ARD will Das Erste umbauen und Mediathek stärken

"Weltspiegel" wird am Sonntag nach dem "Bericht aus Berlin" gesendet
München (epd).

Die ARD will ihr Gemeinschaftsprogramm Das Erste umbauen und die ARD-Mediathek stärken. Programmdirektorin Christine Strobl sagte am 15. Oktober, alle ARD-Gemeinschaftsangebote sollten so aufgestellt werden, „dass sie sich ergänzen und zusammen an Jung und Alt richten“. Strobl stellte ihr Reformprojekt zusammen mit ARD-Chefredakteur Oliver Köhr und Florian Hager, Channel Manager der ARD-Mediathek, vor.

Das Konzept war zuvor von den Intendantinnen und Intendanten nach Beratung mit den ARD-Gremienvorsitzenden einstimmig verabschiedet worden. Nach Angaben von Strobl soll der „Weltspiegel“ weiter am Sonntag gesendet werden und einen früheren Sendeplatz erhalten. In einem Strategiepapier der ARD-Programmdirektion, über das der epd im Juli berichtet hatte, war vorgesehen, dass die Sendung auf den späten Montagabend verlegt werden soll. Gegen diese Pläne hatten zahlreiche Auslandskorrespondenten und Redakteurinnen der ARD protestiert (epd 28/21). Strobl sagte, die Diskussion darüber sei „sehr konstruktiv“ gewesen. Im Mittelpunkt habe die Frage gestanden: „Wie können wir die Inhalte aus der Welt optimal an unser Publikum bringen?“

Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow sagte, der Senderverbund wolle sich mit diesen Reformen, die ab 2022 umgesetzt werden, zu einem „relevanten Inhalte-Netzwerk“ entwickeln. Die ARD-Mediathek werde nicht länger „nur ein Anhängsel“ des Ersten sein, sondern als eigenständiges Angebot ausgebaut.

Geplant sind unter anderem regelmäßige Programmhöhepunkte und Premieren von exklusiven Serien in der Mediathek. Pro Monat soll es zwei Serienhighlights und zwei dokumentarische Produktionen geben, die zuerst in der Mediathek veröffentlicht werden. Hager sagte, einmal pro Monat werde auch eine investigative Dokumentation zu sehen sein, die unter anderem von den Redaktionen der Politikmagazine im Ersten zugeliefert werden soll. Ziel der Reform sei es, die Mediathek zu stärken und dort „jüngere, zielgruppenspezifischere und diversere Angebote“ zu machen.

Regelmäßig sollen in der ARD-Mediathek auch Doku-Serien zu sehen sein, kündigte die ARD an, so unter anderem „Bastards“ über ein deutsch-iranisches Wrestling-Team in Frankfurt am Main, „Auf dem Weg“ über acht Jugendliche mit Down-Syndrom, die gemeinsam auf eine Reise gehen, und eine True-Crime-Reihe über die Polizeidirektion 65 auf der Reeperbahn der 70er Jahre.

20 Millionen von der Degeto

Buhrow stellte klar, dass es keine Personalaufstockungen für die zusätzlichen Programmanstrengungen geben werde. Die Dokumentationen müssten aus den Redaktionen geliefert werden oder kämen ebenso wie die Serien von freien Auftragsproduzenten. Die Mediathek expandiere „bei gleichbleibendem Budget“, sagte Hager. Strobl ergänzte, die ARD-Produktionstochter Degeto investiere 20 Millionen, um „Mediathekprodukte anzuschieben“. Dieses Geld werde an anderer Stelle im Budget der Degeto eingespart.

In dem im Sommer diskutierten Papier zur Flottenstrategie hatte die ARD-Programmdirektion gefordert, das Budget, über das sie verfügen könne, von zwei auf elf Millionen Euro pro Jahr zu erhöhen. Buhrow sagte nun, die ARD wolle "eine substanzielle einstellige Summe in die Programmdirektion geben, diese werde jedoch unter elf Millionen Euro liegen.

Strobl sagte, gleichzeitig mit dem Ausbau der Mediathek solle das Profil des Ersten Programms gestärkt werden. In Zukunft werde der „Weltspiegel“ am Sonntagabend direkt nach dem „Bericht aus Berlin“ gesendet. Die beiden Redaktionen wollten zusammenarbeiten. Wenn der „Weltspiegel“ zum Beispiel über die inländische Diskussion zu Afghanistan berichte, könnten die Auslands-Korrespondenten diesen Bericht im „Weltspiegel“ durch den Blick auf die Situation im Land ergänzen. Ab 19.15 Uhr will das Erste dann am Sonntag eine „Sportschau“ mit Berichten über die Zweite Bundesliga und internationale Spiele zeigen. Die Rechte dafür hat die ARD bereits erworben (epd 46/20).

Am Montag gebe das Erste ein „klares Informationsversprechen“, sagte Strobl. An diesem Tag soll nach den „Tagesthemen“ ab 22.50 Uhr ein Wissensformat oder eine Auslandsdokumentation laufen. Derzeit würden dafür neue Reihen entwickelt. Sandra Maischberger werde in Zukunft am Dienstag und am Mittwoch eine Talksendung machen. In diesen Sendungen werde Maischberger „intensive Einzelgespräche in kleiner Runde“ führen. Ziel sei es auch im Ersten, jüngere Menschen für die Inhalte der ARD zu begeistern, sagte Strobl. Geplant sind außerdem mehr sogenannte Events im Ersten, ein neues Comedyformat am Freitag, eine neue Reportage-Reihe ebenfalls am Freitag sowie mehr Sendungen mit Carolin Kebekus und Comedy-Serien wie „How to Dad“ und „Marzahn mon amour“.

Aus epd medien 42/21 vom 22. Oktober 2021

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