Hessischer Rundfunk baut HR2-Kultur um

Rundfunkanstalt setzt auf digitale Produkte und jüngere Zielgruppen
Frankfurt a.M. (epd)

Der Hessische Rundfunk (HR) plant eine deutliche Reduzierung der Wortinhalte beim Radioprogramm HR2-Kultur. Eine interne Expertengruppe habe entsprechende Vorschläge erarbeitet und entwickle im Auftrag der Geschäftsleitung derzeit konkrete Umsetzungspläne, sagte der Leiter der HR-Kommunikation, Christoph Hammerschmidt, am 15. Juli dem epd in Frankfurt am Main. Wortinhalte zu Kulturthemen will die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt künftig vor allem über die Informationswelle HR-Info, im Internet auf "hessenschau.de" sowie in der "ARD Audiothek" ausspielen. "HR2-Kultur wird zum Klassikprogramm für Hessen", sagte Hammerschmidt.

Gänzlich werde die Welle allerdings nicht auf Wortinhalte verzichten. "Der Umbau ist kein Sparprogramm", betonte der Sendersprecher. Mit der Neuausrichtung, die zum April 2020 abgeschlossen sein soll, werde den sendereigenen Klangkörpern, dem HR-Sinfonieorchester und der HR-Bigband, eine stärkere Rolle zukommen. Die Strategie "digital first" bedeute, dass regionale Kulturberichterstattung verstärkt über das Onlineangebot "hessenschau.de" erfolge und "Kulturinhalte mit besonderem Fokus für die ARD-Audiothek und ARD-Mediathek entwickelt werden". HR2-Kultur erreicht nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (Agma) täglich rund 100.000 Hörerinnen und Hörer.

Ein HR-Mitarbeiter kritisierte im Gespräch mit dem epd, der geplante Umbau von HR2-Kultur komme der "kompletten Abschaffung des Kulturprogramms" gleich. Er dementierte, dass die Idee zur Reduzierung der Wortinhalte von einer internen Expertengruppe entwickelt wurde. Die Gruppe habe sich lediglich "allgemein damit befasst, wie die Kulturberichterstattung beim HR gestärkt werden kann". Es sei zu befürchten, dass es die Programminhalte Hörspiel und Feature künftig beim HR gar nicht mehr geben werde und die Rundfunkanstalt sich damit als "Kulturproduzent" zurückzieht.

Hammerschmidt kündigte unterdessen an, dass auch die übrigen Hörfunkwellen des HR in den kommenden Monaten neu aufgestellt würden. Mit HR-Info beispielweise werde es eine weitere Profilierung des Themas Kultur geben. HR3 werde als reichweitenstärkster Radiosender und Flaggschiff ausgebaut.

Die Veränderungen sind Teil eines umfangreichen Umbaus der gesamten Rundfunkanstalt. Intendant Manfred Krupp hatte Ende 2018 bereits angekündigt, dass die Kulturberichterstattung 2019 multimedial organisiert wird. Die Sportredaktion und der Programmbereich Hesseninformation waren zuvor trimedial umgebaut worden und hatten für Fernsehen, Radio und Internet einheitliche Leitungen erhalten. Ob dies am Ende auch für die Kultur so umgesetzt wird, ist laut Hammerschmidt noch offen.

Ziel des gesamten Umbaus sei es, "alle Menschen in Hessen zu erreichen": Durch die Betonung seiner digitalen Angebote nehme der HR künftig stärker die Bedürfnisse der unter 35-Jährigen in den Blick. Entsprechend entwickle der HR auch für das Fernsehen neue Formate konsequent mit Blick auf jüngere Zielgruppen. "Die Ausrichtung der neuen Formate auf die ARD-Mediathek markiert die neue Strategie weg von dem klassischen Fernsehen hin zum ganzheitlich geplanten Bewegtbild, bei der Videoformate künftig im linearen Fernsehprogramm zweitverwertet werden können", teilte Hammerschmidt auf Nachfrage mit. Durch Kooperationen mit anderen Häusern könnten Synergien für die Generierung einzelnen Sendestrecken geschaffen werden. Dies betreffe Randzeiten wie den Vormittag, die wenig profilstiftend für das HR-Fernsehen seien.

Nach Angaben der Pressestelle prüft der HR derzeit auch, die SD-Verbreitung des HR-Fernsehens früher abzuschalten als geplant, möglicherweise bereits im zweiten Halbjahr 2020. "Wir werden diese Option nur dann angehen, wenn uns die KEF den Bedarf für SD nach 2020 nicht anerkennt", hieß es.

Im Etat der Rundfunkanstalt fehlen laut Haushaltsplan 2019 insgesamt 93 Millionen Euro, das vergangene Geschäftsjahr hatte der HR mit einem einen Fehlbetrag von 76,5 Millionen Euro abgeschlossen (epd 51/18).

Aus epd medien 29/19 vom 19. Juli 2019