SWR-Intendantenwahl: Kritik an Verfahrensvorschlag

Arbeitsgruppe wählte nur Schneider und Gniffke aus 15 Bewerbern aus
Stuttgart (epd)

Um die Intendantenwahl beim Südwestrundfunk (SWR) bahnt sich ein Konflikt an: Der Vorsitzende des Landesrundfunkrates Baden-Württemberg, Volker Stich, will das vorgeschlagene Wahlverfahren mit nur zwei Kandidaten nicht akzeptieren. "Das vereinfachte Vorgehen erscheint mir intransparent und gewährleistet keine Chancengleichheit für alle Bewerber", sagte Stich dem epd in Stuttgart und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Ausgabe vom 13. März).

Eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe des Rundfunk- und Verwaltungsrates hatte am 11. März aus insgesamt 15 Bewerbern die SWR-Landessenderdirektorin für Baden-Württemberg, Stefanie Schneider (57), und den Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke (58), als Kandidaten sowie ein Wahlverfahren vorgeschlagen. Die Aufsichtsgremien tagen am 22. März, um darüber zu entscheiden.

Stich, der von den Gewerkschaften in den Landesrundfunkrat entsandt ist, kritisierte, dass 13 der insgesamt 15 Bewerber keine Chance erhalten sollen, sich zu präsentieren. "Nun steht politische Einflussnahme im Raum, das beschädigt den Rundfunkrat", sagte der 68-Jährige dem epd. Der langjährige Vorsitzender des BBW Beamtenbundes Baden-Württemberg spricht sich für ein alternatives Verfahren aus. Dieses habe die Arbeitsgruppe ebenfalls vorgeschlagen - für den Fall, dass die derzeit im Raum stehende Variante keine Mehrheit in Rundfunk- und Verwaltungsrat findet.

Nach dem alternativen Vorschlag könne jedes Gremiumsmitglied bis zu drei Namen aus allen 15 Bewerbern nennen, von denen dann die drei Kandidaten mit der höchsten Stimmzahl zur Wahl gestellt würden. Stich bestätigte dem epd, dass sich unter anderen auch Vize-Landessenderchef Clemens Bratzler, SWR-Verwaltungsdirektor Jan Büttner und NDR-Fernseh-Chefredakteur Andreas Cichowicz für den Posten beworben haben. Daneben hält der Landesrundfunkratsvorsitzende auch die Bewerbung eines weiteren NDR-Kandidaten, dessen Namen er nicht nennen will, für möglicherweise aussichtsreich.

Der amtierende Intendant Peter Boudgoust hatte Anfang Dezember erklärt, sein Amt Mitte 2019 vorzeitig abzugeben (epd 50/18). Der damalige Verwaltungsdirektor war 2007 an die Spitze der Rundfunkanstalt gewählt worden. Seine reguläre Amtszeit wäre erst im April 2022 zu Ende gegangen. Boudgoust hatte seine Entscheidung damit begründet, dass in den kommenden Jahren viele strategisch wichtige Entscheidungen bei dem Sender anstünden. Es sei falsch, "das Staffelholz im vollen Lauf zu übergeben" und die Entscheidungsfreiheit des künftigen Intendanten zu beschränken. Der SWR hatte die frei werdende Stelle des Intendanten öffentlich ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endete am 1. März.

Stefanie Schneider kam nach diversen Stationen bei verschiedenen Privatsendern 1991 zum damaligen Südwestfunk (SWF), 2014 übernahm sie das Amt der SWR-Landessenderdirektorin Baden-Württemberg. Kai Gniffke war seit 2003 zunächst stellvertretender Chefredakteur von ARD-aktuell, seit 2006 ist er Chefredakteur (epd 29/05). Davor war er als Redaktionsleiter von ARD-aktuell in Mainz für die Zulieferung des SWR zu "Tagesschau" und "Tagesthemen" verantwortlich.

Aus epd medien 11/19 vom 15. März 2019

tz