HR will sich crossmedial aufstellen und strukturiert um

Neue Programmdirektion ab August - Weitere Details zur Reform bei HR2-Kultur
Frankfurt a.M. (epd)

Der Hessische Rundfunk (HR) strukturiert sich um und richtet zugleich seine Programme medienübergreifend aus. Die bestehenden Direktionen für Fernsehen und Hörfunk werden aufgelöst und durch eine Programmdirektion ersetzt, zu der künftig auch Multimedia gehört, wie die Rundfunkanstalt am 28. Februar in Frankfurt am Main mitteilte. Daneben bleibe die Betriebsdirektion in ihrer jetzigen Aufstellung weitgehend unverändert bestehen. Das Justiziariat werde wegen seiner besonderen Stellung direkt beim Intendanten angesiedelt.

Die neue Struktur soll ab dem 1. August greifen, wenn HR-Hörfunkdirektor Heinz Sommer nach 25-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand geht. Die derzeitige Fernsehdirektorin Gabriele Holzner wird dann die Programmdirektion medienübergreifend verantworten. Nach epd-Informationen soll nach neun bis zwölf Monaten evaluiert werden, welche Kompetenzen künftig in der Geschäftsleitung vertreten sein werden.

Entsprechende Pläne seien den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Personalrat sowie dem Rundfunk- und dem Verwaltungsrat bereits vorgestellt worden. "Wir möchten uns noch besser crossmedial ausrichten, um der sich rasant verändernden Mediennutzung Rechnung zu tragen", erklärte Intendant Manfred Krupp. Die Rundfunkanstalt verabschiede sich dazu von ihrer Säulenstruktur. "Zukünftig wird in den Programmbereichen integriert für alle Ausspielwege gearbeitet", sagte Krupp. Dieser Weg sei mit der crossmedialen Sportredaktion und dem Programmbereich Hesseninformation bereits erfolgreich beschritten worden.

Krupp sprach von einer "teamorientierten Arbeitsweise und einer stärkeren Vernetzung über Abteilungsgrenzen hinweg". Der Leitgedanke laute: "Weniger Hierarchie, mehr Eigenverantwortung." In den nächsten Wochen sollen die Mitarbeiter durch Informationsveranstaltungen und Workshops aktiv in den Wandel eingebunden werden.

Über einen kleinen Ausschnitt seiner Umstrukturierungspläne hatte der HR bereits im vergangenen Juli intern informiert. Damals teilte die Geschäftsleitung überraschend mit, dass HR2-Kultur in eine "Klassikwelle" für Hessen umgewandelt werden soll. Wortinhalte zu Kulturthemen sollten der Ankündigung zufolge künftig vor allem über die Informationswelle HR-Info, im Internet auf "Hessenschau.de" sowie in der ARD-Audiothek verbreitet werden, um jüngere kulturinteressierte Zielgruppen besser zu erreichen.

"Der Tag" bleibt bei HR2-Kultur

Die Pläne hatten scharfen öffentlichen Protest ausgelöst. Der HR versicherte daraufhin im Oktober, unter dem Strich solle die gesamte Kulturberichterstattung gestärkt werden. Zudem bezeichnete der leitende Redakteur Alf Mentzer bei einer Diskussionsveranstaltung in Frankfurt den Begriff "Klassikwelle" als "irreführend" (epd 41/19).

Wie der epd aus Unternehmenskreisen erfuhr, steht inzwischen unter anderem fest, dass das Gesprächsformat "Der Tag" bei HR2-Kultur erhalten bleiben soll. Klassik soll künftig die Musikfarbe des Tagesprogramms sein, während am Abend weiterhin auf Vielfalt gesetzt wird. Außerdem will sich der Sender von den starren Strukturvorgaben der Stundenuhr verabschieden und auf diese Weise neue kreative Freiräume schaffen. Die Änderungen wurden in den vergangenen Monaten unter anderem in Workshops gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erarbeitet und auch mit den Gremien diskutiert. Im Frühsommer soll das Konzept vorgestellt werden.

Aus epd medien 11/20 vom 13. März 2020

tz