Reduzierter Auslandsjournalismus gefährdet die Demokratie

epd In dem von Russland begonnenen Krieg zeigt sich, wie wenig wir in den vergangenen Jahren über die Ukraine erfahren haben. Ein Trend, der sich in weiten Teilen der Welt zeigt - viele Länder bleiben für deutsche Mediennutzer blass, weil etwa Personal und Finanzmittel für eine aufwendige Berichterstattung fehlen. Das gefährde letztlich die Demokratie, befindet Marc Engelhardt (Jahrgang 1971). Er war fast 20 Jahre lang als Auslandskorrespondent unter anderem für den epd tätig, zunächst aus Afrika, später aus Genf. Im Auftrag der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung hat Engelhardt das Arbeitspapier „Das Verblassen der Welt - Auslandsberichterstattung in der Krise“ verfasst, das Ende Februar veröffentlicht wurde (epd 11/22). Für epd medien hat er die Kernergebnisse seiner Untersuchung zusammengefasst. Engelhardt ist seit Ende 2021 Geschäftsführer der Recherche-Plattform „CrowdNewsroom“, die auf Initiative der Organisation Correctiv in der Schweiz gegründet wurde.

epd Seit dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine beherrschen Nachrichten aus einem Land die Schlagzeilen, das direkt an die EU grenzt und dessen Hauptstadt kaum mehr als eine Flugstunde von Berlin entfernt ist. Dabei zeigt sich auch, wie wenig wir in den vergangenen Jahren erfahren haben aus dem größten oder zweitgrößten Flächenstaat Europas - je nachdem, ob man Russland als (rein) europäisches Land versteht.

Nachrichten aus Kiew kamen vor dem Krieg überwiegend schlaglichtartig: Europa-Demonstrationen auf dem Majdan-Platz; Russland annektiert völkerrechtswidrig die Krim; im Osten des Landes rufen von Russland ausgerüstete Separatisten angebliche Volksrepubliken aus. Doch was diese Entwicklungen für die Menschen in der Ukraine bedeuteten, was seit 2014 etwa auf der Krim geschah und welche Dynamik die Besatzung auf beiden Seiten der Grenze auslöste: Darüber wurde schon kurze Zeit später kaum noch berichtet. Noch weniger Medien schauten kontinuierlich in die Ukraine. Auch deshalb schien der russische Überfall am 24. Februar regelrecht aus dem Nichts zu kommen.

USA dominieren Berichterstattung

Die Ukraine ist in dieser Hinsicht kein Einzelfall. Als die USA ihre Truppen aus Afghanistan abzogen, übernahmen die Taliban das Land viel schneller, als die meisten Beobachter erwartet hatten, US-Geheimdienste inklusive. Auch das Ja der Briten für den Brexit kam unerwartet, ebenso wie die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Seit Jahren schon nehmen solche „Überraschungen“ zu, und dafür gibt es Gründe. Allen voran den, dass deutsche Medien über einige Länder sehr viel, über andere aber selten bis gar nicht berichten. Für das Arbeitspapier „Das Verblassen der Welt“, das die Otto-Brenner-Stiftung (OBS) Ende Februar veröffentlicht hat, habe ich unter anderem untersucht, über welche Länder 23 führende regionale und überregionale Zeitungen in den vergangenen zehn Jahren berichtet haben (epd 11/22).

Die Auswertung zeigt, dass in deutschen Zeitungen kein Land so oft vorkommt wie die USA. Großbritannien auf Platz zwei der Liste kommt (trotz Brexit) im gleichen Zeitraum nicht einmal auf die Hälfte der Berichte, Frankreich und Österreich dahinter auf noch weniger. Es folgen (in absteigender Reihenfolge) Italien, Russland, die Schweiz, Spanien, Israel und die Türkei. China (elf) schafft es nicht in die Top 10, die Ukraine steht auf Rang 17. Auf jeden Artikel, der zwischen 2010 und 2020 über sie erschien, kommen 14 Artikel aus den Vereinigten Staaten. Bei Russland beträgt das Verhältnis immerhin noch dreieinhalb zu eins.

Dieses Missverhältnis im Umfang der Berichterstattung ist ein guter Indikator dafür, welche Aufmerksamkeit ein Land in Deutschland erfährt. Fast 50 Länder, mehr als ein Viertel der von den UN anerkannten Staaten, werden in den ausgewählten Zeitungen innerhalb von zehn Jahren gar nicht oder insgesamt weniger als 50 Mal berichtet. Zu ihnen gehören Länder wie die seit Jahrzehnten umkämpfte Westsahara, das autoritär regierte Äquatorialguinea oder die Republik Moldau, über die jetzt im Zusammenhang mit der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge berichtet wird. Ein Landesteil, das von der russischen Armee besetzte „Transnistrien“, könnte dabei durchaus als Vorgängermodell der sogenannten Volksrepubliken im Osten der Ukraine verstanden werden.

Verzerrtes Weltbild

Unter den vernachlässigten Teilen der Erdkugel sind viele afrikanische Staaten, etwa das putschgeplagte Guinea-Bissau, Gambia oder der Tschad. Auch viele Länder in Zentralasien, Süd- und Mittelamerika, Südostasien oder Ozeanien finden in deutschen Zeitungen kaum Platz. Die Auswertung bestätigt die Einschätzung des Erfurter Professors Kai Hafez, dass die Welt jenseits von Europa und den USA als eine Art „außersystemisches Chaos“ zu existieren scheint, aus dem allenfalls über Krieg, Armut und Gewalt - meist in akuten Krisensituationen - berichtet wird. Ansonsten finden diese Regionen in unserer Wahrnehmung kaum statt.

Es sind mehrere Faktoren, die im Zusammenspiel dafür verantwortlich sind, dass das durch die deutschen Medien transportierte Weltbild zunehmend verzerrt ist. Der erste und vielleicht wichtigste ist das Verschwinden von immer mehr Korrespondentinnen und Korrespondenten aus der Fläche. Das belegt unter anderem eine Umfrage im Weltreporter-Netzwerk, dem knapp 50 Korrespondentinnen und Korrespondenten angehören, die teils seit Jahrzehnten in ihrem Berichtsgebiet leben. Ausführliche Einzelinterviews mit Auslandsberichterstattern stützen diese Analyse ebenso.

Demnach werden regionale Berichtsgebiete zusammengeführt, Büros geschlossen, scheidende Korrespondentinnen nicht ersetzt. Die wenigsten Medienhäuser verfügen heute noch über ein Netz eigener, fest angestellter Korrespondenten. Zunehmend werden auch die Ressourcen für freie Auslandsjournalisten eingeschränkt. In der Folge werden viele Auslandsberichte an deutschen Schreibtischen geschrieben. Agenturen, deren Berichte dafür oft die Grundlage bilden, sparen ihrerseits beim Korrespondentennetz. Interessengeleitete Akteure wie die Pressestellen von Regierungen oder auch Nichtregierungsorganisationen können so zunehmend beeinflussen, was wir aus vielen Ländern wissen. Nur im Krisenfall oder im Rahmen von Pressereisen fliegen Redakteurinnen und Redakteure in ihnen oftmals nahezu unbekannte Länder.

Fallschirmreporter im Einsatz

Gerade jetzt im Ukrainekrieg sind diese Fallschirmreporter wieder im Einsatz. Sie sprechen oft weder Russisch noch Ukrainisch, haben nie in der Ukraine gelebt und berichten entsprechend vor allem das, was sie sich vorher angelesen haben. Es ist das Gegenteil dessen, was qualitativ hochwertige Auslandsberichterstattung leisten kann und sollte.

Für diese allerdings fehlt es zunehmend auch an Platz. Die Ausdünnung der Auslandsseiten und Sendeplätze vor allem in den privaten Medien begünstigt den eingeschränkten Blick auf das Weltgeschehen. Selbst im öffentlich-rechtlichen Rundfunk - mit seinen weltweit 31 Auslandsstudios eine der verlässlichsten Stützen des deutschen Auslandsjournalismus - sind Sendeplätze zunehmend rar gesät. Hintergründiges zu hören gibt es noch in den Programmen des Deutschlandradios, in den Informations- und Kulturwellen und in den von den ARD-Anstalten verlegten Podcasts, die oft aber ohne zusätzliche Ressourcen produziert werden müssen. Im Fernsehen sind es vor allem die Flaggschiffe wie „Auslandsjournal“ und „Weltspiegel“, in denen dem Auslandsgeschehen mehr Platz gewidmet wird. Dass die ARD sich zuletzt ausgerechnet um den Sendeplatz des „Weltspiegels“ wieder einen unwürdigen Streit lieferte, zeigt, dass Auslandsberichterstattung selbst hier um ihren Stellenwert kämpfen muss (epd 28/21).

In den Redaktionen schrumpfen zudem die Budgets. Mehr als zwei Drittel der für die OBS-Studie befragten Weltreporterinnen und Weltreporter gaben an, dass ihre Aufträge heute schlechter honoriert werden als früher, unter anderem weil die Beteiligung an Reisekosten oder die Möglichkeiten für Zweitverwertungen entfallen. Die Folge: Nach den festen verlassen auch viele freie Korrespondentinnen und Korrespondenten ihren Standort, weil ihr bisheriges Geschäftsmodell nicht mehr trägt.

Für die, die bleiben, wird die Berichterstattung immer schwieriger. Regierungen versuchen, die Berichterstattung ausländischer Journalisten zu behindern oder zu vereiteln. Das in Russland verabschiedete Gesetz, das Korrespondentinnen bei der Verbreitung angeblicher Fake News mit Haft droht (epd 10/22), ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Akkreditierungen werden in vielen Ländern verschleppt oder verweigert, ganze Regionen des Berichtsgebiets (so etwa die chinesische Provinz Xinjiang) gesperrt. Schwierigkeiten bei der Akkreditierung beklagen weit mehr als ein Drittel der befragten Weltreporterinnen und Weltreporter (38,7 Prozent), während fast die Hälfte (45,2 Prozent) eine Kontrolle durch autoritäre Regierungen als Problem benennt. Repression und Propaganda, weit gestreut über die sozialen Medien, erschweren die Arbeit, machen sie aber zugleich als Korrektiv und Faktenchecker noch wichtiger.

Punktuelle Berichterstattung

Wie bedeutend eine gute Auslandsberichterstattung ist, zeigt etwa das Beispiel Mali. Im Mai soll der Bundestag erneut entscheiden, ob die Bundeswehr ihren Einsatz unter UN-Mandat fortsetzen soll. Abgeordnete sollten sich vorab eine Meinung darüber bilden können, wie sie entscheiden; und auch Wählerinnen und Wähler sollten beurteilen können, was sie von dieser Entscheidung halten. Dafür brauchen sie Informationen. In Mali gab es zuletzt zwei Putsche, die Lage ist kompliziert. Grundsätzlich besteht ein Konsens darüber, dass die Stabilität im Sahel entscheidend auch für die Stabilität Europas ist. Was in Mali geschieht, ist also von großem Interesse für Deutschland, zumal durch die Präsenz deutscher Soldaten unmittelbar Deutsche vor Ort berührt sind.

Trotzdem hat kein einziges deutsches Medium eine Korrespondenz in Bamako. Die Berichterstattung aus Mali besteht überwiegend aus Agenturmeldungen, die punktuelle Ereignisse beleuchten. Dazu kommen Reportagen von Hauptstadtkorrespondentinnen, die gemeinsam mit einer Ministerin nach Mali reisen. Jenseits der Bundeswehr-Stützpunkte bekommen diese Berichterstatter praktisch nichts vom Land zu sehen. Auf dieser Basis ein Bild der Lage vor Ort zu vermitteln, ist praktisch unmöglich. Stücke, die das Land darüber hinaus beleuchten, sind rar gesät.

Ähnliches gilt erschreckenderweise in Ländern, die mit Korrespondentinnen und Korrespondenten gut ausgestattet sind. So leben Korrespondentinnen und Korrespondenten in den USA vor allem in den großen Städten an den Küsten. Vom Wahlsieg Donald Trumps im Jahr 2016 wurden diese auch deshalb so kalt erwischt, weil sie die Begeisterung im Binnenland der USA falsch einschätzt hatten. Denn selbst in den USA, wo die meisten Medien noch feste Korrespondenzen haben, fehlt den Berichterstatterinnen oft die Zeit, das Geld oder beides, um den Schreibtisch zu verlassen und ohne konkreten Anlass mehrere Tage zu reisen. Das hat sich, trotz der Schlüsse, die aus der Trump-Wahl gezogen wurden, bis heute nicht grundsätzlich verändert. Durch den ständig wachsenden Output, der neben dem Artikel für die Printausgabe auch aktuelle Updates für digitale Ausspielwege umfasst, ist es ganz praktisch schon kaum möglich, den Arbeitsplatz länger zu verlassen als unmittelbar für die Tagesproduktion nötig. Und so bleiben die Geschehnisse auch in solchen Ländern eigentümlich blass.

Eyewitness-Reporting

Angesichts einer solchen Krise steht außer Frage, dass sich der Auslandsjournalismus verändern muss. Gerade in Zeiten, die ein verstärktes - auch militärisches - Engagement Deutschlands in der Welt zu erfordern scheinen, brauchen Medienkonsumenten Orientierung, Kontextualisierung und Einordnung des Geschehens im Ausland, so dass sie in die Lage versetzt werden, Entwicklungen jenseits von Deutschland und ihre möglichen Auswirkungen zu verstehen. Das gilt gerade, aber nicht nur im Zusammenhang mit Kriegen, von denen es aktuell mehr als 20 in der Welt gibt. Ebenso sind das Verständnis für die weltweiten Folgen der Klimakrise und andere, regionale Entwicklungen bedeutend, und zwar bevor eine Situation eskaliert. Dass es dafür nicht die eine umfassende Lösung gibt, ist klar. Schon gar nicht gibt es ein Zurück zur „guten alten Zeit“ des Auslandsjournalismus, die es tatsächlich nie gab. Denn einerseits stimmt es, dass die Auslandsberichterstattung heute sehr viel besser sein könnte. Andererseits ist auch wahr, dass die technischen Voraussetzungen für gute Auslandsberichterstattung noch nie so gut waren wie heute. Diese Möglichkeiten gilt es besser zu nutzen.

Wichtigster Maßstab für qualitativ hochwertige Auslandsberichterstattung ist, dass sie vor Ort gemacht wird. Leserinnen und Leser müssen einen Anspruch darauf haben, dass die Auslandsseiten von Korrespondentinnen und Korrespondenten im Ausland gefüllt werden. Nur so ist ein journalistisches „eyewitness-reporting“ möglich, das eine adäquate Abbildung und Einordnung der Geschehnisse ermöglicht. Weil Auslandskorrespondenten ihre Kompetenz dadurch erwerben, dass sie ihr Berichtsgebiet über lange Zeit kennen, muss diese Kompetenz inhaltlich und finanziell honoriert werden, auch dann, wenn es nicht „brennt“.

Dabei spielen Netzwerke freier Korrespondentinnen und Korrespondenten, von denen mit den Weltreportern, n-ost, Hostwriter, Deine Korrespondentin oder den Riff Reportern nur einige genannt sind, eine wichtige Rolle. Sie zu fördern und Auslandsseiten und -sendeplätze zu erhalten, ist ein wichtiges Ziel, das nicht allein dem Markt überlassen bleiben darf. Menschen, die Jahre und Jahrzehnte im Ausland leben, können Entwicklungen besser beobachten und frühzeitig vor Gefahren warnen. Sie müssen allerdings entsprechend ausgebildet, ausgestattet und von ihren Redaktionen unterstützt werden. In der Ukraine sehen wir gerade wieder, dass freie Journalistinnen und Journalisten oft unter Lebensgefahr von dort berichten, wo feste Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Sicherheitsgründen nicht mehr hindürfen. Eine solche Zweiklassenbehandlung darf es nicht geben.

Staat in der Pflicht

Es ist an der Zeit, dass auch der Staat sich stärker für die Auslandsberichterstattung engagiert, zumal er von dieser unmittelbar profitiert. Ihr volkswirtschaftlicher Nutzen geht womöglich weit über den marktwirtschaftlichen hinaus, auch wenn das Interesse der deutschen Medienkonsumierenden an Auslandsthemen oft unterschätzt wird. Interessen der deutschen Exportwirtschaft und der vielen reiselustigen Deutschen stehen auf der Habenseite. Zudem gibt es Millionen Deutsche mit Migrationshintergrund, die auf unabhängige Berichterstattung aus ihrer zweiten oder ersten Heimat (oder der ihrer Verwandten) angewiesen sind. Kontinuierliche und verlässliche Berichte aus dem Ausland sind schließlich die Basis für zahlreiche politische Entscheidungen, von denen oft die Gesundheit oder gar das Leben von Menschen abhängt. Zum stärkeren Engagement des Bundes für die Auslandsberichterstattung gehört mithin, dass sich Botschaften noch stärker als bisher für Korrespondentinnen und Korrespondenten einsetzen, denen eine freie Berichterstattung erschwert oder unmöglich gemacht werden soll. Doch das allein reicht noch nicht.

Gebraucht wird auch eine Debatte über die finanzielle Unterstützung von Berichten aus dem Ausland. Es ist keineswegs zwangsläufig, dass die Auslandsberichterstattung in den vergangenen Jahren derart zusammengekürzt worden ist. Vielmehr ist diese Entwicklung Ergebnis eines primär gewinnorientierten Journalismus. Wenn Information aus dem Ausland dagegen als öffentliches Asset verstanden würde, das (wie etwa Infrastruktur) die Grundlage für Demokratie und Prosperität darstellt, wäre die Lage eine ganz andere. Auslandsberichterstattung ließe sich dann öffentlich fördern und ausweiten. So wie die Bundesrepublik sich Filmförderung leistet, kann sie sich auch eine Förderung der Auslandsberichterstattung leisten. Was bislang fehlt, ist der politische Wille dazu.

Die Form einer Förderung von Auslandsberichterstattung müsste die Unabhängigkeit der Berichterstattung gewährleisten und sollte Korrespondenten vor Ort ebenso unterstützen wie Publikationen, die mehr Raum für Auslandsberichte schaffen. Die genaue Ausgestaltung wäre Sache der Politik, die sicherlich jedoch gut daran täte, alle betroffenen Gruppen - auch Auslandskorrespondentinnen - am politischen Prozess zu beteiligen. Unbezahlbar jedenfalls wäre eine solche Förderung kaum. Vor dem Hintergrund der technischen Realitäten ist Berichterstattung aus dem Ausland sogar womöglich so günstig wie nie zu haben. Wo vor zehn Jahren noch Studios mit Satellitenschüsseln, Telexgeräte und aufwendige Technik gebraucht wurden, reichen heute selbst für Fernsehberichte ein Laptop und ein Handy aus - natürlich nicht in allen Berichtsgebieten, aber sicher in denen, die zurzeit besonders unterbelichtet sind.

Medienförderung erforderlich

Gegen die staatliche Förderung der Auslandsberichterstattung lassen sich zwar die Argumente vorbringen, die gegen staatliche Medienförderung überhaupt ins Feld geführt werden: drohende Wettbewerbsverzerrung auf dem Medienmarkt (etwa zugunsten großer Medienkonzerne), Gefahr der politischen Beeinflussung auch infolge von intransparenter Mittelvergabe (und damit letztlich das Ende der angestrebten Unabhängigkeit der Medien) oder die wenig effiziente Mittelausnutzung, wenn Geld nach dem Gießkannenprinzip vergeben wird. Solche Punkte müssen ernst genommen und bei der konkreten Ausgestaltung des Förderinstrumentariums berücksichtigt werden.

Aktuelle Debatten über die staatliche Medienförderung, etwa in der Schweiz und auf EU-Ebene (epd 7/22), thematisieren diese Fragen bereits, die nicht dem Auslandsjournalismus eigen sind, sondern auf jede Art von staatlicher Medienförderung zutreffen. Angesichts der katastrophalen Lage des Auslandsjournalismus müssen diese Debatten aber geführt und Lösungen gefunden werden. Nur dann könnte die Welt in den deutschen Medien zumindest wieder ein wenig sichtbarer werden.

Aus epd medien 13/22 vom 1. April 2022

Marc Engelhardt