ProSiebenSat.1: Gewinn geht abermals deutlich zurück

Investitionen in Entertainment-Geschäft und E-Commerce
Unterföhring (epd)

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat seinen Umsatz in den vergangenen neun Monaten gesteigert und trotzdem deutlich weniger Gewinn eingefahren. Der Umsatz sei um vier Prozent auf 2,79 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Vorstandsvorsitzende Max Conze am 7. November in Unterföhring bei München mit. Im Vorjahr lag er bei 2,69 Milliarden Euro (epd 45/18). Der bereinigte Vorsteuergewinn (Ebitda) ging im Jahresverlauf indes um 16 Prozent auf 534 Millionen Euro zurück (Vergleichswert des Vorjahres: 634 Millionen Euro). Unterm Strich stand ein Rückgang um zwölf Prozent auf 248 Millionen Euro. Der italienische TV-Konzern Mediaset, der im Besitz der Familie Berlusconi ist, hat unterdessen seine Beteiligung an ProSiebenSat.1 aufgestockt.

Das Ergebnis sei auf niedrige TV-Werbeerlöse sowie die Entscheidung des Konzerns zurückzuführen, weiter in die Zukunft des Entertainment-Geschäfts und in ein beschleunigtes Wachstum im Bereich E-Commerce (Tochterunternehmen Nucom Group) zu investieren, hieß es zur Begründung.

Mehr als die Hälfte des Umsatzes (56 Prozent) komme aus dem Nicht-TV-Werbegeschäft, erklärte Conze. Zum Umsatzwachstum hätten insbesondere ein Plus von 37 Prozent im digitalen und smarten Werbemarkt sowie zweistellige Raten bei der Produktions-Holding Red Arrow Studios (21 Prozent) und bei der Nucom Group (13 Prozent) beigetragen.

Die im vergangenen Juni gestartete Streaming-Plattform Joyn ist den Unternehmensangaben zufolge "weiter auf Erfolgskurs" - mit rund fünf Millionen monatlichen Nutzern und 4,9 Millionen installierten Apps. Joyn bietet Livestreams von mehr als 50 TV-Sendern sowie ein On-Demand-Angebot an eigenproduzierten Serien und Shows an (epd 26/19). Zusammen mit der Werbung in Smart-TVs habe dieser Geschäftsbereich einen Teil der Ausfälle der TV-Werbeerlöse kompensiert, hieß es.

Im TV-Zuschauermarkt lagen die Sender der ProSiebenSat.1 Group mit einem Marktanteil von 28,3 Prozent der 14- bis 49-Jährigen in den ersten neun Monaten über dem Vorjahreswert (27,5 Prozent). Insbesondere die Formate "The Voice of Germany", "Late Night Berlin" und "Das große Backen" seien auf allen Plattformen bei den Zuschauern beliebt.

Zum Ausblick ließ der Konzern verlauten, man halte an den Gesamtjahreszielen fest. Demnach wird ein Anstieg des Umsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. ProSiebenSat.1 ist an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet.

Die Beteiligung von Mediaset liegt nun bei 15,1 Prozent des Aktienkapitals des deutschen Medienunternehmens, wie der Berlusconi-Konzern am 11. November in Mailand mitteilte. Mediaset war erst Ende Mai mit 9,6 Prozent bei ProSiebenSat.1 eingestiegen (epd 23/19).

Der Übernahme weiterer Anteile sei ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg bei der Entwicklung eines europäischen Digital- und Fernsehkonzerns, erklärte Mediaset. Sie setze die Unternehmensstrategie fort, ein pan-europäisches Portfolio mit Zugang zu wichtigen Märkten zu schaffen. Gehalten wird die neue Beteiligung über das spanische Tochterunternehmen Mediaset España.

Mediaset ist sowohl in Italien als auch in Spanien an der Börse notiert und betreibt in beiden Ländern reichweitenstarke kommerzielle Fernsehsender. Firmengründer Silvio Berlusconi ist mittlerweile aus dem operativen Geschäft ausgeschieden. Vorstandschef ist Pier Silvio Berlusconi, Sohn des früheren Premierministers und heutigen Europaabgeordneten. 2018 hatte Mediaset einen konsolidierten Umsatz von rund 3,4 Milliarden Euro erzielt, der Nettogewinn lag bei 471 Millionen Euro.

Audio-Streamingdienst geplant

Neben Joyn, das ProSiebenSat.1 gemeinsam mit Discovery betreibt, plant der Konzern nun auch einen Streamingdienst für Audio-Formate wie Podcasts. Die Plattform mit dem Titel "FYEO - For Your Ears Only" solle im kommenden Frühjahr an den Start gehen, sagte eine Unternehmenssprecherin dem epd am 11. November und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Neben kostenlosen Inhalten soll es bei FYEO demnach auch ein Premium-Angebot für zahlende Hörer geben - damit setzt ProSieben bei FYEO auf ein ähnliches Konzept wie bei Joyn, wo ebenfalls exklusive Bezahlinhalte geplant sind (epd 26/19).

Zu den Eigenproduktionen, die ProSiebenSat.1 für die Plattform entwickeln will, zählen der Sprecherin zufolge unter anderen Talksendungen, Dokumentationen und "Audio-Blockbuster-Formate". Podcasts und andere Audio-Angebote auf Abruf erfreuen sich wachsender Beliebtheit: Rund 14 Prozent der Deutschen hören solche Formate laut der aktuellen Onlinestudie von ARD und ZDF mindestens einmal pro Woche. In der jungen Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen sind es 25 Prozent.

Die Mediengruppe RTL Deutschland bietet seit März 2019 die kostenfreie App Audio Now mit Podcasts, Hör-Serien und ausgewählten Inhalten deutscher Radiosender an (epd 15/19). Anders als ProSiebenSat.1 gehört RTL auch in der Hörfunkbranche zu den führenden Unternehmen: Die Kölner Mediengruppe ist mit RTL Radio Deutschland an bundesweit 17 Radiostationen beteiligt und zählt damit zu den größten privaten Hörfunkveranstaltern. Die Landesrundfunkanstalten der ARD und das Deutschlandradio betreiben seit November 2017 die ARD Audiothek (epd 45/17).

Aus epd medien 46/19 vom 15. November 2019

rks/dsp