Studie: Mediatheken erreichen immer mehr Menschen

Gesamte Mediennutzung nahm während der Corona-Pandemie um fünf Minuten zu
Frankfurt am Main, Mainz (epd).

Die Menschen in Deutschland schauen zunehmend Inhalte aus Mediatheken. Die Plattformen erreichen innerhalb einer Woche mittlerweile 38 Prozent der Bevölkerung, wie aus der am 10. September veröffentlichten Studie „ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2021“ hervorgeht. Dies sei ein Zugewinn von fünf Prozentpunkten im Vergleich zu 2020. Für die Untersuchung wurden 2.001 Personen ab 14 Jahren vom Marktforschungsinstitut GIM befragt.

Besonders die 30- bis 49-Jährigen nutzen laut Studie die Mediatheken häufiger als im vergangenen Jahr. In dieser Altersgruppe sei die Wochenreichweite von 42 Prozent auf 50 Prozent gestiegen, hieß es. Noch größer sei der Zuwachs unter den 50- bis 69-Jährigen gewesen. Mittlerweile schauten 37 Prozent von ihnen Fernsehsendungen und Videos in Mediatheken. Dies bedeute ein Plus von neun Prozentpunkten im Vergleich zu 2020. Der Trend zu einer stärkeren Nutzung der Plattformen hatte sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt. Die Mediathek und Audiothek der ARD verzeichneten während der Corona-Pandemie Rekordnutzungszahlen. Zwischen dem 1. Februar 2020 und dem 31. Januar 2021 zählte der Senderverband rund 1,4 Milliarden Abrufe in der Mediathek (epd 6/21).

Unter den Medienangeboten konnten der Studie zufolge in der Corona-Zeit besonders Audio-Inhalte zulegen. Das Radio habe seine Tagesreichweiten in allen Altersgruppen steigern können. Bei den unter 30-Jährigen liege diese aktuell bei 60 Prozent (2020: 21 Prozent), bei den 50- bis 69-Jährigen bei 82 Prozent (2020: 79 Prozent). Drei Viertel der Hördauer entfielen auf das lineare Radioprogramm (vgl. weitere Meldung in dieser Ausgabe).

Gleichzeitig setzt sich die Tendenz zum zeitsouveränen Hören fort. Die unter 30-Jährigen nutzten insgesamt 59 Prozent ihrer Audio-Zeit für nicht-lineare Angebote, vor allem für Musik über Streaming-Dienste oder Youtube, teilte die Medienforschung von ARD und ZDF mit. Zudem steigerten Podcasts und zeitversetzte Radiosendungen die Zahl ihrer regelmäßigen Nutzerinnen und Nutzer deutlich. Besondere Zuwächse habe es bei den 30- bis 49-Jährigen gegeben. Insgesamt 38 Prozent von ihnen hörten mindestens einmal pro Woche solche Audio-Inhalte. Im Vorjahr 2020 seien es noch 22 Prozent gewesen.

Im Corona-Alltag ist der Studie nach zudem die durchschnittliche Mediennutzungsdauer insgesamt leicht um fünf Minuten auf 429 Minuten gestiegen. Mit mehr als dreieinhalb Stunden entfalle gut die Hälfte dieser Zeit auf Bewegtbild-Angebote (222 Minuten, plus neun Minuten). Radio, Musik, Podcasts und Hörspiele würden pro Tag knapp drei Stunden lang genutzt (177 Minuten, minus zwei Minuten.) Am wenigsten Zeit verbrachten die Befragten mit 52 Minuten pro Tag mit Lesen (2020: 53 Minuten). Bei den 30- bis 49-Jährigen gab es allerdings einen wesentlich größeren Zuwachs bei der täglichen Nutzungsdauer: Sie konsumieren mit 396 Minuten pro Tag fast eine halbe Stunde länger Medien als 2020.

Insgesamt 99 Prozent und damit praktisch alle Menschen ab 14 Jahren nutzen den Medienforschern zufolge täglich Medien. Die Gesamtreichweite von Bewegtbild habe auf 89 Prozent täglich zugelegt (2020: 86 Prozent). Das Fernsehen bleibe dabei trotz zunehmender zeitsouveräner Nutzung in der Gesamtbevölkerung mit 66 Prozent stabil. Den stärksten Zuwachs bei der Tagesreichweite im Bewegtbildsegment habe es bei den Videos und Livestreams bei Streamingdiensten von 17 Prozent im Jahr 2020 auf 22 Prozent im laufenden Jahr gegeben.

Die tägliche Audio-Reichweite stieg ebenfalls und liegt jetzt mit 85 Prozent drei Prozentpunkte über dem Wert von 2020. Treiber für diese Entwicklung ist nach Angaben der Medienforscher in erster Linie das Radio mit einer Tagesreichweite von 76 Prozent (2020: 70 Prozent). Texte erreichen pro Tag 45 Prozent der Menschen. Artikel im Internet kommen der Studie nach insgesamt auf eine Tagesreichweite von 20 Prozent und liegen knapp vor gedruckten Zeitungen und Zeitschriften (19 Prozent) und gedruckten Büchern (14 Prozent).

Die gestiegene Bewegtbildnutzung deckt sich mit Zahlen der AGF Videoforschung. Demnach lag die TV-Nettoreichweite, die den Kontakt einer Person mit Fernsehen oder Streaming erfasst, bei den Zuschauern ab 14 Jahren in den ersten drei Monaten 2021 bei 76,4 Prozent. Damit stieg sie im Vergleich zum ersten Quartal 2020 um 1,2 Prozentpunkte. Zudem hätten insbesondere ältere Zuschauer mehr Zeit vor dem Fernseher verbracht als 2020 (epd 16/21).

Aus epd medien 37/21 vom 17. September 2021

jsb