WDR verteidigt Kabarettistin Lisa Eckhart gegen Kritik

Antisemitismus-Vorwurf gegen Künstlerin wegen Auftritt von 2018
Köln/Frankfurt a.M. (epd)

Der WDR hat die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart nach Kritik gegen den Vorwurf des Antisemitismus und Rassismus verteidigt. "Die Künstlerin hatte ein hochaktuelles, für Satire nahe liegendes Thema gewählt und dabei Vorurteile gegenüber Juden, People of Color, Homosexuellen, Transgendern und Menschen mit Behinderungen aufgegriffen, um genau diese Vorurteile schonungslos zu entlarven", erklärte der WDR am 5. Mai auf epd-Anfrage. Hintergrund ist ein Auftritt Eckharts im September 2018 in der Sendung "Mitternachtsspitzen".

Der WDR verwies darauf, dass Eckhart damals mitten in der #MeToo-Debatte aufgetreten sei. In diesem Zusammenhang habe ihre Satire bei Publikum und Medienvertretern offensichtlich funktioniert, es habe zu diesem Zeitpunkt keine Kritik gegeben. Im November 2019, einige Wochen nach dem Anschlag auf die jüdische Synagoge in Halle, habe die Redaktion den Auftritt dann noch einmal auf Facebook online gestellt - als Beitrag zum "Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen". Das ursprüngliche Sendedatum 14 Monate zuvor sei aber leider nicht genannt worden. So sei der Eindruck entstanden, dass die Künstlerin aktuell, also in einem ganz anderen Kontext, aufgetreten sei. Der Sender habe dieses Versäumnis bereits im Herbst 2019 bedauert und stehe weiter dazu, erklärte der WDR.

Kürzlich tauchte das Eckhart-Video auf Facebook erneut auf und löste Kritik aus. In ihrem Beitrag greift Eckhart das Thema politische Korrektheit im Zusammenhang mit sogenannten Randgruppen, unter anderem Juden, auf. Diese habe man immer gegen den Vorwurf verteidigt, es gehe ihnen nur ums Geld, so Eckhart: "Und jetzt plötzlich kommt heraus: Denen geht's wirklich nicht ums Geld, denen geht's um die Weiber, und deswegen brauchen sie das Geld." Eckhart spielte dabei auch auf den bereits wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten jüdischen Filmproduzenten Harvey Weinstein an. Das sei dann der "feuchte Alptraum" der politischen Korrektheit, wenn die sogenannten "Unantastbaren" andere antasteten, so Eckhart.

In einem Artikel in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 4. Mai kritisierte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, die Aussagen von Eckhart als "geschmacklos und kritikwürdig". Mehrere Organisationen wie die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) sowie das American Jewish Committee (AJC) Berlin schlossen sich der Kritik an.

"Der WDR nimmt die aktuelle Kritik ernst und setzt sich intensiv damit auseinander", teilte der Sender dazu mit. Es sei nie die Absicht gewesen, persönliche Gefühle zu verletzen. Grundsätzlichen Vorwürfen gegen den WDR könne man nicht folgen. Der Sender setze sich seit Jahrzehnten im Programm und als Organisation für Meinungsvielfalt und Zusammenhalt in der Gesellschaft ein und stehe zugleich zur "Satirefreiheit als essenziellem Teil der Meinungsfreiheit".

Aus epd medien 19/20 vom 8. Mai 2020

hin/ema