SWR kündigt Mitarbeiter wegen "falscher Tatsachenbehauptungen"

Vorwurf der Diskreditierung nach Corona-Äußerungen - Ole Skambraks widerspricht
Stuttgart (epd).

Der SWR hat seinem Mitarbeiter Ole Skambraks nach einem Konflikt über öffentliche Äußerungen zur Corona-Berichterstattung gekündigt. Skambraks habe „den SWR und damit die hier tätigen Kolleginnen und Kollegen fortgesetzt durch falsche Tatsachenbehauptungen in der Öffentlichkeit diskreditiert“, sagte eine Sprecherin der Rundfunkanstalt dem epd auf Nachfrage am 28. Oktober in Stuttgart.

Skambraks widerspricht den Vorwürfen. Er kündigte zudem juristische Schritte gegen die Kündigung an.

Mit seinem Verhalten habe Skambraks auch den Betriebsfrieden „empfindlich gestört“, sagte die SWR-Sprecherin. Sie betonte, dass die Kündigung nicht wegen der kritischen Meinungsäußerungen von Skambraks erfolgt sei. Ausgangspunkt für den Konflikt zwischen dem SWR und seinem Mitarbeiter war ein offener Brief, den Skambraks Anfang Oktober im Internet veröffentlicht hatte.

In dem Artikel, der am 5. Oktober auf dem Blog „Multipolar“ unter der Überschrift „Ich kann nicht mehr“ erschien, kritisierte Skambraks die Corona-Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk - auch im SWR - als einseitig und nicht ausgewogen. „Er erweckt darin außerdem den falschen Eindruck, dass er direkten Einblick in die redaktionelle Themenplanung und -entwicklung habe, obwohl er an solchen Redaktionskonferenzen in der Regel gar nicht teilnimmt“, erklärte der SWR. Über die laut Skambraks nicht aufgegriffenen Themen sei „in Wahrheit sehr wohl im SWR und der ARD berichtet“ worden. Laut SWR war Skambraks seit rund eineinhalb Jahren im Sounddesign bei SWR2 befristet angestellt. In dieser Funktion habe er mit Programmtipps und Programmtrailern zum täglichen Programmangebot von SWR2 beigetragen.

Nach der Veröffentlichung des offenen Briefes habe der SWR das direkte Gespräch mit Skambraks gesucht und eine zweiwöchige Auszeit vereinbart. Vereinbart wurde nach Senderangaben zudem „ein 14-tägiges öffentliches Stillhalten, um die Möglichkeit zur internen Aufklärung und Befriedung zu schaffen“. Trotz dieser Vereinbarung und einer Krankschreibung sei Skambraks wenige Tage nach dem internen Gespräch beim österreichischen Privatsender Servus TV in der Sendung „Talk im Hangar 7“ zum Thema „Krankes Österreich: korrupt - verlogen - unregierbar“ aufgetreten. Darin habe er seine Kritik am SWR wiederholt und „durch aus dem Zusammenhang gerissene und falsche Behauptungen das Vertrauen in die Neutralität des SWR beziehungsweise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erneut untergraben“.

Nachdem der SWR Skambraks daraufhin in der vergangenen Woche zunächst bis auf weiteres bezahlt freigestellt hatte, folgte am 28. Oktober die Kündigung. Skambraks kündigte auf epd-Nachfrage am 3. November juristische Schritte an: „Ich habe mir einen Anwalt genommen und werde gegen die fristlose Kündigung gerichtlich vorgehen.“ Er habe in seinem offenen Brief dargelegt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Corona-Berichterstattung von dem Anspruch „sehr weit entfernt“ sei, ein „vielfaltsicherndes und Orientierungshilfe bietendes Programm“ zu gewährleisten.

Der SWR hatte zur Entkräftung dieses Vorwurfs eine Linkliste mit Artikeln zusammengestellt. „Die Tatsache, dass diese Liste manchen Medien auf Anfrage zugesandt wird, doch bis jetzt nirgends überprüfbar veröffentlicht wurde, unterstreicht nur die Intransparenz und die Verengung der öffentlichen Debatte in der Berichterstattung“, sagte Skambraks. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Ausgabe vom 30. Oktober) sagte er zudem: „Es war nie die Rede davon, dass ich Medienanfragen nicht nachkomme.“ Der SWR sei mit ihm nach dem Gespräch nicht mehr in Kontakt getreten. Dass er nicht zunächst intern stärker die Diskussion gesucht habe, bereue er.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) veröffentlichte am 22. Oktober einen Faktencheck zu Skambraks' offenem Brief. Unter der Überschrift „Offener Brief eines Journalisten enthält einige Falschbehauptungen über Corona“ untersuchte die dpa darin einige Tatsachenbehauptungen und widerlegte diese teilweise. Das Blog „Multipolar“ legte nach eigenen Angaben gegen die Überschrift des Faktenchecks Beschwerde beim Deutschen Presserat ein.

Ein Sprecher des Selbstkontrollorgans bestätigte dies dem epd. „Der Beschwerdeführer erhebt den Vorwurf, die Überschrift des Beitrags verstoße gegen Ziffer 2 des Pressekodex, die Darstellung 'einige Falschbehauptungen' sei durch den Inhalt des Beitrags nicht gedeckt“, sagte Geschäftsführer Roman Portack. Der Presserat werde zunächst prüfen, ob er für die Beschwerde gegen den auf „dpa-factchecking.com“ veröffentlichten Beitrag zuständig ist.

Aus epd medien 44/21 vom 05. November 2021

tz