Drei Mal Drei

Die Trielle als Wahlkampf-Show im Fernsehen

Zum ersten Mal konnten die deutschen Fernsehzuschauer in diesem Jahr einen Dreikampf um das Kanzleramt erleben. In drei sogenannten Triellen traten die Spitzenkandidaten der drei größten Parteien, Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD), im Fernsehen gegeneinander an. Das erste Triell am 29. August bei RTL und NTV erzielte auf beiden Sendern zusammen 5,68 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 18,2 Prozent. Beim zweiten Triell am 12. September schauten im Ersten, bei ZDF und Phoenix fast 11,17 Millionen Interessierte zu, der Marktanteil lag zusammengerechnet bei 36,4 Prozent. Das dritte Triell verfolgten am 19. September bei ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 insgesamt 4,07 Millionen Menschen, der Marktanteil lag laut AGF Videoforschung bei 12,8 Prozent.

epd Das war es also. Gesehen haben wir in den vergangenen Wochen drei Trielle, drei Mal drei Spitzenkandidaten ihrer Parteien in der TV-Befragung durch drei mehr oder weniger überzeugende Moderatorenduos, zwei Mal moderierten eine Frau und ein Mann, ein Mal zwei Frauen. Im Nachhinein lässt sich die Befragung der Kandidaten und der Kandidatin - zur Erinnerung: in Deutschland wählen wir Parteien, keine Kanzler - auch als Leistungsschau, vielmehr Leistungs-Show des politischen Fernsehjournalismus ansehen.

Was taugt das Format? Und was taugen die Moderatorinnen und Moderatoren? Wem nützt es und was kommt dabei heraus? Und müssen diese vielen Analyserunden, in denen, schön proporzmäßig verteilt, die üblichen Verdächtigen ihre vorhersehbaren Urteile abgeben und Begeisterung über ihren Mann oder ihre Frau äußern, wirklich sein? Braucht es flankierende Maßnahmen wie die Frage, wer denn nun das Triell „gewonnen“ hat, Daten, die angeblich eine objektive Einordnung erlauben sollen? Brauchen wir Anne Will und all die anderen, brauchen wir Befragungen der Politiker durch Kinder, Wahlarenen und so weiter zur Urteilsbildung?

Das Gute: Im Prinzip kann kein Fernsehzuschauer mehr sagen, er habe keinen blassen Schimmer. Wer wofür steht, ist mehr als hinreichend bekannt. Immerhin gibt es dieses Mal, so spitzten es die politischen Kommentatoren zu, tatsächlich eine „Richtungswahl“. Man kann sich also mit Gründen entscheiden, auch wenn wichtige Themen - wie die Zukunft Europas, Deutschlands Rolle in der Welt, die Digitalisierung und die Bildungspolitik - in den „Triellen“ fast ausgespart blieben. Das Fernsehen hat ein Mögliches an Vermittlung getan. Mit den Journalistinnen und Journalisten, die es dafür für besonders geeignet hält. Hat es etwas bewirkt? An der Wahlbeteiligung wird es sich vielleicht ein wenig ablesen lassen.

Wie wirksam dabei die Trielle waren, wird sich direkt nicht sagen lassen. Die gemessenen Wahltrends haben hier nur begrenzte Aussagekraft.

In den Triellen wollten die Sender auch zeigen, wie sie Politjournalismus verstehen und betreiben. Wie und wo sie ihr Publikum mit Fragen und Einlassungen ihrer Moderatoren „abholen“ und nicht zuletzt zum Wählen bewegen wollen. Immer noch, so hieß es unmittelbar vor dem dritten und letzten Triell, seien 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler unentschieden, fänden keinen Kandidaten überzeugend. Demokratiemüdigkeit freilich können wir uns als Gemeinwesen nicht leisten.

Hier traten gewissermaßen auch drei Systeme gegeneinander an: das öffentlich-rechtliche, die RTL-Familie und der ProSiebenSat.1-Konzern. Für das öffentlich-rechtliche Fernsehen ging es bei den Fragerunden auch um einiges. Die Informations- und Seriositätsoffensive der privaten Sender fordert die Informationskompetenz von ARD und ZDF heraus. Die Wechsel in diesem Jahr - Linda Zervakis, Matthias Opdenhövel, Pinar Atalay und Jan Hofer wanderten von der ARD zu den Privaten ab (epd 23, 18/21) - und die neuen Formate bei den Privaten erzeugen Innovationsdruck. Ein „Weiter so“ wird es für ARD und ZDF im Informationsangebot auf längere Sicht ebenso wenig geben wie für die Bundesrepublik Deutschland insgesamt. Auch in dieser Hinsicht waren die Trielle sehr aufschlussreich.

Mehr oder weniger zynische Kommentatoren schrieben, dass es uns als Nation vielleicht doch noch zu gut gehe, und fragten, warum in den Triellen nicht noch leidenschaftlicher gestritten wurde, warum das politische Spitzenpersonal nicht mehr Ecken und Kanten zeigte. So, wie man es vielleicht in der Viererbefragung von Janine Wissler (Die Linke), Christian Lindner (FDP), Alexander Dobrindt (CSU) und Alice Weidel (AfD) in der ARD gesehen zu haben meint.

Eine solche Einschätzung verkennt die Funktion, die ein Triell hat: Hier geht es um die Kanzlerschaft - inhaltliche Kontroverse und rhetorischer Angriff werden zuallererst strategisch und taktisch eingesetzt und dienen der Wähler-Vertrauensbildung. In dieser Beziehung griffen vor allem Olaf Scholz und Armin Laschet zum individual- und sozialmoralisch jahrzehntelang Bewährten. Der eine sprach immer wieder von Respekt, der andere legte in einem seiner Schlussplädoyers gar die Hand aufs Herz. Hier ein „Sie kennen mich“, dort ein Verweis auf „Standfestigkeit“, auf Kohl und Adenauer. Überraschung: Das zieht, oft mehr als die Kraft des Arguments.

Keine Ruck-Reden

Rhetorisch, das muss man festhalten, sind weder Annalena Baerbock noch Laschet noch Scholz Leuchten. Wenn sie sich an Bilder, Vergleiche und Metaphern wagen, kommen meist unabsichtliche Assoziationen mit ins Spiel. Es wäre klüger, sie ließen es sein. Wenn Laschet vom „Wind der Veränderung“ spricht, der den Menschen ins Gesicht blase, wenn Baerbock von Laschet verlangt, „eine Brandmauer gegen rechts zu schließen“, dann versteht man, warum sich Scholz solcher Blumigkeit weitgehend enthält. Wer Ruck-Reden liebt und Menschen, die Aufbruchsbegeisterung wecken, der ist in diesen Triellen kaum fündig geworden.

Habitus ist wichtig, wenn man Kanzlerin oder Kanzler sein will. Habitus ist nicht Aufplustern, sondern Wiedererkennbarsein. Auch Angela Merkel hat ihren Habitus, der gerade im Nicht-Eitlen zu finden ist. Authentizität heißt in diesem Zusammenhang, das Vertretene selbst überzeugend als Person zu verkörpern. Die Lehren der Rhetorik, ob antik oder modern, betrachten immer den ganzen Menschen. Heute, so scheint es, gibt es da viele Vorbehalte, gilt die Kunst der Rhetorik vielen bloß als Kunst der Manipulation. Da wird viel verschenkt.

Manches Stilmittel der Redekunst allerdings scheint unverwüstlich. Das Stichwort, besonders von Scholz und Laschet in den Triellen gebraucht, heißt „Vertrauen“. Dass Baerbock zwar lebendig und mit direkter Ansprache ans Publikum auftrat, aber das „Tantenhafte“ vermied, ist wohl auch eine Generationenfrage. Wobei zu fragen wäre, ob Laschets „Onkelhaftigkeit“ im ersten Triell (bei der die Verfasserin dieser Zeilen sich gelegentlich an Rebecca Solnits „Wenn Männer mir die Welt erklären“ erinnert fühlte) und das bei Scholz oft konstatierte fehlende Temperament („Scholzomat“) wirklich unmoderner sind als die Fokussierung auf Sachthemen, die wiederum Baerbock in Kommentaren als Schwäche im Kampf ums Kanzleramt ausgelegt wurde.

Moderner und unmoderner Auftritt, wirksame und merkwürdige Moderation: Auch das Selbstverständnis der Moderationsduos unterschied sich in den drei Triellen. In den Runden ging es auch hier um einen Dreikampf: Wer macht es am besten? Nicht nur die Kandidaten sind gecoachte Medienprofis, auch die Moderatoren müssen ihre Rolle ausfüllen. Klar ist: Wohl dem Moderator und der Moderatorin, denen klar ist, dass sie in den Triellen Teil der „Wahlkampf-Show“ sind. Man sieht, ob die Beteiligten eine gewisse Distanz zu sich selbst und ihrer Rolle haben. Oder ob sie schon so sehr zur eigenen journalistischen Marke geworden sind, dass es schwierig wird.

Im ersten Triell am 29. August eröffneten Pinar Atalay und Peter Kloeppel mit der Frage an jeden Einzelnen, warum die anderen „Kanzler nicht können“. Ein vorausschaubar vergeblicher Versuch, persönlichen Dissens zu produzieren, auf den keiner der drei einstieg. Beim Thema Corona-Pandemie waren alle drei beieinander, erwartbar kontrovers wurden die Ausführungen zur Klimapolitik. Baerbock forderte unter anderem den weiteren Ausbau von Solarstromanlagen, Laschet verwies auf den Ausbau von Stromtrassen. Insgesamt blieben die Zukunft der Stromerzeugung und die Klimapolitik über alle drei Trielle ein bestimmendes Thema. Hier appellierte Laschet, in die Privatwirtschaft zu vertrauen, während Scholz und Baerbock mehr staatliche Lenkung forderten. Anhänger der Parteien konnten sich gut abgeholt fühlen. Es schien, als lieferten die Moderatoren hier nur die Vorlagen. Manchmal schleppte es sich.

Erst zum Schluss kam mehr Leben in die Debatte, als es um die Möglichkeiten der Koalitionsbildung ging. Laschet, eher lehrerhaft im Ton, versuchte, Scholz zum Ausschluss einer Koalition mit der Linken zu drängen. Der hielt sich zurück.

Zum Abschluss durften alle drei eine Minute lang für sich werben. Laschet erinnerte an Adenauer und beschwor die eigene „Standfestigkeit“. Scholz gefiel sich in zusammenfassenden Ausführungen mit Zurückhaltung. Als Einzige trat Baerbock hinter ihrem Pult hervor und sprach das Publikum direkt an, was ihr irritierte Blicke der Mitbewerber eintrug. Der Gewinner des Abends hieß nach einer Forsa-Umfrage Olaf Scholz.

Wenn das Triell zum Duell wird

Während man die Leistung von Atalay und Kloeppel als solide, aber wenig herausragend beschreiben kann, stellte Frauke Ludowigs anschließende RTL-Plauderrunde einen informativen Tiefpunkt dar. Die Gäste, unter ihnen Günther Jauch und Motsi Mabuse, schienen entweder allzu sehr an der Platzierung eigener Bonmots oder an der Besprechung aus überquellendem Herzen interessiert zu sein.

Im zweiten Triell am 12. September im Ersten, bei ZDF und bei Phoenix taten es die Männer am Ende Frau Baerbock überraschend gleich. Merke: Im Umgang mit „den Menschen da draußen“ trauen zumindest die Konkurrenten ihr Kompetenz zu. Dieses Mal kamen zum Schluss alle drei Kandidaten zum Werbeblock mehr oder weniger locker in die Mitte und präsentierten sich ohne Schranke der Kamera.

Die beiden Moderatoren des ARD/ZDF-„Triells“ wirkten zwar erwartungsgemäß gut vorbereitet, jagten aber die Kandidaten hektisch und unangenehm überroutiniert durch den Fragenkatalog. Nicht nur dass sich ZDF-Talkerin Maybrit Illner und ARD-Chefredakteur Oliver Köhr gegenseitig ins Wort fielen und an entscheidenden Stellen nicht nachfragten, es kam auch noch zu Kulissenpannen, und schließlich versagte sogar die Uhr. Die Witzbolde von „Extra3“ twitterten: „Im Gegensatz zum letzten geht es bei diesem Triell endlich mal hart her! Zumindest zwischen Moderatorin und Moderator.“

Laschet im Angriffsmodus

Dass die Redezeitmessung nicht rundlief, dafür konnten die Moderatoren nichts. Doch es war Baerbock, die darauf hinwies, dass Scholz' Uhr weiterlief - das wäre eigentlich Aufgabe von Illner und Köhr gewesen. Über Sinn und Unsinn der dauernden Einblendung und Beachtung der Redezeitmessung könnte man trefflich streiten. Für die Priorisierung in der Befragung schien sie weder in diesem noch im dritten Triell Konsequenzen zu haben. Fairness ist gut und schön, man muss das Instrument aber adäquat einsetzen. Im zweiten Triell unterbrach es zu oft den Redefluss.

ARD und ZDF zeigten Gesprächsführung zum Abgewöhnen, was nur deswegen weniger auffiel, weil Laschet durchaus unterhaltsam in den Angriffsmodus gewechselt hatte und von Beginn an Scholz einer peinlichen Befragung unterzog. Während Laschet und Scholz sich gegenseitig beharkten, blieb Baerbock weitgehend außen vor. Sie wurde aber auch nicht gefragt oder einbezogen. Die journalistische Leistung von Illner und Köhr war jedenfalls im direkten Vergleich um die Moderationsmedaille bloß Bronze.

Im Abschlussplädoyer warb Laschet um das Mandat als „Bundeskanzler des Vertrauens“ und legte die Hand aufs Herz. Baerbock forderte einen „Aufbruch“: „Deutschland kann so viel mehr.“ Scholz warb um Solidarität, Zusammenhalt und Respekt. Und reklamierte Bescheidenheit für sich: „Ich möchte Ihnen als Bundeskanzler dienen.“ Das hat er sich von der amtierenden Kanzlerin abgeschaut. Der Umfragesieger des Abends hieß wieder Olaf Scholz, Armin Laschet hatte sich auf Platz zwei vorgearbeitet.

Im Nachhinein kreideten einige Kommentatoren Annalena Baerbock an, sie sei zu stark auf der sachlichen Ebene geblieben. Als mitreißend wurde sie nicht wahrgenommen. Frauen können diese Einschätzung mit Fug und Recht sexistisch finden.

Das dritte Triell vom 19. September bei Pro Sieben, Sat.1 und Kabel1 stellte einige der Themen in den Mittelpunkt, die in den ersten beiden Sendungen unterbelichtet geblieben waren. Linda Zervakis und Claudia von Brauchitsch wirkten sehr gut eingespielt, von allen drei Moderationsteams schienen sie am interessiertesten und professionellsten. Das finale Triell stellte jedem Block einen Einspieler voran. Insgesamt waren die Fragen hier am zugänglichsten, sie schlossen an die Lebenswirklichkeit vieler Menschen an. Auch der Aufbau der Sendung wirkte organisch. Es ging viel um Soziales, nicht gerade ein Heimspiel für Laschet.

Zur Einstimmung gab es im Studio in Berlin Adlershof eine Woche vor der Wahl eine vorläufige Bilanz des Wahlkampfs im Film. Umfragen sahen die SPD hier mit 25 Prozent vorn, die CDU nun bei 22 Prozent, die Grünen nur noch bei 16 Prozent. In einer betonbrutalistischen Kulisse mit Stadtansichten im Hintergrund stellten die Moderatorinnen alle drei Kandidaten noch einmal vor. Ihnen ging es um die Bürger, die noch unentschlossen sind oder auch gänzlich uninformiert. Der Erklärblock war kompakt und informativ.

Soziale Fragen

In dieser Runde durfte zur Abwechslung jeder und jede zu Beginn „in einem Satz“ sagen, wofür er oder sie steht. Die Kandidaten brauchten mehrere Sätze - der „eine Satz“ war auch nicht wirklich ernst gemeint.

Scholz stellte erneut den Respekt in den Mittelpunkt, versprach einen höheren Mindestlohn, ein stabiles Rentenniveau und dass er gegen den Klimawandel kämpfen wolle. Baerbock äußerte sich ähnlich, sie betonte, ihre gehe es auch um die Familien und Kinder sowie um Lohngerechtigkeit - und natürlich um den Klimaschutz. Wer Wähler gewinnen will, benutze keine negativen Begriffe. Von „Klimakatastrophe“ rede er im Wahlkampf besser nicht. Laschet brachte das Thema Klima vorausschaubar in Verbindung mit der Warnung vor „neuer Belastung für die Wirtschaft“. Er sprach als Einziger das Thema innere und äußere Sicherheit an.

Dieses Mal ging es viel um soziale Fragen wie Hartz IV und „Bürgergeld“, Klima und Umwelt, islamistischen und Rechtsterrorismus, um die Zukunft der Pflege, schließlich auch um die Digitalisierung. Wie in den „Triellen“ zuvor drehte sich vieles um das Thema Strom und Energieerzeugung.

Auch im dritten Triell wurden keine Fragen zum Thema Bildung gestellt, nur zur Bildungsgerechtigkeit. Wer zur Häme neigt, könnte sagen, dass das an den Sendern und ihrem Zielpublikum liegt. Es lässt tief blicken, dass auch das Moderatorenpaar des öffentlich-rechtlichen Fernsehens diese Fragen nicht stellte - oder ist das der Rezensentin im Schweinsgalopp des Statement-Abhakens entgangen?

Dreifacher Dreikampf

Bei ProSiebenSat.1 durften zur Abwechslung mal die Kontrahenten einander jeweils eine Frage stellen. Laschet fragte Baerbock, was sie Scholz kritisch fragen würde. Vergeblich. Zwischen die Spitzenkandidatin der Grünen und den Spitzenkandidaten der SPD passte an diesem Triell-Abend kein Blatt Papier mehr - allenfalls eine Koalitionsvereinbarung.

Gegen Ende, als alle drei den Unentschlossenen drei Schlagworte mit auf den Weg geben durften, wirkte es, als spräche ein Duo füreinander und ein Einzelner, Laschet, für sich. Der Sieger des Abends hieß laut Forsa-Umfrage wieder Olaf Scholz. Mit noch größerem Abstand zu Laschet. Der Umfrage zufolge blieb Baerbock abgeschlagene Dritte.

Nach diesem Finale gab es bei Sat.1 noch eine letzte Analyse, moderiert von Daniel Boschmann, bei der herausgearbeitet wurde, dass dies das aussagekräftigste Triell war und die Moderatorinnen einen guten Job gemacht haben. Dem kann die im Gegensatz zu Boschmann unabhängige Kritikerin durchaus beipflichten.

Krach hinter den Kulissen

Die Bilanz des dreifachen Dreikampfs ist durchwachsen. Wer Parteiprogramme studiert hat, erfuhr wenig Neues. Große Enthüllungen und Verschiebungen blieben aus. Kandidatin und Kandidaten bemühten sich um den menschlichen Zugang zu den Bürgerinnen und Bürgern. Selbst da, wo in den Angriffsmodus geschaltet wurde, blieb es moderat. Der Wähler und die Wählerin möchten Durchsetzungsstärke ohne Verletzungen. Ob und, wenn ja, von wie vielen Wahlentscheidungen rational und gründlich informiert getroffen werden, steht auf einem anderen, dem wichtigsten Blatt.

Was wird von diesen drei Showauftritten in Erinnerung bleiben? Laschets Fabulieren vom „Wind der Veränderung“, der ihm ins Gesicht bläst. Der Krach hinter den Kulissen bei ARD und ZDF. Und das „Micky-Maus“-Heft von 1993, das Linda Zervakis als Beweis dafür in die Höhe hielt, dass wir seit Jahrzehnten um die nahende Klimakatastrophe wissen.

Aus epd medien 38/21 vom 24. September 2021

Heike Hupertz