NDR will 300 Millionen Euro einsparen

Bei NDR-Info sollen "Zeitzeichen" und "Echo des Tages" wegfallen
Hamburg (epd)

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat ein Sparpaket im Umfang von 300 Millionen Euro bis 2024 beschlossen. Über die Umsetzung habe NDR-Intendant Joachim Knuth am 8. Mai den Verwaltungsrat informiert, teilte der Sender in Hamburg mit. Die Sparmaßnahmen beträfen vor allem Personal, Produktion, Verwaltung und Programm.

Darüber hinaus will der NDR bis 2028 zehn Prozent bei Personalkosten kürzen. Dafür sollen über alle Bereiche hinweg mindestens 200 Planstellen nicht nachbesetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen wurden bis 2024 tarifvertraglich ausgeschlossen. In der Produktion sollen flächendeckend Standards gesenkt und auf Investitionen in Technik verzichtet werden.

Im Fernsehen soll es den Plänen zufolge vor allem Einschnitte bei der Unterhaltung geben. Dies betreffe auch die Zulieferungen für die ARD: weniger "Tatorte", Unterhaltungsshows und Fernsehspiele. In der Primetime des NDR-Fernsehens will der Sender weiter auf die erfolgreichen Regionalsendungen "DAS!", "Markt" und "Visite" setzen. Die "Inselreportagen" sowie die Trödel-show "Lieb und teuer" soll es nicht mehr geben. Auch das Literaturmagazin "Bücherjournal" soll eingestellt werden (vgl. weitere Meldung in dieser Ausgabe).

"Zapp" und das "Kulturjournal" sollen ihre Inhalte nach Angaben des NDR zunehmend in Online-Angebote verlagern und digital verbreiten. Das Engagement des NDR für ARD-aktuell in Hamburg, also für "Tagesschau" und "Tagesthemen", soll hingegen "höchste Priorität" behalten. Die crossmediale Zusammenführung von Programmbereichen wird ausgebaut.

Im Hörfunk will der NDR die Information stärken und gleichzeitig die Kosten senken. NDR-Info soll sein Informationsangebot ab 2021 am Abend und am Wochenende ausweiten, mit Nachrichten im Halbstundentakt. Die Sendungen "Echo des Tages" und "Zeitzeichen" entfallen. Andere Programmangebote wie Hörspiele werden zukünftig bei NDR Kultur gesendet. Ob das Hörfunkfeature seinen Sendeplatz am Sonntag bei NDR-Info behält, konnte der NDR nicht beantworten. Das Sendeschema für die Informationswelle werde in den kommenden Wochen und Monaten erarbeitet, sagte eine Sendersprecherin.

Auch bei NDR 2 und N-Joy soll es Veränderungen durch die Streichung von Formaten und Festivals wie "stars@ndr2" geben. Bei den Musikensembles werden Personalkosten reduziert und Strukturen verändert. Veranstaltungen wie das NDR Klassik Open Air sollen wegfallen. Das Engagement des Senders bei Off-Air-Veranstaltungen wird deutlich verringert. Künftig wird der NDR in jedem seiner vier Staatsvertragsländer pro Jahr nur noch eine Großveranstaltung als Gastgeber ausrichten. Gestrichen werden die Sommertouren der Landesfunkhäuser in Hamburg, Hannover, Schwerin und Kiel.

Die Vorsitzende des NDR-Verwaltungsrats, Regina Möller, nannte die Sparmaßnahmen "notwendig". Der Verwaltungsrat unterstütze den Intendanten bei den schwierigen Einschnitten. Der NDR müsse sich auch unter erschwerten finanziellen Bedingungen "langfristigen Gestaltungsspielraum" bewahren, damit er seinen öffentlich-rechtlichen Versorgungsauftrag für die Menschen im Norden auch weiterhin erfüllen kann. "Es geht darum, mit größtmöglicher Sparsamkeit die Leistungsfähigkeit des NDR zu erhalten, damit er den Beitragszahlenden auch in Zukunft attraktive Angebote machen kann", sagte Möller.

Einnahmeausfälle wegen Beitragsbefreiungen

Der NDR erwartet wegen der Beitragsbefreiung für Zweitwohnungen größere Einnahmeausfälle beim Rundfunkbeitrag. Auch der durch Asbestfunde in einem NDR-Gebäude notwendig gewordene Neubau belastet das Budget. Die Sonderausgaben zwängen zu drastischen Kürzungen, teilte der Sender mit.

NDR-Intendant Joachim Knuth bekräftigte, dass das Programm "unverändert an erster Stelle" stehe. Angesichts der Finanzlage müsse man aber Prioritäten setzen. "Wir werden unseren starken Journalismus, die Information, die regionale Kompetenz bewahren, müssen aber dafür an anderer Stelle auf Gewohntes verzichten", sagte er.

Der NDR verfügte 2018 über einen Etat von rund 1,2 Milliarden Euro, er ist damit nach WDR und SWR der drittgrößte Sender im ARD-Verbund. Zum Sendegebiet gehören die Länder Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Aus epd medien 20/20 vom 15. Mai 2020

lnh/dir