Studie: Digitalradio in fast jedem vierten Haushalt

Privatradios wollen Förderung für Umstieg auf DABplus
Berlin/Frankfurt a.M. (epd)

Das Digitalradio ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Wie aus dem am 9. September von den Landesmedienanstalten veröffentlichten Digitalisierungsbericht Audio hervorgeht, gibt es jetzt in knapp 23 Prozent der Haushalte ein Radio, mit dem DABplus empfangen werden kann. Das sind mehr als neun Millionen Haushalte, 34 Prozent mehr als im Vorjahr (epd 36/18).

Insgesamt gibt es in Deutschland nach Angaben der Medienanstalten 14,6 Millionen Geräte, die DABplus empfangen können. Die Zahl der Autoradios mit DABplus-Empfang verdoppelte sich innerhalb eines Jahres auf 4,4 Millionen. Die Zahl der Haushalte mit UKW-Empfang sinkt seit einigen Jahren leicht. Aktuell liegt die Zahl der UKW-Geräte bei 127,7 Millionen und die Abdeckung bei 92 Prozent. Vor fünf Jahren waren es noch 142,9 Millionen Geräte und eine Abdeckung von 93,5 Prozent.

Zudem steigt die Zahl der Haushalte, die ihre Radioprogramme über das Internet empfangen: Mehr als zwölf Prozent besitzen ein IP-Radio (WLAN-Radio). Die Zahl der Geräte liegt bei 7,2 Millionen. Vor fünf Jahren waren es noch 1,9 Millionen Geräte und ein Anteil von 5,6 Prozent.

Die meisten Haushalte mit DABplus-Radios gibt es laut Digitalisierungsbericht in Bayern: Hier haben knapp 30 Prozent der Haushalte ein solches Radio, gefolgt von Sachsen mit knapp 26 Prozent und Baden-Württemberg mit 24 Prozent. Am wenigsten verbreitet ist das Digitalradio in Brandenburg, hier haben nur 16 Prozent der Haushalte ein entsprechendes Gerät. Niedersachsen, das im vergangenen Jahr noch mit 14 Prozent das Schlusslicht bildete, hat stark aufgeholt: Hier verfügen inzwischen 22 Prozent der Haushalte über ein Radio mit DABplus-Empfang.

In ganz Deutschland können nach Angaben des Digitalradiobüros Deutschland mit dem digitalen Antennenradio 260 Radioprogramme empfangen werden. 65 davon werden ausschließlich über DABplus verbreitet. Die Zahl der Sender schwankt von Bundesland zu Bundesland. Während in Bayern mehr als 100 regionale und lokale Privatsender digital verbreitet werden, gibt es in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nur jeweils einen. Die Sender des Deutschlandradios und neun Privatsender werden in allen Bundesländern digital verbreitet, ebenso wie die jeweiligen öffentlich-rechtlichen Radiosender der Region.

Der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Siegfried Schneider, schreibt im Digitalisierungsbericht, angesichts der Erfolge des digitalen Radiostandards DABplus sei es "umso überraschender", dass sich der niedersächsische Landtag im Juni gegen die weiter Förderung des Digitalradios ausgesprochen habe (epd 27/19). Er fordert die Medienpolitik auf, die Digitalisierung des Hörfunks insgesamt zu fördern und nicht in die Vielfalt der Verbreitungswege einzugreifen.

Der Bundesrat befasst sich derzeit mit einem Gesetzentwurf, der für Autoradios und andere höherwertige Radiogeräte den Empfang digitaler Signale vorschreibt. Mit der Neufassung des Telekommunikationsgesetzes wird die vom europäischen Parlament Ende 2018 beschlossene Interoperabilitätsverpflichtung für Autoradios, eine Art Digitalradio-Pflicht für Neuwagen, in deutsches Recht umgesetzt. Sie müssen demnach zusätzlich zur analogen Ultrakurzwelle (UKW) auch Digitalradio empfangen können (epd 48/18, 32/19).

Der Verband privater Medien Vaunet forderte faire Bedingungen für einen Umstieg auf DABplus. Der öffentlich-rechtliche Hörfunk erhalte dafür bis 2025 schätzungsweise rund 500 Millionen Euro aus dem Rundfunkbeitrag. Solch ein Zusatzaufwand sei "über Werbung nicht zu finanzieren". Auch der private Hörfunk benötige Mittel für die Förderung der neuen Infrastruktur.

Der Digitalisierungsbericht Audio wurde von den Medienanstalten, Deutschlandradio, Mediabroadcast und Vodafone in Auftrag gegeben. Das Marktforschungsinstitut Kantar führte dafür im Mai und Juni mehr 7.554 Interviews mit Deutsch sprechenden Menschen ab 14 Jahren. Der Digitalisierungsbericht Audio wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal veröffentlicht (epd 36/18). Der Digitalisierungsbericht Video wird am 24. Oktober bei den Medientagen München vorgestellt.

Aus epd medien 37/19 vom 13. September 2019

dir/nf