Telemedienkonzepte für 3sat und Phoenix werden erneuert

ZDF-Fernsehrat leitet Genehmigungsverfahren ein - Gutachten wird in Auftrag gegeben
Mainz (epd).

Der ZDF-Fernsehrat hat für die Änderung der Telemedienangebote von 3sat und Phoenix ein Genehmigungsverfahren eingeleitet. Nach den am 2. Juli vom Intendanten vorgelegten Telemedienänderungskonzepten sollen in den Internetauftritten der beiden Sender die eigenständigen audiovisuellen Inhalte („online only“) und die Partizipationsmöglichkeiten für die Nutzer gestärkt werden. Auch längere Verweildauern für Inhalte sind geplant. Dritte haben bis zum 16. August die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben. Die Konzepte wurden auf der Seite des Fernsehrats veröffentlicht (http://u.epd.de/1wjj).

Laut Konzept will der Kultursender 3sat die Verweildauern für eingestellte Inhalte verlängern und mehr eigenständige Inhalte in die Mediathek einstellen, dazu gehören auch Online-Kooperationen beispielsweise mit Theatern wie bei dem Tanzprojekt „Dying Swan“ mit dem Theaterhaus Stuttgart. Vor allem fiktionale Inhalte will 3sat länger in die Mediathek einstellen, dies sei „von hoher Erfolgsrelevanz für die Entwicklung der 3sat-Mediathek“, heißt es in dem Konzept. Angestrebt wird eine Verweildauer von zwölf Monaten. Dies ermögliche „eine stärkere Sichtbarkeit von deutschen und europäischen Produktionen“.

Geplant ist auch, film- und fernsehhistorische Produktionen, deren Erstausstrahlung länger als 20 Jahre zurückliegt, unabhängig von einer Ausstrahlung im Fernsehen in die Online-Angebote von 3sat einzustellen und bis zu zwei Jahre bereitzuhalten. Die Sicherung des fiktionalen Erbes sei „eine kulturgeschichtliche Aufgabe“, heißt es in dem Konzept. Auch Produktionen des Filmnachwuchses sollen länger in der Mediathek auffindbar sein. Kulturinhalte sollen in Zukunft wie Bildungsinhalte bis zu fünf Jahre zum Abruf bereitgehalten werden. Solche Inhalte können bei 3sat auch in die zeit- und kulturgeschichtlichen Archive eingestellt werden, deren Inhalte unbegrenzt vorgehalten werden.

3sat will weiterhin Drittplattformen wie Youtube, Instagram oder Twitter nutzen, um neue Nutzer anzusprechen oder zielgruppenspezifische Inhalte zu verbreiten. Gut gelinge das bereits mit dem Kanal „Scobel“ bei Youtube,, heißt es in dem Konzept. Die Entscheidung, solche Drittplattformen zu nutzen, erfolge „auf journalistisch-redaktioneller Grundlage“.

Für die Erstellung zusätzlicher audiovisueller Inhalte, die Rechte für fiktionale Inhalte und die Verbreitung kalkuliert das ZDF in der Vorlage mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 720.000 Euro im kommenden Jahr. Bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) sei dies nicht angemeldet worden, daher müssten die Mehrkosten aus dem bestehenden Etat finanziert werden.

Beitrag zur politischen Bildung

Auch der Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix will die Online-Ausspielwege in Zukunft stärker nutzen. Derzeit liege die „publizistische Rolle von Phoenix im Netz deutlich hinter der Position von Phoenix im im Fernsehmarkt“, heißt es in dem Telemedienkonzept. Die Nutzung des Phoenix-Channels in der ARD-Mediathek nehme jedoch kontinuierlich zu. Die Inhalte des Senders würden vor allem über Drittplattformen wie Youtube oder Facebook genutzt. In der Zukunft will Phoenix seine Bildungsangebote noch stärker auf solchen Drittplattformen ausspielen. Dort würden Bewegtbildangebote vor allem von Jugendlichen genutzt. Hier wolle der Sender einen Beitrag zur politischen Bildung und zur Meinungsbildung leisten.

Die Änderungen im Online-Angebot von Phoenix sollen laut Konzept dazu beitragen, dass der Sender „im Netz gegenüber anderen Anbietern nicht noch mehr ins Hintertreffen gerät“. Auch für den Ereigniskanal soll das Verweildauerkonzept geändert werden. Für alle Bildungsinhalte strebt Phoenix eine Verweildauer von fünf Jahren an, hinzu kommen auch hier die zeit- und kulturgeschichtlichen Archive, die unbegrenzt vorgehalten werden können.

Der Sender hat bereits zahlreiche „Online-First“- oder „Online-Only-Angebote“ wie Livestreams von Veranstaltungen oder Podcasts wie „Unter drei“ oder „Denken mit Kinnert und Welzer“. „Online only“ will der Sender künftig mehr thematische Schwerpunkte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen anbieten.

Für die Erstellung eigenständiger audiovisueller Inhalte, die Anpassung der Verweildauern sowie die bei stärkerer Nutzung steigenden Verbreitungskosten rechnet der Sender mit einem Mehrbedarf von 800.00 Euro im kommenden Jahr. Auch dieses Projekt wurde nicht bei der KEF angemeldet, die Kosten müssen daher aus dem bestehenden Etat finanziert werden.

Insgesamt heißt es in dem Konzept, der Gemeinschaftssender von ARD und ZDF habe „einen publizistischen Mehrwert, der von keinem anderen Online-Angebot in dieser Form sowohl inhaltlich-thematisch als auch in Umfang, Breite, Tiefe und Kombination abgedeckt wird“. Für die Genehmigung der Telemedienkonzept der von ARD und ZDF gemeinsam veranstalteten Angebote 3sat und Phoenix liegt die Federführung beim Fernsehrat des ZDF. Mit der Veröffentlichung wurden die Konzepte auch an die Konferenz der Gremienvorsitzenden der ARD übermittelt.

Ein Gutachter soll im Auftrag des ZDF-Fernsehrats die Auswirkungen der Änderungen der Telemedienangebote auf die relevanten Märkte untersuchen. Im Drei-Stufen-Test, dem für die Telemedienangebote der öffentlich-rechtlichen Sender verpflichtenden Genehmigungsverfahren, überprüfen die Aufsichtsgremien, ob das Telemedienangebot den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht, in welchem Umfang es in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beiträgt und welcher finanzielle Aufwand für ein Angebot erforderlich ist.

Aus epd medien 28/21 vom 16. Juli 2021

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