Verkauf von "Express" und "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Tisch

Dumont führt Medienhaus in Köln weiter - Entscheidung zu weiteren Titeln im Frühjahr
Köln (epd)

Die Unternehmensgruppe DuMont hält an ihren Zeitungen "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Express" fest. Das Medienhaus in Köln werde fortgeführt, teilte der Traditionsverlag am 18. Dezember mit. Weiter offen ist dagegen die Zukunft der "Hamburger Morgenpost" und der "Mitteldeutschen Zeitung" in Halle: Hier würden "nächste Ergebnisse" voraussichtlich im Januar erwartet, hieß es.

Zuvor hatte der DuMont-Vorstandsvorsitzende Christoph Bauer die Belegschaft über die Entscheidung informiert. Im Februar war bekanntgeworden, dass die Kölner Mediengruppe den Verkauf ihrer Regionalzeitungen und Druckereien prüft (epd 9/19). Zur Debatte stand demnach der Verkauf des gesamten Zeitungsportfolios oder auch von Teilen davon. Dabei gebe es "keine Denkverbote", hatte Bauer im April erklärt (epd 15/19). Im September war der bisher zu DuMont gehörende Berliner Verlag mit der "Berliner Zeitung" und dem "Berliner Kurier" an das Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich verkauft worden (epd 38/19).

Für die Boulevardzeitung "Hamburger Morgenpost" interessiert sich laut Branchenberichten die Geschäftsführerin der Zeitung, Susan Molzow. An der "Mitteldeutschen Zeitung" hat Spekulationen zufolge die Hamburger Bauer Media Group Interesse bekundet. Bauer verlegt bereits die "Magdeburger Volksstimme".

DuMont werde weiterhin in Inhalte, Daten und Technologie in den drei Geschäftsfeldern Regionalmedien, Business-Information und Marketingtechnologie investieren, hieß es am 18. Dezember. Neben dem Zeitungsgeschäft bereitet DuMont etwa Daten für Unternehmen auf und bietet Software für Vertrieb und Kommunikation von Firmen an. Auch der Bundesanzeiger-Verlag gehört zur Gruppe.

Das Kölner Unternehmen hatte 2018 einen Umsatz von 621 Millionen Euro erzielt, ein Plus von mehr als drei Prozent gegenüber dem Vorjahr (epd 15/19). Die Auflagen der Regionalzeitungen waren in den vergangenen Jahren jedoch stark zurückgegangen. So kamen die Titel der Zeitungsgruppe Köln - neben "Stadt-Anzeiger" und "Express" auch "Kölnische Rundschau" - gemeinsam im vergangenen Quartal auf eine verkaufte Auflage von 306.477 Stück. Zehn Jahre zuvor waren es laut Auflagenkontrolle IVW noch 531.480 Stück.

Im vergangenen Jahr beschäftigte DuMont nach eigenen Angaben rund 3.900 Mitarbeiter. Die Mediengruppe blickt auf eine fast 400-jährige Geschichte zurück. Bereits 1620 wurden in Köln Festschriften und Gebetsbücher gedruckt, 1802 erwarb die Familie Schauberg die dort produzierte "Kölnische Zeitung". 2015 starb der langjährige Herausgeber und Aufsichtsratsvorsitzende des Verlags, Alfred Neven DuMont. Er galt als eine der letzten großen Verlegerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegszeit.

Aus epd medien 51/52 vom 20. Dezember 2019

dsp