ARD und ZDF können nun doch Fußball-EM 2024 zeigen

Rechte-Deal mit Telekom: EM 2020 und WM 2022 auch bei Magenta
Bonn/Frankfurt a.M. (epd)

ARD und ZDF übertragen nun doch zahlreiche Spiele der Fußball-EM 2024, die in Deutschland stattfinden wird. Der Rechteinhaber Telekom teilte am 9. März in Bonn mit, dass eine Sublizenz für 34 Live-Übertragungen an die öffentlich-rechtlichen Sender vergeben worden sei. Im Gegenzug erhalte die Telekom von ARD und ZDF Sublizenzen für die Fußball-EM 2020, die wegen der Corona-Pandemie in diesem Sommer nachgeholt wird, und für die Fußball-WM 2022 in Katar. Außerdem erwarb RTL von der Telekom eine Sublizenz für 17 Spiele der EM 2024. Finanzielle Details der Kontrakte wurden nicht genannt.

Die Telekom mit Sitz in Bonn hatte 2019 vom europäischen Fußballverband Uefa den Zuschlag für die exklusive Live-Ausstrahlung aller 51 Spiele des Turniers im Jahr 2024 erhalten (epd 43/19). Erstmals waren damit ARD und ZDF bei der Vergabe der EM-Rechte für den deutschen Markt leer ausgegangen. Die Telekom kann laut Vertrag alle Spiele über ihre TV- und Streaming-Plattformen anbieten. Das Unternehmen erklärte aber bereits 2019, man prüfe eine mögliche Sublizenzierung an Free-TV-Partner.

Gesetzliche Vorgaben für die Übertragung bestimmter Sport-Großereignisse hatten die Vergabe einer Sublizenz wahrscheinlich gemacht. So müssen laut Medienstaatsvertrag bei Fußball-Europameisterschaften unter anderem alle Spiele mit deutscher Beteiligung auch im Free-TV laufen, wenn die Rechte bei einem Pay-TV-Anbieter liegen. Zu den Pay-Anbietern zählt auch die Telekom mit ihrer Bezahlplattform Magenta TV.

Die Telekom betonte, durch die geschlossenen Vereinbarungen seien nur bei Magenta TV alle Spiele der nächsten drei Fußball-Großturniere live zu sehen. Zehn Spiele der EM 2020 und 16 Spiele der WM 2022 würden ausschließlich im TV-Angebot der Telekom gezeigt. Für die EM in diesem Sommer sollen vier Kanäle eingerichtet werden, zwei in Full-HD und zwei in Ultra-HD. Magenta TV gibt es im Komplettpaket aus Festnetz, Breitband und Fernsehen, das Angebot kann aber auch unabhängig vom Internetprovider über Apps für TV-Sticks, Tablets oder Smart-Fernseher gebucht werden.

ARD und ZDF teilten gemeinsam mit, dass sie 41 Spiele der EM 2020 und 48 Spiele WM 2022 live übertragen werden. Darunter seien alle Begegnungen der deutschen Nationalmannschaft, der Eröffnungsspiele, die Halbfinalspiele und die Finalpartien. Die Wirksamkeit der Vereinbarung mit der Telekom stehe allerdings unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsgremien.

ARD-Sportintendantin Katja Wildermuth vom BR erklärte, die EM 2024 im eigenen Land habe eine "außerordentliche gesellschaftliche Relevanz". Daher freue sie sich, dass ARD und ZDF nun sämtliche wichtigen Spiele "unter Beachtung unserer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" anbieten könnten. Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow vom WDR sagte: "Eine Fußball-EM im eigenen Land ohne ARD und ZDF - das ist kaum vorstellbar." ZDF-Intendant Thomas Bellut verwies darauf, dass die Sublizenzierung von bereits gekauften Rechten an die Telekom den Vertrag "auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten" möglich gemacht habe.

RTL überträgt 17 Spiele

RTL teilte mit, die Vereinbarung mit der Telekom für die EM 2024 umfasse die Übertragung von 14 Spielen der Gruppenphase, zwei Achtelfinals und eines Viertelfinalspiels exklusiv im Free-TV bei RTL und im Livestream beim RTL-Streamingdienst TVNow. Zudem seien umfangreiche Highlight- und Abrufrechte in dem Paket enthalten. Bernd Reichart, CEO der Mediengruppe RTL Deutschland, verwies darauf, dass im November TVNow Premium in Magenta TV integriert worden sei. Die Partnerschaft mit der Deutschen Telekom werde nun auch im Bereich Content vorangetrieben.

Die Telekom ist schon seit längerem im Sportrechte-Markt aktiv. Sie hält unter anderem Rechte für die Basketball-Bundesliga, die Deutsche Eishockey Liga und die 3. Fußball-Liga. Da die Telekom aufgrund der Staatsbeteiligung am Unternehmen nicht selbst Rundfunk veranstalten darf, arbeitet sie für die Übertragungen von Basketball, Eishockey und 3. Liga mit der im bayerischen Holzkirchen ansässigen Firma Thinxpool TV zusammen. Diese nutzt Rundfunklizenzen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) für ihre Sport-Spartenkanäle und speist sie dann auf der Telekom-Plattform ein (epd 44/19). Thinxpool TV wurde von dem Sportjournalisten Albrecht Schmitt-Fleckenstein aufgebaut und wird seit dessen Tod im Sommer 2020 von Ellen Schmitt-Fleckenstein geleitet, die damit rundfunkrechtlich für die Kanäle verantwortlich ist.

Der milliardenschwere Markt für Übertragungsrechte von Sport-Events ist seit einigen Jahren zunehmend umkämpft. So waren ARD und ZDF 2015 bei der Vergabe der Live-Rechte für die Olympischen Spiele im Zeitraum von 2018 bis 2024 durch das Internationale Olympische Komitee leer ausgegangen. Nach zähem Ringen konnten sich die deutschen Öffentlich-Rechtlichen 2017 schließlich vom Rechteinhaber Discovery Communications doch noch Sublizenzen für die Live-Berichterstattung kaufen, nachdem die Verhandlungen zunächst wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen gescheitert waren.

Aus epd medien 10/21 vom 12. Februar 2021

rid