WDR-Rundfunkrat kritisiert Talk-Sendung "Die letzte Instanz"

Gremium fordert Konzept für Literaturberichterstattung bei WDR3
Köln (epd)

Der Rundfunkrat und Programmverantwortliche des Westdeutschen Rundfunks (WDR) haben sich Kritik an der TV-Talk-Sendung "Die letzte Instanz" angeschlossen. In einer Rundfunkratssitzung am 23. Februar hinterfragten Mitglieder laut einer Mitteilung des Gremiums das Sendungskonzept, mahnten den Erhalt des öffentlich-rechtlichen Niveaus an und erinnerten an wiederholte Forderungen des Rundfunkrats, Talkshow-Gäste ausgewogen auszuwählen. Dem Sender habe der Vorsitzende des Rundfunkrats empfohlen, den Programmbeschwerden zu "Die letzte Instanz" abzuhelfen.

Eine Wiederholung der Sendung am 29. Januar hatte empörte Reaktionen ausgelöst. Mehrere Gäste und auch Moderator Steffen Hallaschka hatten sich anschließend entschuldigt. Auch der WDR räumte ein, dass er Fehler gemacht habe. In der erstmals Ende November 2020 ausgestrahlten Runde mit Moderator Hallaschka hatten die Gäste Micky Beisenherz, Thomas Gottschalk, Janine Kunze und Jürgen Milski über aktuelle gesellschaftliche Themen diskutiert, darunter auch über rassistischen Sprachgebrauch und die Frage "Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?" (epd 4, 7/21).

Beim Rundfunkrat waren nach Angaben des Gremiums rund 800 Zuschriften zu der Talk-Runde eingegangen. Kritisiert worden seien die einseitige Gästeauswahl und rassistische Äußerungen. Die Diskussion darüber und auch über eine ältere Karnevalssendung, deren Wiederholung wegen sogenanntem Blackfacing kritisiert worden war, habe die Frage der Qualitätssicherung in den Fokus gerückt, teilte der Rundfunkrat mit. Diese stelle sich auch mit Blick auf die Vielzahl abrufbarer Beiträge in der Mediathek. Der Programmausschuss werde sich mit diesen Themen weiter befassen.

Das Gremium befasste sich außerdem mit den Plänen für die Literaturberichterstattung in der Kulturwelle WDR3. Wellenchef Matthias Kremin hatte kürzlich angekündigt, dass die morgendliche Buchrezension in der Kultursendung "Mosaik" bei WDR3 entfallen soll (epd 4/21). Dafür solle "die Auseinandersetzung mit Literatur abwechslungsreicher, innovativer und vielfältiger", werden, sagte er. Es gehe "um die Öffnung von Literatur für verschiedene Formen der Darstellung zu unterschiedlichen Zeiten am Tag".

Mitglieder des Rundfunkrats betonten die Bedeutung der Literatur und die wichtige Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei der Literaturvermittlung. Der Programmausschuss forderte ein Konzept mit quantifizierbaren Anteilen von Literaturbeiträgen.

Der Rundfunkrat genehmigte außerdem die Produktionsverträge für neue Staffeln der Serien "Rote Rosen" und "Sturm der Liebe", die im Nachmittagsprogramm des Ersten ausgestrahlt werden. Finanziert werden die Serien von allen ARD-Anstalten gemeinsam. Der Rundfunkrat stimmte den Anteilen, die der WDR finanziert, zu. Mitglieder des Gremiums betonten, dass Unterhaltungsformate wie diese im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unverzichtbar seien, um eine große Zielgruppe zu erreichen.

Das Gremium wählte außerdem Dagmar Gaßdorf, die stellvertretende Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats, als Mitglied des Aufsichtsrats der WDR Mediagroup. Vier weitere Mitglieder des Aufsichtsrats hatte der Rundfunkrat im Dezember bestimmt. Der Vorsitzende des Rundfunkrats, Andreas Meyer-Lauber, ist von Amts wegen Mitglied des Aufsichtsrats der WDR Mediagroup. Jürgen Coße wurde in den Fachausschuss für Rundfunkentwicklung und Digitalisierung des Rundfunkrats gewählt, Benjamin Kinkel ist künftig Mitglied des Haushalts- und Finanzausschusses.

Aus epd medien 9/21 vom 5. März 2021

koe/dir