BDZV benennt sich um und öffnet sich stärker für Digitalpublisher

Döpfner: Symbolischer Schritt bedeutet große Perspektive - Zeitungskongress 2019
Berlin (epd)

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) nennt sich künftig Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger. Damit wolle sich der Verband stärker für Anbieter von digitalen journalistischen Produkten öffnen, sagte BDZV-Präsident Mathias Döpfner am 24. September zur Eröffnung des BDZV-Zeitungskongresses 2019 in Berlin. Dies sei ein "kleiner symbolischer Schritt", der aber eine große Perspektive für den Verband bedeute. Bei der Konferenz unter dem Motto "Veränderung ist die einzige Konstante" diskutierten die Verlage von rund 350 Zeitungstiteln unter anderem über neue digitale Einnahmemodelle.

Döpfner zufolge verliert die gedruckte Zeitung weiter an Anzeigen und Lesern. Print und Digital gemeinsam könnten jedoch ein Erfolgsmodell sein, unterstrich er. Das Wichtigste für ihn bleibe, dass Journalismus insgesamt ein Geschäftsmodell bleiben müsse, um dauerhaft Vielfalt und Qualität in der Berichterstattung zu sichern. Zugleich verlangte er, dass journalistische Grundwerte wie eine wahrhafte und unabhängige Berichterstattung auch für digitale Angebote und auch für Youtuber oder Blogger gelten sollten, die journalistische Inhalte verbreiten. Es müsse weiterhin das Prinzip der "verantwortlichen Absenderschaft" gelten, sagte Döpfner. Wer Unwahrheiten verbreite, müsse "zur Verantwortung gezogen werden".

Auf dem Kongress diskutierten unter anderem der Geschäftsführer der Berliner "tageszeitung" (taz), Karl-Heinz Ruch, die Chefredakteurin Digitale Transformation und Innovation im Regionalen der Madsack Mediengruppe, Hannah Suppa, und der Verleger der Mediengruppe Straubinger Tageblatt/Landshuter Zeitung, Martin Balle, über die digitale Zukunft. Suppa betonte, Madsack setze darauf, etablierte Marken weiterzuführen und gleichzeitig über Investitionen in Digitalprodukte Neues aufzubauen. "Es ist wichtig, dass wir zwei Stränge miteinander verbinden", sagte sie. Viele Zeitungsverlage hätten in der Vergangenheit digitale Projekte ausprobiert, manchmal sei dabei nicht der richtige Fokus gesetzt worden.

Ruch kritisierte, die Zeitungsverlage diskutierten seit 20 Jahren über Bezahlmodelle im Internet. Viele Verlage setzten derzeit bei ihren Webseiten auf ein Abomodell zurück. Dabei verschrecke seiner Erfahrung nach die Bezahlschranke viele Nutzer. Die taz setze deshalb auf freiwillige Zahlungen. Balle wiederum kündigte an, mit neuen Digitalangeboten zunächst neue Leserschichten gewinnen zu wollen. Daraus könnten später Einahmen gewonnen werden.

Zuschüsse gefordert

Weiterhin drängen die Zeitungsverleger auf staatliche Unterstützung zur Bezahlung ihrer Zeitungszusteller. Es gebe zwar noch keine Entscheidung, Gespräche mit der Politik hätten aber gezeigt, dass sie verstehe, dass ein staatlicher Zuschuss die Verbreitungen der Zeitungen und damit der journalistischen Inhalte auch in ländlichen Regionen sicherstelle, sagte BDZV-Präsident Döpfner, der Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Axel Springer ist. Dies würde langfristig den Verlagserfolg sichern und eine staatliche Unterstützung journalistischer Inhalte verhindern, argumentierte Döpfner.

Die Zeitungsverlage kritisieren seit längerem den für die Branche seit 2018 voll geltenden Mindestlohn für Zeitungszusteller. Sie argumentieren, viele Zusteller lieferten Zeitungen im Nebenjob und auf Minijob-Basis aus, im ländlichen Raum sei die Zustellung bei Mindestlohn zudem nicht mehr wirtschaftlich vertretbar. Damit stehe aber auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Lokalredaktion im Raum. Um die Verlage zu entlasten, wollte die große Koalition die Rentenbeiträge bei Zeitungszustellern von 15 auf fünf Prozent reduzieren, die Differenz von zehn Prozentpunkten sollte der Staat auffangen. Medienberichten zufolge stoppte die Koalition jedoch das Vorhaben.

Wie der BDZV bereits am 23. September bekanntgab, wird der Fußballtrainer Frank Mengersen mit dem Bürgerpreis der deutschen Zeitungen geehrt. Zur Begründung verwies die Jury aus Chefredakteuren deutscher Tageszeitungen darauf, dass der Trainer und Jugendkoordinator beim BSC Acosta Braunschweig einer konkurrierenden Jugendmannschaft, die mit ihrem Kleinbus verunglückt war, in Absprache mit weiteren Vereinen die Meisterschaft geschenkt hatte. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird am 12. März 2020 in Berlin verliehen.

Aus epd medien 39/19 vom 27. September 2019

cd/mih