Bundesliga-Zusammenfassungen künftig auch in Mediatheken

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Deutsche Fußball Liga schreibt Medienrechte für Periode ab 2021 aus
Frankfurt a.M. (epd)

Fernsehsender dürfen Zusammenfassungen von Bundesliga-Spielen künftig auch in ihren Mediatheken bereithalten. In der neuen TV-Rechteperiode ab Sommer 2021 können Highlight-Sendungen wie die "Sportschau" und das "Aktuelle Sportstudio" erstmals im Nachgang zum Abruf im Internet verfügbar gemacht werden, wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) am 3. März in Frankfurt am Main mitteilte. Zwar kämen derzeit rund 80 Prozent der Erlöse aus den Live-Rechten für das Pay-TV. "Wir wollen aber auch die Mediathek-Angebote der Free-Erwerber aufwerten", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bei der Vorstellung der neuen Rechte-Ausschreibung.

Der Dachverband der 36 Vereine aus der ersten und zweiten Bundesliga will im Mai die Medienrechte für die Vierjahres-Periode ab der Saison 2021/22 vergeben. Bisher beinhalten die Highlight-Rechte, die unter anderem ARD und ZDF halten, nur die Ausstrahlung im linearen Fernsehprogramm. Mit der Änderung will die DFL laut Seifert auf jüngere Zielgruppen zugehen, die auch Sendungen wie die "Sportschau" zunehmend mobil nutzen. Zudem sollen im frei empfangbaren Fernsehen künftig neun Spiele live gezeigt werden, drei mehr als bisher. Darunter sind die Saisoneröffnungsspiele beider Ligen.

Insgesamt schreibt die DFL sieben Pakete für Live-Rechte und sieben Pakete für Highlight-Zusammenfassungen aus, die sich unter anderem nach Spieltagen und Anstoßzeiten unterscheiden. Darauf können Fernsehsender und Streamingdienste bieten. Zentral sind vier Live-Pakete mit Spielen der ersten Bundesliga im Pay-TV. Hier greift erneut das Alleinerwerbsverbot, das das Bundeskartellamt bereits für die laufende Rechteperiode ausgesprochen hatte. Die Wettbewerbsbehörde, die wegen der zentralen Vermarktung der Rechte involviert ist, will mit der Verteilung auf mindestens zwei Käufer den Innovationswettbewerb bei Live-Übertragungen ankurbeln.

Der neue Spielplan orientiere sich unter Verzicht auf Montagsspiele an den "bewährten Anstoßzeiten", teilte die DFL mit. Die Bundesliga hatte im vergangenen Jahr entschieden, die vor allem bei den Fans umstrittenen Montagstermine in den obersten beiden Ligen abzuschaffen. Nun gibt es zusätzliche Spieltermine am Sonntag um 19.30 Uhr.

Audio-Pakete für UKW und Internet

Kostenpflichtige Highlight-Clips, die derzeit vom Streamingdienst DAZN angeboten werden, können künftig bereits direkt nach dem Abpfiff eines Spiels gesendet werden. Ein Paket für frei empfangbare Highlight-Clips, die ab Montag nach 0 Uhr gezeigt werden können, soll an bis zu drei Anbieter vergeben werden. Laut DFL-Geschäftsführer Seifert müssen hier nicht zwingend klassische Spielberichte gezeigt werden. Die DFL erhoffe sich vielmehr "neue redaktionelle Ansätze", beispielsweise Taktikanalysen.

Bei den Audio-Verwertungsrechten ist ein Paket für die Ausstrahlung über UKW und eines für Web/Mobile ausgeschrieben. Zusätzlich wird erstmals ein Paket "Digitale Außenwerbung" angeboten. Damit können Betreiber digitaler Außenwerbeflächen etwa in Bahnhöfen Clips von Bundesliga-Spielen zeigen, sobald die Erstverwertung im frei empfangbaren Fernsehen vorbei ist.

Die Ausschreibung erfolge in einem "offenen, transparenten und diskriminierungsfreien Verfahren", betonte die DFL. Derzeit befinde sich das Bundeskartellamt noch in der finalen Überprüfung der Details der Vergabemodalitäten. Anschließend werde die DFL allen zugelassenen Unternehmen die Ausschreibungsunterlagen übersenden, was voraussichtlich ab Mitte März der Fall sei. Erstmals umfasst die Ausschreibung nicht nur die Verwertung in Deutschland, sondern zusätzlich auch die Rechte für Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und Südtirol.

Zurzeit erhält die DFL durchschnittlich 1,16 Milliarden Euro pro Jahr aus Inlands-Medienrechten, das sind 85 Prozent mehr als in der Periode von 2013 bis 2017. Konkrete Umsatzerwartungen für die neue Ausschreibung wollte Seifert nicht nennen, er bezeichnete aber Steigerungen in der zuletzt erreichten Größenordnung als sehr unwahrscheinlich. Die Bundesliga-Vereine beziehen nach seinen Angaben zwischen 25 und 33 Prozent ihrer Gesamterlöse aus dem Verkauf von Medienrechten.

ARD zahlt derzeit 119 Millionen Euro

Der Bezahlsender Sky zahlt aktuell 876 Millionen Euro für Live-Rechte (epd 25/16). Sky ist nach Ansicht von Experten bei der nun gestarteten Ausschreibung besonders unter Druck, weil das Unternehmen kürzlich bei der Vergabe der Champions-League-Rechte leer ausging (epd 50/19). Als Konkurrent gilt neben der Deutschen Telekom auch DAZN - der Streamingdienst überträgt derzeit die Freitagsspiele im Pay-TV (epd 30-31/19). Seifert erklärte bei dem Pressetermin in Frankfurt, er schließe aus, dass die jetzt ausgeschriebenen Pakete komplett bei Streaminganbietern landen.

Die ARD zahlt derzeit 119 Millionen Euro für Free-TV Zusammenfassungen der Samstags- und Sonntagsspiele. Das ZDF hat neben der gewohnten Zweitverwertung der Spiele am Samstag die Live-Rechte für Supercup sowie das Hinrunden- und Rückrunden-Eröffnungsspiel im frei empfangbaren Fernsehen. Der Privatsender Sport1 besitzt das Recht, die Bundesligaspiele vom Freitag und Samstag in den Sendungen "Bundesliga Pur" und "Doppelpass" am Sonntag zu zeigen.

Aus epd medien 10/20 vom 6. März 2020

rid