kommission im Dezember vorgestellt habe (epd 16/21, 49/20). Diese Verordnung solle die großen Plattformen verpflichten, andere Anbieter nicht zu diskriminieren.

Aus epd medien 17/21 vom 30. April 2021


mey