ARD-Programmdirektor Volker Herres hört vorzeitig auf

Degeto-Chefin Christine Strobl tritt Nachfolge an
München, Berlin (epd)

Der Programmdirektor der ARD, Volker Herres, will sein Amt nach mehr als zwölf Jahren zum 30. April abgeben. Herres habe bereits vor einiger Zeit den Intendanten der Landesrundfunkanstalten angeboten, sein Amt ein halbes Jahr vor Vertragsende abzugeben und noch mit 63 Jahren aufzuhören, teilte die ARD am 22. September mit. Seine Nachfolge wird zum 1. Mai 2021 die aktuelle Chefin der ARD-Tochter Degeto, Christine Strobl (49), antreten. Das gab der Senderverbund nach der Sitzung der Intendanten am 24. September in Berlin bekannt.

Strobl verantwortet in ihrer neuen Funktion das Erste Deutsche Fernsehen sowie die ARD-Mediathek und sitzt der neu beauftragten Videoprogrammkonferenz vor, die für die linearen und nonlinearen Videoangebote zuständig ist. Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow erklärte, Strobl habe gezeigt, dass sie "als Programmmacherin in Zeiten sich verändernden Sehgewohnheiten ein relevantes und attraktives Programm für Jung und Alt, für viele Menschen machen kann". Die Juristin war vor ihrer Tätigkeit für die Degeto Fernsehspielchefin des SWR. Von 2007 bis 2011 war sie Abteilungsleiterin Kinder- und Familienprogramm Fernsehen beim SWR. Strobl ist die Tochter von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und mit dem baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl (CDU) verheiratet.

Herres sagte, bis April liege ihm daran, eine wichtige Weichenstellung weiter auf den Weg zu bringen: den Umbau der Programmdirektion für das Erste hin zu einer auch für das nonlineare Angebot der ARD-Mediathek inhaltlich zuständigen Gemeinschaftseinrichtung. Zum Jahresbeginn ist die inhaltliche Zuständigkeit für die ARD-Mediathek in die Programmdirektion nach München gewechselt (epd 48/19). Als Channel Manager und Stellvertreter des Programmdirektors fungiert Florian Hager, der zuvor das junge Angebot Funk von ARD und ZDF aufgebaut hatte.

Der ARD-Vorsitzende Buhrow dankte Volker Herres "für seine Lebensleistung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit". In fast vier Jahrzehnten habe er sich um den öffentlichen-rechtlichen Rundfunk verdient gemacht, "jederzeit professionell, zielstrebig und norddeutsch besonnen", sagte Buhrow. "Seinen" Sender, das Erste, habe Herres als Qualitätsprogramm und Informationssender Nummer Eins in Deutschland mitgeprägt und den digitalen Umbau der ARD-Mediathek vorangetrieben.

Herres, der seine journalistische Laufbahn 1983 beim ZDF begonnen hatte, war 1987 zum NDR gegangen. 2004 wurde er dort Programmdirektor Fernsehen, 2008 schließlich Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens. Sein Vertrag als Programmchef des Ersten wurde 2012 und dann erneut 2017 verlängert.

Die ARD teilte mit, Herres werde dem Senderverbund auch über den 30. April 2021 hinaus noch beratend zur Seite stehen und die ARD im Trägerverein der Deutschen Journalistenschule weiter vertreten. Derzeit ist er dort Vorstandsvorsitzender. Den "Presseclub", den er seit 2007 moderiert, wird er wie bisher im Wechsel mit Jörg Schönenborn präsentieren.

Aus epd medien 39/20 vom 25. September 2020

rks/tz