Radionutzung in Deutschland Ende 2019 leicht gesunken

Media-Analyse: 75,4 Prozent der Menschen ab 14 Jahren hören täglich
Frankfurt a.M. (epd)

Die Radionutzung in Deutschland ist leicht gesunken. Zum Stichprobentermin Ende 2019 nutzten 53,26 Millionen deutschsprachige Menschen ab 14 Jahren pro Tag mindestens ein klassisches Radio unabhängig vom Empfangsweg, wie aus den Zahlen der Media-Analyse 2020 Audio I hervorgeht. Das entspricht 75,4 Prozent der Grundgesamtheit. Im Vergleich zur Media-Analyse 2019 Audio II gingen 744.000 Hörer verloren (epd 30-31/19). Die neuen Zahlen wurden am 1. April in Frankfurt veröffentlicht.

Auch bei der sogenannten konvergenten Reichweitenmessung, die Webradios und Streamingdienste einbezieht, ergab sich ein Rückgang von 54,46 Millionen auf 53,73 Millionen Hörer, wie die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (Agma) mitteilte. Die durchschnittliche tägliche Verweildauer lag sowohl in der klassischen als auch in der konvergenten Darstellung bei 256 Minuten - eine Minute weniger als bei der vorangegangenen Erhebung.

Laut Agma endete die Feldzeit der aktuellen Ausweisung bereits Anfang Dezember. Die Zahlen bildeten daher wie bisher die Radionutzung "unter normalen Lebensumständen" ab. Seit Beginn der Corona-Krise belegten zahlreiche Meldungen aus den Reihen der Agma-Mitglieder und unabhängige Marktumfragen, dass beim Medium Radio/Audio derzeit ein "außerordentlicher Boom" verzeichnet werde (vgl. weitere Meldung in dieser Ausgabe).

Die ARD-Radiosender kamen bei der Media-Analyse zusammen auf eine Tagesreichweite (Montag bis Freitag) von 36,27 Millionen Menschen (minus 1,2 Prozent), die privaten Hörfunkstationen erreichten 29,45 Millionen Hörer (minus 3,0 Prozent). Das Deutschlandradio verzeichnete insgesamt 2,71 Millionen Hörer, die sich auf die drei Programme Deutschlandfunk (2,11 Mio.), Deutschlandfunk Kultur (490.000) und Deutschlandfunk Nova (115.000) verteilten. Während der Deutschlandfunk 3,2 Prozent seiner Hörer verlor, betrug der Rückgang beim Kultursender 10,7 Prozent. Nova legte dagegen um 33,7 Prozent zu.

Die ARD erklärte zu den Zahlen, der Hörfunk bleibe trotz leichter Verluste das größte Massenmedium. Insbesondere die ARD-Kultur- und Informationswellen stünden nach wie vor gut da, täglich schalteten dort im Schnitt rund sieben Millionen Menschen ein. In der Top-10-Liste der meistgenutzten Programme am Tag sei die ARD mit acht Radiowellen vertreten.

Beliebte ARD-Radiosender sind unter anderem SWR3 mit 3,62 Millionen und WDR2 mit 3,46 Millionen Hörern. Während SWR3 damit im Vergleich zu der im Sommer 2019 veröffentlichten Erhebung stabil blieb, verzeichnete WDR2 einen Rückgang um 4,7 Prozent.

Beim HR blieb die derzeit im Umbau befindliche Welle HR2-Kultur mit 104.000 Hörern konstant, der Anteil der Hörer zwischen 14 und 49 Jahren stieg sogar deutlich von 9.000 auf 34.000. HR3 baute dagegen um zehn Prozent auf 1,06 Mio. Hörer ab. Der HR gab in seiner Pressemitteilung vom 1. April nur die Zahlen für Hessen bekannt. Demnach sank Tagesreichweite von HR2-Kultur im Sendegebiet um 13.000 auf 74.000 Hörer.

Insgesamt meistgehörter Sender ist weiterhin Radio NRW. Allerdings baute das Rahmenprogramm des NRW-Lokalfunks im Vergleich zur Vorerhebung um 7,2 Prozent ab und kam bei der Tagesreichweite noch auf 4,43 Millionen Hörer.

Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse mit Sitz in Frankfurt am Main ist ein Forschungsverbund von mehr als 230 Unternehmen der Medien- und Werbewirtschaft.

Aus epd medien 17/20 vom 24. April 2020

rid