Bellut weist Schleichwerbevorwürfe gegen ZDF-Krimireihe zurück

Fernsehrats-Mitglied Dobusch schlägt Analyse von Kooperationen vor
Mainz (epd)

ZDF-Intendant Thomas Bellut hat den Vorwurf der Schleichwerbung gegen die ZDF-Krimireihe "In Wahrheit" zurückgewiesen. Die Folge "Still ruht der See" verstoße weder gegen den Rundfunkstaatsvertrag noch gegen einschlägige ZDF-Richtlinien, erklärte Bellut in seiner dem epd vorliegenden Antwort auf eine Programmbeschwerde. Der Journalist Boris Rosenkranz vom Fachportal "Übermedien" hatte in der Beschwerde die nach seiner Meinung auffällige Darstellung von BMW-Fahrzeugen kritisiert. BMW hatte Autos als sogenannte Produktionshilfe zur Verfügung gestellt.

Das ZDF achte bei Filmen "sehr genau darauf, dass Fahrzeugdarstellungen ausschließlich dramaturgisch begründet sind und in Umfang und Form auf das in diesem Sinne notwendige Maß beschränkt bleiben", führte Intendant Bellut aus. Im konkreten Fall bewege sich die Darstellung innerhalb des zulässigen Rahmens. Der Sender greife auf das im Rundfunkstaatsvertrag geregelte Instrument der Produktionshilfe zurück, "um die Produktionsetats und damit letztlich die Beitragszahler zu entlasten".

Nicht alle BMW-Fahrzeuge, die in dem Krimi zu sehen sind, seien Teil der kostenlosen Produktionshilfe von BMW gewesen, so Bellut. Einige Autos habe die Produktion gegen Entgelt angemietet, darunter das Dienstfahrzeug der Kommissarin. Im Nachhinein könne man selbstkritisch sagen, dass hier ein Fahrzeug eines anderen Herstellers hätte angemietet werden sollen, räumte der Intendant ein. "Meine kritische Einschätzung dazu habe ich der Redaktion mitgeteilt."

Bellut verwies zugleich darauf, dass für den Krimi auch Fahrzeuge anderer Marken angemietet worden seien. Dies trage der "gebotenen Produktvielfalt" Rechnung und unterstütze eine "realistische Abbildung der Lebenswirklichkeit".

Die Folge "Still ruht der See" der im Saarland spielenden Reihe wurde im April auf Arte erstausgestrahlt. Die "Saarbrücker Zeitung" notierte dazu kritisch: "Schleichwerbung ist ja dann am besten, wenn sie tatsächlich schleicht - diese hier aber trampelt." Der Journalist Rosenkranz monierte in einem Clip auf "Übermedien", dass unter anderem durch die Kameraführung die Grenze zur Werblichkeit überschritten werde (http://u.epd.de/18gu).

Der ZDF-Fernsehrat, bei dem die Programmbeschwerde eingereicht wurde, hatte Bellut um eine Stellungnahme gebeten. Laut ZDF-Satzung kann der Beschwerdeführer binnen Monatsfrist eine Behandlung seiner Beschwerde im Fernsehrat fordern, wenn er mit der Antwort des Intendanten nicht zufrieden ist. Rosenkranz sagte dem epd am 17. Juni, er werde den Fernsehrat bitten, sich des Themas anzunehmen.

Leonhard Dobusch, Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied im ZDF-Fernsehrat, sagte dem epd nach der Sitzung des Gremiums am 14. Juni in München, die Autos seien seiner Meinung nach auf "fragwürdige Art und Weise in Szene gesetzt" worden. Die tabellarische Auflistung der Produktkooperationen sei zwar zu begrüßen. Das allein sei aber "wenig aussagekräftig", weil es "nicht nur auf das 'ob', sondern vor allem auch auf das 'wie' einer derartigen Kooperation ankommt".

Eine stichprobenartige Analyse solcher Kooperationen halte er für sinnvoll, um werbliche Anmutungen zu vermeiden, so Dobusch. Dabei könne beispielsweise geprüft werden, ob eine "werbewirksame Kameraführung" oder eine anderweitige Darstellung zur "Förderung werblicher Interessen" vorliege, die laut den ZDF-Richtlinien für Werbung, Sponsorin, Gewinnspiele und Produktionshilfe zu vermeiden sind. "Alleine die Ankündigung von solchen anlassunabhängigen Stichprobenprüfungen würde dazu beitragen, für problematisches Product Placement zu sensibilisieren", sagte Dobusch.

Aus epd medien 26/19 vom 28. Juni 2019

rid/nf