WDR: Defizit von 152 Millionen Euro im Betriebshaushalt 2020

Altersversorgung als Sondereffekt - Geringerer Fehlbetrag in Finanzrechnung
Köln (epd).

Der WDR hat 2020 im Betriebshaushalt ein Defizit von 152,2 Millionen Euro verzeichnet. Erträgen von 1,42 Milliarden Euro standen Aufwendungen von 1,57 Milliarden Euro gegenüber, wie aus dem Geschäftsbericht 2020 hervorgeht, der im Internet veröffentlicht wurde (http://u.epd.de/21g3). Korrigiert um nicht finanzwirksame Effekte ergebe sich in der Finanzrechnung ein Fehlbetrag von 101,5 Millionen Euro. Dieser werde der allgemeinen Ausgleichsrücklage entnommen, teilte der WDR mit.

Der Sender erklärte das Defizit im Betriebshaushalt in erster Linie mit Sondereffekten, die „weder vom WDR beeinflussbar noch dem operativen Geschäft zuzuordnen“ seien. Hierzu zählten die Regelungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes zur Altersversorgung. Die Verpflichtungen aus der Altersversorgung seien in Höhe des Barwertes in der Bilanz abzubilden. Der Barwert ergebe sich bei ansonsten unveränderten Ansprüchen in Abhängigkeit vom jeweiligen Rechnungszins, auf dessen Höhe der WDR keinen Einfluss habe. Dies habe 2020 gegenüber dem Vorjahr zu Mehraufwendungen und damit zu einer Verschlechterung um 127,1 Millionen Euro geführt.

Ein weiterer Aspekt seien die Beitragsmehrerträge in Höhe von 15,1 Millionen Euro, die einer Rücklage zugeführt wurden. Sie würden zur Beitragsstabilität in der Beitragsperiode 2021 bis 2024 verwendet, teilte der WDR mit.

Mit einem Volumen von 1,19 Milliarden Euro und einem Anteil von 83,6 Prozent an den Gesamterträgen waren die Rundfunkbeiträge die Hauptertragsquelle des WDR, sie lagen um 0,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Umsatzerlöse betrugen 118,9 Millionen Euro. Hierunter fielen laut WDR vor allem Erträge aus Kostenerstattungen und Umlagen (47,5 Millionen Euro), Einnahmen aus Koproduktionen und Kofinanzierungen (23,9 Millionen Euro) und Erträge der WDR Mediagroup.

Die Aufwendungen von 1,57 Milliarden Euro lagen knapp unter dem Vorjahreswert. Für sein fest angestelltes Personal wendete der WDR im vergangenen Jahr insgesamt 610,9 Millionen Euro auf. Hierin enthalten sind nach Angaben des WDR sowohl die Aufwendungen für die im aktiven Dienst befindlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die Aufwendungen für die Ausbildung und die Pensionsverpflichtungen. Am 31. Dezember 2020 waren 4.231 fest angestellte Mitarbeiter im WDR beschäftigt. Diese Zahl liege - bedingt durch Teilzeitarbeitsverhältnisse - höher als die Anzahl der Vollzeitplanstellen, die rund 3.977 betragen habe. Im Jahresdurchschnitt 2020 seien 3.824 Planstellen besetzt gewesen.

In seiner Sitzung am 16. November hat der WDR-Rundfunkrat den Haushaltsplan des Senders für das Jahr 2022 genehmigt. Im Betriebshaushalt für das kommende Jahr stehen demnach Erträgen von rund 1,45 Milliarden Euro Aufwendungen von rund 1,63 Milliarden Euro gegenüber. In dem sich rechnerisch ergebenden Defizit von 180 Millionen Euro seien auch Positionen enthalten, die „rein kalkulatorischen Charakter“ hätten, teilte der WDR mit. Dies seien beispielsweise Abschreibungen.

Im Finanzplan, der die tatsächlich fälligen Einnahmen und Ausgaben erfasse, weise der WDR für 2022 ein deutlich geringeres Minus von 49,1 Millionen Euro aus. Dieses werde erneut aus der allgemeinen Ausgleichsrücklage gedeckt. Die Finanzplanung des WDR erfolge grundsätzlich für die gesamte Beitragsperiode, so dass ein Ausgleich zwischen den einzelnen Haushaltsjahren erfolge. Die aktuelle Periode endet im Dezember 2024.

Aus epd medien 50-21/21 vom 17. Dezember 2021

rid