Gniffke: Konkurrenz von ARD und ZDF positiv für das System
Mainz (epd).

SWR-Intendant Kai Gniffke ist offen für eine weitreichende Kooperation der ARD-Sender bei den Dritten Fernsehprogrammen. Auch ein gemeinsames Mantelprogramm mit „höchstmöglichen Regionalanteilen“ könne er sich gut vorstellen, sagte Gniffke in einem am 10. September online veröffentlichten Interview mit den Zeitungen der VRM-Gruppe. Über diese Idee sollte innerhalb der ARD intensiv diskutiert werden.

Gedankenspielen über eine Abschaffung des ZDF oder des Ersten erteilte Gniffke eine Absage: „Ich möchte mir nicht vorstellen, dass wir eines Tages nur noch “Tageschau„ oder “Heute„ haben“, sagte er. „So wie ich mir nicht vorstellen möchte, dass wir in Deutschland nur noch eine starke überregionale Zeitung hätten.“ Die Konkurrenz von ARD und ZDF wirke sich positiv auf das gesamte Angebot aus.

Der frühere SWR-Justiziar Hermann Eicher hatte vor zwei Jahren kritisiert, dass die Dritten Programme der ARD über weite Strecken wie eine „lineare Mediathek“ wirken (epd 28/20): „Wenn man in die Programmzeitschriften schaut, sieht man, dass in den Randzeiten, also etwa am Vormittag bis in den frühen Nachmittag, fast überall das mehr oder minder gleiche Programm läuft. Da kann man in sieben Programmen Folgen von 'Wer weiß denn so was?' oder von 'In aller Freundschaft' sehen.“

Auch Forderungen, die öffentlich-rechtlichen Sender sollten auf teure Unterhaltungssendungen verzichten, wies der SWR-Intendant zurück. Unterhaltung sei Teil des Programmauftrags. Dieser Bereich dürfe nicht allein Privatsendern überlassen werden: „Zwischen 'Verstehen Sie Spaß' und dem 'Dschungelcamp' sehe ich große Unterschiede.“ Gniffke versprach zudem, er werde „mit Zähnen und Klauen“ auch Volksmusiksendungen verteidigen, weil sie von älteren Menschen nachgefragt würden, die nach dem Zweiten Weltkrieg Deutschland wieder aufgebaut hätten. Sein persönlicher Geschmack spiele dabei keine Rolle.

Zur Kritik am Versagen der Kontrolle im öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Zuge des Skandals beim RBB sagte der Intendant, er habe „in der jüngsten Sitzung des SWR-Verwaltungsrats “nochmal minutiös Auskunft über alles gegeben, was beim RBB diskutiert worden ist - bis zur Qualität der Böden in unseren Chefetagen (vgl. weitere Meldungen in dieser Ausgabe sowie epd 36, 35, 33-34, 32). Ich habe alle meine Nebeneinkünfte offengelegt, die ich - Klammer auf - spende. Ich führe seit meiner Wahl vor drei Jahren auch ein sogenanntes Dinnerbook, wen ich zum Essen einlade oder von wem ich eingeladen werde."

Gniffke, der im kommenden Jahr den ARD-Vorsitz übernehmen wird, sagte, alle ARD-Anstalten hätten „gemeinsam die Aufgabe, Lehren aus den Vorkommnissen beim RBB zu ziehen“. Die ARD müsse „für die gesamte Gesellschaft da sein - vom Säugling bis zum Greis. Wir müssen uns der Gnade der Beitragsfinanzierung immer wieder als würdig erweisen.“

Die ARD-Intendanten beschlossen am 14. September, dass der SWR den Vorsitz des Senderverbunds ein Jahr früher übernehmen soll als ursprünglich geplant. Seit dem Rücktritt der ehemaligen RBB-Intendantin Patricia Schlesinger vom ARD-Vorsitz Anfang August hat WDR-Intendant Tom Buhrow das Amt übergangsweise übernommen (epd 32/22). Buhrow wird ab 2023 stellvertretender Vorsitzender.

Zu den Zeitungen der VRM gehören die „Allgemeine Zeitung“ Mainz, der „Wiesbadener Kurier“, das „Darmstädter Echo“ und die „Wetzlarer Neue Zeitung“.

Aus epd medien 37/22 vom 16. September 2022

lmw/dir