WDR lässt "Kulturwandel" im Sender bewerten

Monika Wulf-Mathies soll Veränderungen im Unternehmen prüfen
Köln (epd).

Der WDR hat die frühere EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies (SPD) mit einer Prüfung der Umsetzung des WDR-internen „Kulturwandels“ beauftragt. „Ein gutes Betriebsklima ist elementar wichtig für den Erfolg von Unternehmen“, teilte Intendant Tom Buhrow am 24. August in Köln mit. Zwar sei der WDR auf einem guten Weg, jedoch noch nicht am Ziel: „Ich freue mich, dass Monika Wulf-Mathies sich bereit erklärt hat, darauf zu schauen, wo wir in unserem Prozess stehen.“

Im Frühjahr 2018 hatten mehrere Medien über mutmaßliche Fälle sexueller Belästigung durch WDR-Mitarbeiter berichtet (epd 16/18). Wegen entsprechender Anschuldigungen kündigte die Rundfunkanstalt einem langjährigen Auslandskorrespondenten und trennte sich vom damaligen Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie, Gebhard Henke (epd 29/18). Nach Angaben des Senders soll es Vorwürfe gegen rund ein Dutzend Mitarbeiter gegeben haben.

Der WDR ließ die Vorwürfe daraufhin intern untersuchen und setzte Wulf-Mathies als externe Gutachterin ein. Diese bescheinigte dem Sender in ihrem Abschlussbericht eine fehlende Kultur gegenseitiger Wertschätzung (epd 37/18), etliche Gesprächspartner hätten sogar von einem „Klima der Angst“ gesprochen.

Trotz aller Gleichstellungsbemühungen bestehe „noch immer ein strukturelles Machtgefälle zwischen in der Regel männlichen Chefs und weiblichen Untergebenen, das Raum für Grenzüberschreitungen lässt“, hieß es in dem Bericht. Bei der Vergabe von Führungspositionen werde zu wenig Wert auf soziale Kompetenz und charakterliche Eignung gelegt. Sie empfahl zudem einen „Kulturwandel“, den der WDR daraufhin intern umsetzen wollte (epd 9/19).

Zwölf konkrete Maßnahmen

Dem Sender zufolge haben die Verwaltungsdirektorin Katrin Vernau und Personalratsvorsitzende Christiane Seitz als Verantwortliche für den „Kulturwandel“-Prozess seither zwölf konkrete Maßnahmen umgesetzt. So seien unter anderem Führungskräfte-Feedbacks und sogenannte „Klimaanalysen“ eingeführt worden. Zudem seien die Mitarbeiter-Gespräche neu konzipiert und die Grundsätze für Führungskräfte überarbeitet worden. Interne Veranstaltungen seien dahingehend verändert worden, dass sie stärker Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Führungskräfte in einen Dialog bringen. Auch seien Methoden zur Teamzusammenarbeit und für systematisches Feedback etabliert worden.

Nun soll laut WDR dieser Prozess evaluiert werden: „Was haben wir bisher geschafft? Wo müssen wir nachjustieren?“ Bei der Klärung dieser Fragen werde Wulf-Mathies den Sender unterstützen und zu diesem Zweck Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führen.

Aus epd medien 34/21 vom 27. August 2021

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