RBB will eine Million Euro beim Kulturradio sparen

Intendantin Schlesinger: Programm muss "zeitgemäßer" werden
Berlin (epd)

Auch beim RBB soll das Kulturradio umgebaut werden. Nach Angaben einer Initiative von Freien Mitarbeitern der Welle RBBKultur soll im Gesamtetat der Kulturwelle von bisher zehn Millionen Euro eine Million Euro eingespart werden. In einem Brief an die Freien schrieb Intendantin Patricia Schlesinger am 29. August, sie sei überzeugt, "auch mit neun Millionen Euro im Jahr für RBBKultur im Radio wird es möglich sein, das Kulturleben in der Region adäquat abzubilden".

Die Freien hatten zuvor in einem Brief an die Intendantin die Befürchtung geäußert, dass die Einsparungen auf Kosten einer "gut recherchierten und spannenden Berichterstattung über kulturelle und gesellschaftliche Debatten" gehen würden. Die Sprecherin der Freieninitiative, Franziska Walser, sagte dem epd, die geplanten Einsparungen würden in erster Linie zulasten der freien Mitarbeiter gehen. Nach Berechnungen der Freien entsprechen die Kürzungen einem Fünftel des Programmetats und damit "rund 4.000 Beiträgen pro Jahr über gesellschaftliche Debatten, über Kultur, Bildung und Stadtentwicklung". Der Etat von RBBKultur setzte sich zur Hälfte aus Personalkosten und zur Hälfte aus Programmetat zusammen. Die Einsparungen sollen ab 2021 greifen.

Schlesinger schreibt in dem Brief, im Vergleich mit anderen Kulturwellen der ARD wie NDR Kultur, HR2 oder Bremen Zwei sei RBBKultur "in Bezug auf das Sendegebiet am teuersten". Sie widersprach den Freien, dass die Kürzungen den Programmauftrag gefährden könnten. Dem "Tagesspiegel" sagte sie, sie wolle in dem Reformprozess "auch auf künftig aus Altersgründen freiwerdende Stellen schauen". Das Programm müsse "zeitgemäßer" werden. Im Mittelpunkt stehe "eine inhaltliche Neuausrichtung des Programms in dem finanziellen Rahmen, den die Geschäftsleitung vorgegeben hat". Sie wolle ein "attraktiveres Angebot".

"Ein öffentlich-rechtliches Kulturprogramm im Radio ohne starkes künstlerisches Wort ist für uns beim RBB allerdings undenkbar", sagte Schlesinger dem "Tagesspiegel". Die dort entstehenden Hörspiele, Features und Podcasts gehörten auch digital zu den erfolgreichsten Angeboten von RBBKultur. Zugleich brauche "auch das journalistische Wort zwingend seinen Platz. Wir werden hier kein Programm auflösen, sondern es verbessern." Es gehe "um neue Gedanken, Abläufe und Strukturen, die unsere journalistischen und kreativen Stärken besser zur Geltung bringen und nach Möglichkeit ein größeres Publikum für die kulturelle Vielfalt unserer Region begeistern". Mittelfristiges Ziel sei eine "medienübergreifende Quermarke RBBKultur, die über alle Verbreitungswege auch generationsübergreifend erfolgreich ist".

Die Freien wandten sich auch in einem offenen Brief an den Rundfunkrat des RBB, der am 4. September tagte. In der Sitzung sicherte Schlesinger nach Angaben des RBB zu, dass der Sender "mittelfristig nicht weniger Kultur im Programm haben" wolle, "sondern - über alle Ausspielwege - mehr, und in noch besserer Qualität". Bei den Reformvorhaben habe der Sender die Interessen der freien Mitarbeiter im Blick. Der Rundfunkrat werde "über die weiteren Etappen des Prozesses verlässlich auf dem Laufenden" gehalten. Der RBB wolle sich "weiter in die digitale Welt bewegen, ohne dass wir unsere linearen Kulturangebote schwächen". Nach Angaben des RBB-Sprechers sollte der Reformprozess am 5. September mit einem sogenannten Open Space beginnen.

Die Intendantin wies in der Rundfunkratssitzung auch Befürchtungen zurück, die Reform bei RBBKultur könne in eine ähnliche Richtung gehen wie beim HR. Die Geschäftsleitung des HR hatte den Mitarbeitern im Juli überraschend mitgeteilt, dass HR2-Kultur in eine "Klassikwelle" für Hessen umgewandelt werden soll. Nach ersten Auskünften will der Sender Wortinhalte zu Kulturthemen künftig vor allem über die Informationswelle HR-Info, im Internet auf "Hessenschau.de" sowie in der "ARD Audiothek" ausspielen (epd 29, 33/19).

Aus epd medien 36/19 vom 6. September 2019

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